Otto Ineichen (†) «Er war eine imposante Persönlichkeit»

Er galt als Charakterkopf, grosse Persönlichkeit und Schnäppchenjäger. Zwei Tage vor seinem 71. Geburtstag stirbt Otto Ineichen in seinem Heimatort Sursee an einem Herzversagen. Der Unternehmer und FDP-Politiker hinterlässt eine Frau und vier Söhne. SI online hat Stimmen und Reaktionen aus seinem Umfeld zusammengetragen.

Am Mittwoch um 12.20 Uhr unterbricht Hansjörg Walter die laufende Debatte im Parlament, um die traurige Botschaft zu überbringen. Der Nationalratspräsident sowie Ineichens Ratskollegen erheben sich für eine Schweigeminute. Die Stimmung ist gedrückt, die Häupter sind gesenkt. Laut der Luzerner Staatsanwaltschaft ist der Politiker kurz nach 8 Uhr auf einer Strasse in Sursee (LU) zusammengebrochen.

Sein plötzlicher Tod ist unfassbar, die Trauer unendlich gross: «Otto und ich sind uns vor vielen Jahren begegnet», erzählt Lisbeth Egli, die als Designerin um das modische Wohl des Unternehmers und seiner Frau Hilde besorgt war. «Sie haben sich von mir Kleider nähen lassen und mich immer wieder an Modeschauen besucht. Ausserdem habe ich seine Arbeit sehr geschätzt. Otto hat mit ‹Speranza› eine tolle Stiftung ins Leben gerufen», sagt Egli mit gesenkter Stimme zu SI online.

Ex-Mister-Schweiz Tim Wielandt,  Botschafter von Ineichens Stiftung, die sich um die berufliche Integration von Jugendlichen kümmert, nimmt die Todesnachricht ebenso schockiert auf: «Ich bin sehr bestürzt über seinen plötzlichen Tod. Ich habe sein Engagement sehr geschätzt, auch wenn ich ihn leider nie persönlich treffen durfte.»

Zum ersten Mal mit Otto Ineichen in Kontakt getreten ist Patrick Rohr nach dem Auszug von zu Hause. Wenn auch indirekt: «Als ich meine erste eigene Wohnung einrichtete, kaufte ich den Tisch und die Stühle bei ‹Otto's Warenposten›», erzählt der Medienexperte. Später und im Rahmen seines Engagements bei der Fernsehsendung «Quer» interviewt Rohr den Selfmade-Millionär an einer Raststätte - und ist beeindruckt. «Er war die Zuverlässigkeit in Person und äusserst professionell. Ausserdem war er unabhängig, hat sich nicht mit Problemen aufgehalten, sondern mit Lösungen beschäftigt. Auch, wenn er sich mit seinen Ansichten nicht nur Freunde gemacht hat.» Aber, und das betont Pierin Vincenz, er war ein Menschenfreund: «Wenn man mit Otto Zeit verbrachte, war er immer sehr bemüht, auf sein Gegenüber einzugehen», erzählt der Raiffeisen-Chef, der im «Speranza»-Stiftungsrat sitzt.

Werber Frank Bodin kontaktierte Otto Ineichen vor ein paar Jahren für ein Kunstprojekt: «Ich bat ihn und Elmar Ledergerber um ein Foto auf dem ‹VersusChair› in mein Büro. Der Stuhl hatte nur zwei Beine. Wenn man darauf sitzen wollte, dann mussten das zwei Personen tun. In diesem Fall zwei Kontrahenten. Ich erinnere mich, dass ich eine halbe Stunde lang nicht zu Wort gekommen bin, weil die beiden nur politisiert haben.» Auch Elmar Ledergerber erinnert sich bestens an diese Situation. Auch, weil er am Morgen vor Ineichens Todestages zufällig beim Stöbern im Keller auf das gemeinsame Foto gestossen ist. «Er war eine imposante und sehr selbstbewusste Persönlichkeit», sagt Ledergerber. Wenn der ehemalige Stadtpräsident von Zürich ihm noch etwas Letztes sagen könnte, dann, dass er doch kürzer treten und sich stärker den schönen Seiten des Lebens zuwenden soll. Die seien, so Ledergerber, wegen seines Engagements doch etwas zu kurz gekommen.

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