Timebell waren die Besten unter den Schlechten Ist eine gute Stimme beim ESC kein Kriterium mehr?

Es war eine Tortur! Vor allem für die Ohren. Die Kandidaten beim Schweizer ESC-Vorentscheid fielen vor allem durch die vielen schiefen Töne auf. Gewonnen hat am Ende die Band, die am wenigsten schlecht war. Ein Kommentar.
ESC Schweiz 2017 auf SRF mit Timebell & Sven Epiney
© Screenshot SRF

Sven Epiney mit Schnauz-Ansatz.

Tatort oder ESC-Vorentscheid? Not oder Elend? Wegen der unmöglichen Glitzerkleidchen der Kandidatinnen und Sven Epineys merkwürdigen Schnäuzchens fiel die Wahl zu Gunsten des Eurovision Song Contests aus. Ich bereute den Entscheid aber sofort. Den Anfang machte Nadya. Sie erinnerte an Adele, ihr Song an «Rise like a Phoenix» der bärtigen Österreicherin Conchita Wurst. Doch bei so vielen falschen Tönen würde sich Adele die Wurst wohl in die Ohren stopfen! «Zero Points!»

ESC Schweiz 2017 auf SRF mit Timebell & Nadya
© SRF

Sah aus wie Adele, sang nicht wie Adele.

Weiter ging es mit Ginta Biku. Die Schweizerin mit litauischen Wurzeln wurde als grosses Sprachtalent angepriesen. Ganze sechs Sprachen spreche sie. Englisch und Französisch gehören aber offenbar nicht dazu. Die Tessinerin sang nicht etwa auf Italienisch, sondern erst ein bisschen Französisch, dann etwas Englisch - denn man will ja, wenn es dann wirklich ernst werden würde am richtigen ESC, die Punkte aus Frankreich und England. Doch bei dieser Aussprache nützt alles Taktieren nichts.

Den Spaniern gefallen die Schweizer Beiträge

Dann kam Michèle. Die 16-jährige. Das Küken. Die «The Voice Kids»-Siegerin von 2013. Vermutlich kommt man in die Hölle, wenn man sich negativ zu ihr äussert. Sie ist wirklich eine Herzige. Natürlich, hübsch. Aber vielleicht bedarf es einfach noch ein paar Gesangsstunden mehr.

Bei solchen Veranstaltungen, bei denen weder Gesang noch Show überzeugen, ist Twitter oftmals ein guter Freund. Die Schweizer geizen normalerweise nicht mit bissigen Kommentaren. Doch unter dem Hashtag #srfesc twittern vor allem die Spanier wie wild, der Hashtag lag zwischenzeitlich sogar auf Platz 1 der spanischen Twitter-Trends. Und sie fanden auch noch alles fantastisch. Me gusta hier, me gusta da. Schweizer Tweets musste man suchen, denn auch die Holländer und die Engländer waren am Kampftwittern.

Kann hier auch jemand singen?

Nach drei Beiträgen stellt sich dem Zuschauer langsam die Frage: Kommt auch noch jemand dran, der singen kann? Shana Pearson ist zwar ein Mix aus Kylie Minogue und Michael Jackson, doch das bezieht sich mehr auf ihr Aussehen und weniger auf ihre Gesangsqualitäten.

ESC Schweiz 2017 auf SRF mit Timebell
© Screenshot SRF

Shana mit der Michael-Jackson-Gedenkuniform.

Überzeugt vielleicht Freschta? Keine Ahnung! Ich bin eingenickt.

Die Sendung liess immerhin genug Platz, um die Geschichte der Schweiz beim ESC - oder Grand Prix Eurovision de la Chanson wie es früher hiess - zu erläutern. Mal wieder. Wussten Sie, dass Céline Dion mal für die Schweiz gewonnen hat? Oder dass Paola Felix schon mitgemacht hat? Oder dass Lys Assia die erste ESC-Siegerin überhaupt war? Ja, jeder weiss das, liebes SRF! Zur Tatsache, dass Daniela Simons «nur» zweite wurde, weil die erst 13-jährige Sandra Kim gewann, kommentiert ein Twitter-User mit: «Die Schweiz ist immer noch traurig über Dinge, die in den 80er-Jahren passiert sind. Kommt drüber hinweg!»

Zum Schluss kommt noch die Band Timebell. Eine Wohltat für die Ohren ist auch ihr Beitrag nicht. Aber: Sie sind definitiv die Besten unter all den wirklich dürftigen Kandidaten. Das Resultat überrascht am Ende auch nicht. Die Siegesglocken erklingen für die schweizerisch-rumänische Band. 

Vielleicht erhofften sich die Schweizerinnen und Schweizer, die für die Band angerufen haben, dass der Mix aus tiefem Ausschnitt und osteuropäischer Sängerin in Kiew im Mai für eine Final-Teilnahme reicht. Hoffnungen sollte man sich allerdings nicht zu viele machen. 

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