Samuel Koch Er ist frisch verliebt

Seit seinem Unfall in der TV-Show «Wetten, dass..?» sitzt der Schauspiel-Student im Rollstuhl. Im Interview mit der «Schweizer Illustrierten» erzählt Samuel Koch, welche Fortschritte er seither gemacht hat und wieso er keine Träume mehr hegt. Und er verrät: Er hat ein Mädchen kennengelernt.
Samuel Koch trainiert im manuellen Rollstuhl seine Nackenmuskulatur
© Marcel Nöcker

Um seine Nackenmuskulatur zu trainieren, ist Samuel Koch oft mit dem manuellen Rollstuhl unterwegs.

Sein Schicksal bewegte die ganze Welt. Am 4. Dezember 2010 veränderte sich das Leben von Samuel Koch schlagartig. In der Sendung «Wetten, dass..?» will er mit Sprunghilfen über fahrende Autos hechten. Beim vierten Salto stürzt er schwer, bleibt liegen. Seither ist der 25-Jährige an den Rollstuhl gefesselt.

© Marcel Nöcker

Im Paraplegiker-Zentrum in Nottwil fand Samuel Koch nach seinem Unfall «mein neues Leben» - unter anderem durch die Hilfe von Stiftungs-Präsident Daniel Joggi.

Obwohl er der denkbar ungeeignetste Kandidat für eine Tetraplegie ist, - Sport und Bewegung waren vor dem Unfall alles für ihn - kommt Aufgeben für den Adrenalinjunkie nicht infrage. Deshalb möchte er seine neues Leben auch nicht akzeptieren, wie er der «Schweizer Illustrierten» im Interview erklärt. «Akzeptanz ist so ein Wort, das ich nicht mag. Ich verbinde es mit Gewöhnung. Mit Aufgeben.» Viel eher habe er eine Entwicklung durchgemacht. Vor allem die Lebensqualität in der Gegenwart dürfe nicht zu kurz kommen.

Und genau diese Lebensqualität verspürte Samuel Koch vor ein paar Wochen - beim Paragliding. «Als wir mit dem Schirm mehrere Loopings flogen, merkte ich, dass dies eigentlich mein gesunder Zustand wäre.» Er gehöre einfach mit dem Kopf nach unten, erzählt der Schauspiel-Student. Und weil das im Alltag nicht mehr möglich ist, hadert der Tetraplegiker nach wie vor mit seinem Schicksal - und auch mit Gott.

Dennoch sei ihm der Glaube eine grosse Stütze. «Er macht die Gegenwart erträglicher und lässt auf ein besseres Dasein hoffen», so Koch. Ein Dasein ohne dauernd auf Angehörige oder Freunde, die ihm helfen müssen, angewiesen zu sein, zum Beispiel. «Ich wäre schon froh, meine Finger bewegen zu können, um selbstständiger leben zu können.» Denn im Moment sei er ohne fremde Hilfe nicht überlebensfähig.

Jonathan Koch hilft seinem Bruder Samuel Koch bei der Physiotherapie
© Marcel Nöcker

Jonathan und Samuel Koch sind ein eingespieltes Team. Besonders wenns ums Stylen seiner Haare geht vertraut der Tetraplegiker auf die Hände seines jüngeren Bruders.

Pläne für seine Zeit nach dem Studium - demnächst wird er sein Schauspiel-Diplom erhalten - hat er keine. Es kommt sowieso alles anders, als man es geplant hat. Auch Träume hat Samuel Koch momentan nicht. Früher standen Frau und Familie zuobest auf seiner Liste. Aber jetzt nicht mehr. Auch wenn es vom Herz her eigentlich stimmen würde: Samuel Koch hat ein Mädchen kennengelernt, ist frisch verliebt. Aber als Bräutigam könne er sich nicht vorstellen, sagt er. Auch Kinder, mit denen er nicht kuscheln oder herumtollen könnte, wolle er nicht. «Was wäre ich denn für ein Vater! Nein», erklärt er. Und fügt an: «Aber ich suche mir einen neuen Traum.»

Die ganze Geschichte rund um Samuel Koch lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der «Schweizer Illustrierten» Nr. 46 vom 11. November - erhältlich am Kiosk oder auf Ihrem iPad.

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