Das persönliche Interview mit Fabian Schär «Ein freies Weekend vermisse ich manchmal»

Nati-Verteidiger Fabian Schär findet, er müsste die Dinge manchmal positiver sehen. Für die WM-Barrage-Spiele gegen Nordirland am 9. und 12. November ist er aber zuversichtlich. Der 25-Jährige verrät, was ihm in der Wahlheimat Spanien fehlt und warum ihm seine Eltern einst aus der Patsche halfen.
Fabian Schär
© Toto Marti

Fabian Schär, gegen Nordirland geht es um alles oder nichts. Mögen Sie solche Spiele?
Ich freue mich darauf ! Nordirland ist ein gutes Los für uns, wenn auch kein einfaches. Die werden vor ihrem heissblütigen Publikum um jeden Meter kämpfen und Gras fressen. Wenn wir dagegenhalten, werden wir die WM-Qualifikation im Rückspiel vor unseren tollen Fans schaffen.

Sie spielen seit Sommer in Spanien. Eine grosse Umstellung?
Es ist schon anders, aber ich habe mich sehr gut eingelebt, und es gefällt mir prima. Vieles nehmen die Menschen hier etwas lockerer. Zu Mittag gegessen wird ab 14 Uhr, und wenn man um 21 Uhr ins Restaurant geht, sitzt man bis 22 Uhr alleine dort.

Was in Ihrem Alltag müssten Sie aus ökologischer Sicht verändern?
In Spanien schenkt man diesem Thema weniger Beachtung. Abfalltrennung gibt es kaum, alles ausser Grünabfall wird in die gleiche Tonne geworfen. In Deutschland, wo ich vorher lebte, gab es fünf bis sechs verschiedene Container. Leider kann ichdas hier nicht gross beeinflussen.

Welches Gemüse sollte verboten werden?
Hm, ich bin ein Gemüseliebhaber, schwierig zu beantworten. Auf Fenchel könnte ich verzichten. Fehlen würden mir aber Rüebli – mein Lieblingsgemüse.

Fabian Schär
© Toto Marti

Schärs Eltern Martin und Marion haben eine Fensterbaufirma in Wil SG – und sind fussballbegeistert: Sie feuern ihn im Stadion an, ob bei der Nati (o.) oder in La Coruña (l.), wo er seit Sommer spielt.

Bei wie viel Franken pro Liter Benzin wäre für Sie die Schmerzgrenze erreicht?
Ich könnte ja trotzdem kaum aufs Auto verzichten. Unser Trainingsgelände liegt ausserhalb. Ich weiss nicht mal, ob da überhaupt Busse hinfahren! Aber ganz ehrlich: Wenn der Liter doppelt so teuer wäre, würde ich intensiver nach Alternativen suchen. Vielleicht wäre dann ein E-Fahrzeug die Lösung.

Um wie viel Prozent müssten Sie Ihr Arbeitspensum reduzieren, damit Sie massiv glücklicher wären?
Ich bin zufrieden. Wenn ich etwas ändern könnte, wäre es die Wochenendarbeit. Ein freies Weekend vermisse ich manchmal.

Wie hätte Ihr Vorname als Mädchen gelautet?
Nadine.

Als Sie Kind waren: Was haben Ihre Eltern Ihnen da immer gesagt?
«Positiv denken!», das höre ich heute noch regelmässig, weil ich mir immer viele Gedanken über zu viele Dinge mache und nicht immer auf Anhieb das Positive sehe. Man hat es einfacher im Leben, wenn man alles positiv sieht.

Fabian Schär
© Instagram

Mit Eistänzerin Ramona Elsener, 25, ist Schär seit gut vier Jahren liiert. Die Zürcherin lebt nicht ständig bei ihm in Spanien. Im Winter ist sie wegen des Trainings mehr in der Heimat anzutreffen.

Sie dürfen Ihren Wohnort neu designen: Aus welchen Städten, Dörfern und Landschaften setzen Sie ihn zusammen?
La Coruña ist eine sehr schöne Stadt direkt am Meer, das gefällt mir. Schweizer Berge gehören auch dazu. Von Wil wäre es mein Umfeld, meine Familie und Kollegen sowie die Altstadt.

Haben Sie ein schlechtes Gewissen, wenn Sie den Teller nicht leer essen?
Das kommt relativ selten vor. Selbst wenn ich schon satt bin, es aber noch etwas in der Pfanne hat, «opfere» ich mich für die Reste.

Können Sie sich vorstellen, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen?
Nein.

Die bisher beste Idee Ihres Lebens? Und die dümmste?
Viele Leute trauten mir eine Profikarriere nicht zu. Dass ich trotzdem daran geglaubt habe, war sicher die beste Idee. Die dümmste? In der Schule hatte ich einmal das Gefühl, ich könnte einen Stein gegen die Scheibe werfen. Zum Glück haben meine Eltern ein Fenstergeschäft, so konnten sie das Problem sehr effizient lösen. Ich glaube, ich musste nicht einmal Sackgeld drangeben.

Fabian Schär Cristiano Ronaldo
© Laurent Gillieron / Keystone

Cristiano Ronaldo steigt zum Kopfball hoch – der Schweizer Fabian Schär hat nur das Nachsehen.

Welche Ihrer Eigenschaften möchten Sie Ihren Kindern vererben?
Meine Zuverlässigkeit. Man kann immer auf mich zählen und sich darauf verlassen, was ich sage. Meine Ungeduld möchte ich hingegen nicht weitergeben.

Was wird man in hundert Jahren über die aktuelle Epoche sagen?
Wir haben extreme Fortschritte erzielt, etwa in der Technologie. Andererseits wollen wir es immer noch besser machen und übertreiben dabei fast ein wenig. Viele Dinge gabs vor 100 Jahren nicht – ob das Leben so viel schlechter war? Wir sollten zufrieden sein mit dem, was wir haben.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Schulschatz?
Es war mehr eine Brieffreundschafts-Liebe. Wir gingen in dieselbe Klasse, dann zog sie weg. Wir hielten schriftlich Kontakt. Das war in der 1. oder 2. Klasse.

Wer ist Ihr bester Freund?
Jan Zerres ist seit 15 Jahren mein bester Kollege, von klein auf schon. Ich bin sehr froh, dass wir unsere Freundschaft trotz Distanz so lange pflegen konnten und ich so einen Freund habe.

Über welches Geschenk haben Sie sich zuletzt gefreut?
Ich bin keiner, der sich viel aus so was macht, und freue mich mehr über schöne Gesten, zum Beispiel, wenn Kollegen hierherfliegen, um mich zu besuchen. Echte Freundschaften sind das grösste Geschenk.

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