Nach dem Tod von Beatocello Familie und Freunde nehmen Abschied von Beat Richner

Kämpfer, Visionär und in Kambodscha «Doctor God»: Das Lebenswerk von Beat Richner in Worte zu fassen, ist unmöglich. Die Schweiz nahm in Zürich Abschied. Mit Musik, Würde – und einem stillen Trauergast.

Als die melancholisch- sanften Klänge von Max Bruchs «Kol Nidrei» erklingen, fliessen am Mittwochnachmittag im bis auf den letzten Platz gefüllten Zürcher Grossmünster die Tränen. «Es ist das Stück, das Dr. Beat Richner in jedem seiner wöchentlichen Konzerte in Siem Reap spielte», sagt Yay Chantana, einer der drei extra aus Kambodscha angereisten Leiter der Kantha-Bopha-Kinderspitäler. Diesmal übernehmen andere Musiker Beatocellos Part, während sein Instrument, «seine Frau», wie er zu sagen pflegte, auf einem Podest ruht wie ein Trauergast mit Ehrenplätzchen. Und wie in seinem Paradestück schwanken auch an diesem Gedenkgottesdienst die Emotionen von Moll zu Dur und wieder zurück – geschickt orchestriert von Grossmünster-Pfarrer Christoph Sigrist.

Beat Richner Beerdigung
© Monika Flückiger
Würdige Feier im Zürcher Grossmünster. Mit dabei: Beat Richners «Frau», das Cello.

Für Schmunzeln sorgt der Kürzest-Lebenslauf, den Richner einst selbst verfasst hat («Mein Name ist Beat Richner, ich bin lediglich ledig, zu Deutsch Single...»), sowie die zahlreichen Anekdoten von Weggefährten wie Dr. Alfred Löhrer, der mit ihm die Kinderarztpraxis in Zürich teilte: «Als Beat endgültig nach Kambodscha abreiste, hinterliess er mir stapelweise auszufüllende IV-Unterlagen mit den Worten, das kannst du wegwerfen, das ist nur Papier.»

Seine Erfolgsgeschichte soll weitergehen

Ans Herz gehen die Ansprachen von Spitalleiter Ky Santy, der Richner als «Vater der kambodschanischen Kinder» würdigt: Über 260'000 Geburten habe man in seinen Spitälern seit der Gründung verzeichnet, mehr als 17 Millionen Kinder behandelt – er sei ein Nationalheld, ein Gott, und man werde seine Aufopferung nie vergessen. Auch Deza-Direktor Manuel Sager zollt dem Kinderarzt Tribut: «Er hat die humanitäre Tradition der Schweiz nach Südostasien getragen – seine Erfolgsgeschichte muss weitergeschrieben werden.»

In der Galerie: Freunde und Familie nehmen Abschied von Beat Richner, †71

Unter den Trauergästen sind auch Richners Geschwister Anna-Regula, Katharina und Christian. «Es ist tröstlich, dass wir die letzten eineinhalb Jahre mit Beat verbringen durften», so Schwester Anna-Regula. Zum Schluss habe sie ihm immer wieder gesagt, dass er nun loslassen darf. In der Nacht auf den 9. September sei er dann eingeschlafen: «Wie immer in seinem Leben hat er die wichtigen Dinge ganz alleine gemacht.»

Beat Richners «Frau», das Cello, werde künftig von Nachwuchsmusikern bespielt, verkündet Kantha-Bopha-Stiftungsratspräsident René Schwarzenbach. Richners Urne wird am 6. Dezember in Anwesenheit des kambodschanischen Königs beigesetzt – in einer Stupa vor dem Spital in Siem Reap.

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