Luca Hänni «Fans vergessen manchmal, dass ich vergeben bin»

Dick eingepackt und mit einer Tasse Ingwer-Tee in der Hand erscheint der Shootingstar zum Interview. Luca Hänni gibt im Moment Abend für Abend Konzerte. Für das grosse Interview mit SI online hat er sich dennoch Zeit genommen.
Eigentlich mag Luca Hänni Kaffee, Softdrinks und Tee. Während seiner Tour - sie umfasst 32 Konzerte - trinkt er aber meistens Tee, der Stimme wegen.
© Thomas Buchwalder Eigentlich mag Luca Hänni Kaffee, Softdrinks und Tee. Während seiner Tour - sie umfasst 32 Konzerte - trinkt er aber meistens Tee, der Stimme wegen.

SI online: Luca Hänni, im Rahmen Ihrer ersten Tour treten Sie derzeit in der Schweiz auf. Hat es viele bekannte Gesichter im Publikum?
Luca Hänni: Ja! In Uetendorf waren alle meine Kollegen da. Das war cool.

Am Donnerstag spielen Sie in Zürich, soeben sind Sie angekommen. Sind Sie hierhin gefahren? Jetzt, da Sie 18 Jahre alt sind, dürfen Sie endlich.
Nein, ich liess mich chauffieren! Ich darf noch nicht fahren. Obwohl ich als «DSDS»-Sieger bereits ein Auto besitze. Die Fahrprüfung werde ich wohl erst im kommenden Frühling in Angriff nehmen, bis dahin habe ich kaum Zeit, ich bin ja permanent unterwegs.

In der Schweiz, in Deutschland und in Österreich. Das muss Energie kosten.
Um dieses Programm durchzustehen, musste ich mich irgendwie neu organisieren. Ich schaue, dass ich viel schlafe, Tee trinke und mich gesund ernähre. 

Damit Sie Abend für Abend Ihre Fans - die «Fännis», wie Sie sie nennen - beglücken können...
Unbedingt, ich will es für alle gut machen! Die Konzertbesucher wissen oft nicht, dass ich vor der Show, die ich für sie spiele, schon zehn Abende auf der Bühne stand. 

Wie laden Sie Ihre Batterien auf?
Im Bett! (lacht) Ich schlafe wirklich viel. Und der bisherige Erfolg pusht mich unglaublich. Ich versuche, immer mein Ziel vor Augen zu behalten und daran zu denken, was als Nächstes kommen könnte.

Was könnte denn als Nächstes kommen?
Dass ich die Tour erfolgreich beende und dann wieder im Studio arbeiten kann. Gegen März, April will ich mein zweites Album herausbringen.

Von den bisherigen «DSDS»-Siegern sind Sie einer der wenigen, der auch nach Monaten noch Erfolg hat. Wie erklären Sie sich das?
Das liegt bestimmt an meiner Nationalität! Nein, ich denke, dass das in der Schweiz vielleicht auch eher so wahrgenommen wird, weil wir vor mir noch nie einen «DSDS»-Gewinner hatten. Von einigen Siegern von früher habe ich aber auch gehört, dass sie irgendwann einfach aufgegeben haben. Ich will wirklich dranbleiben.

Auch bei den Fans. Täglich posten Sie auf ihrer Facebook-Seite Fotos. Machen Sie das selbst?
Ja, da stecke ich alleine dahinter. Meist finde ich zwischendurch Zeit für ein Foto, das ich dann via Handy poste. Haben Sie übrigens gesehen, dass meine Fan-Seite an meinem Geburtstag fast explodiert ist? Es war so krass! 18'000 Leute haben mir gratuliert! 

Haben Sie alle Kommentare gelesen?
Ich versuche immer, die Reaktionen durchzugehen. Aber alles kann ich nicht lesen! Ab und an antworte ich auch. So kann ich mit den Fans chatten.

Lesen Sie die Artikel, die über Sie geschrieben werden?
Ich google regelmässig nach Luca Hänni. 

Und wie reagieren Sie, wenn etwas Schlechtes steht?
Am Anfang verletzte mich das. Mittlerweile gehört das zu meinem Leben als Musiker. Ich hoffe einfach immer, dass auf einen negativen Artikel ein positiver folgt. Alle können einen nicht mögen. Und es gibt einfach Leute, die dich scheisse finden, auch wenn du deine Sache gut machst.

Welche Fragen nerven Sie?
Diejenigen zur Siegerprämie, zum Geld und zu meinem Verdienst. Das finde ich ist Privatsache.

Typisch Schweizer. Haben Sie nun eigentlich immer Franken und Euro im Portemonnaie, damit Sie überall bezahlen können?
Bargeld habe ich selten, ich zahle meistens mit einer meiner drei Kreditkarten.

Machen Sie das selbstständig oder können Sie sich als Superstar jemanden aus Ihrer Entourage heranwinken, der für Sie einkauft und bezahlt?
Also grundsätzlich bin ich schon sehr selbstständig. Ich schaue meistens für mich. Halten wir aber beispielsweise an einer Tankstelle, gebe ich meine Bestellung auf. Wenn ich selbst in den Shop ginge, müsste ich nur Autogramme schreiben.

Haben Sie eine Ahnung, wie viel Geld sich auf Ihrem Konto befindet?
Ja klar. Allerdings kümmern sich meine Finanzberater und Anwälte darum. Selbst hätte ich den Überblick verloren. Aber ich bin ja schliesslich erst 17... Falsch, ich bin ja jetzt 18! (lacht)

Ihre erste Steuererklärung wartet schon auf Sie.
Darum können sich dann meine Leute kümmern. 

Haben Sie ein Budget?
Ja. Ich bin auch ziemlich sparsam. Materielles habe ich mir von meinem Verdienst noch nicht viel gekauft. Wenn ich kann, wohne ich bei meinen Eltern, für sinnlose Dinge gebe ich kaum Geld aus. Am ehesten geht es drauf für Klamotten oder Essen. 

Bestellen Sie Ihre Kleider online?
Jein. Meistens fahren wir vor einem Geschäft vor. Dann geht alles ganz schnell, wir steigen aus, gehen rein, kaufen ein und wir fahren wieder ab.

Das klingt ja wie im Film. Haben Sie auch Bodyguards?
Einen. Das reicht.

Beschützt er Sie immer?
Ja, schauen Sie, momentan steht er draussen und wartet.

Neben ihm begleiten Sie noch weitere Personen...
Mein Stiefbruder Cyril und mein Manager Frank.

Ihre Haupt-Vertrauenspersonen?
Total. Wir sind wie eine Familie. Dass «Cyru» dabei ist, finde ich ganz wichtig.

In dem Fall ist er nun auch ein Angestellter des Luca-Hänni-Imperiums?
Früher war er Koch, jetzt arbeitet er hier, ja. 

Was ist seine genaue Funktion?
Manager: Er ist der Assistent.
Luca: Er soll mich begleiten und für mich da sein, wenn ich etwas brauche. Ich kann ja nicht mehr einfach so in die Stadt...

Was bedeutet Ihnen seine Anwesenheit?
Er gibt mir Halt. Mein Manager Frank kennt mich zwar auch, aber Cyril ist halt ein Familienmitglied. 

Streiten Sie sich manchmal auch mit ihm?
Auf jeden Fall! Da sind wir ganz normale Geschwister. 

Sprechen wir über die Schattenseiten des Ruhms. Was gefällt Ihnen nicht im Showbusiness?
Beim Thema Privatsphäre stellt sich die Frage, ob es die überhaupt noch gibt. Wenn ich zu Hause bin, klingeln immer Fans an der Tür. Erstaunlicherweise sind es aber oft deren Mütter, die keine Grenzen kennen. Vor Kurzem musste ich nach einem Konzert dringend packen, um so schnell wie möglich weiterzureisen. Ich habe mich bei den Fans vor der Tür entschuldigt und mich für ihre Anwesenheit bedankt. Eine Mutter hat dann gemeint, mein Verhalten ginge gar nicht und dass es meine Aufgabe sei, mir Zeit für die Fans zu nehmen. Das mache ich ja meistens auch... Zudem kann ich mit meine Freunden nicht mehr einfach so treffen.

Stichwort Privatleben: Sie halten Ihre Freundin Tamara bewusst aus der Öffentlichkeit heraus. Funktioniert diese Taktik?
Ja, denn so soll sie ein normales Leben führen können. Das ist mir wichtig und klappt bestens. Wir sind kein Paar wie Selena Gomez und Justin Bieber und stehen beide im Rampenlicht. Ich bin in diesem Geschäft, sie nicht. Deshalb soll sie auch möglichst wenig in den Medien sein. 

Sie lassen Ihre «Fännis» nahe an sich ran. Respektieren Ihre Fans, dass Sie vergeben sind?
Auf jeden Fall. Manchmal vergessen sies, aber ich glaube schon, dass sie damit klar kommen...

Arbeiten Sie noch mit dem «DSDS»-Chefjuror Dieter Bohlen zusammen?
Nein. Vergangene Woche hat er mich angerufen, um mir alles Gute und viel Glück für meine Tour zu wünschen. Wir werden demnächst sicher auch einen Kaffee trinken gehen. Aber beim zweiten Album arbeitet er nicht mehr mit, ich will es ein wenig anders gestalten.

Sie schreiben beispielsweise selbst Songtexte...
...mit der Unterstützung eines Teams.

Wird es ein Mundart-Lied von Ihnen geben?
Ich kann nicht auf Schweizerdeutsch singen. Hier fände man das sicher toll, bei den deutschen und österreichischen Fans bezweifle ich das. Für ein Special würde ich das allerdings schon machen. Mit Baschi oder so...

Mit Baschi?
Ja. Sofern es ihn überhaupt noch gibt...

Die «DSDS»-Castings laufen wieder. Bald werden Sie vom Castingshow-Thron gestossen.
Ich bleibe auch mit einem neuen Sieger noch Luca Hänni. Für mich als Musiker geht es weiter, da bin ich mir sicher.

Alles zu Luca Hänni finden Sie im Dossier von SI online.

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