DCM Filmproduzenten fassen Fuss in Hollywood

Ganz grosses Kino! Vier Zürcher Jugendfreunde gingen nach Berlin, um Filme zu produzieren. Drei Jahre und eine Oscar-Nomination später sind Dario Suter, Christoph Daniel, Marc Schmidheiny und Joel Brandeis alias DMC drauf und dran, Hollywood zu erobern.

Diese Geschichte hätte ein Drehbuchautor nicht besser erfinden können. Alle Zutaten für eine gute Story sind da: Freundschaft, Leidenschaft, Geld. Die Hauptdarsteller: vier Freunde aus Zürich. Das Einzige, was man der Story vorwerfen könnte? Es geht nur nach oben. Rückschläge gibt es keine.

1. AKT: DIE FREUNDSCHAFT.

Christoph Daniel und Marc Schmidheiny, beide 28, besuchen das Freie Gymnasium im Zürcher Seefeld. Die Filmfreaks entdecken ihre Leidenschaft fürs Kino. Mittagspausen verbringen sie, zusammen mit dem zwei Jahre jüngeren Schulkollegen Joel Brandeis, vorwiegend im Lunch-Kino am Stadelhoferplatz.

Nach der Matur studiert Christoph Daniel in Berlin Musikwissenschaften. Der Zufall will es, dass sein älterer Cousin Dario Suter, 34, ebenfalls in Deutschland arbeitet. HSG-Absolvent Suter hat StudiVZ mitbegründet: die deutsche Antwort auf Facebook. 2007 verkaufen er und seine Partner das Start-up für knapp 130 Millionen Franken an den Holtzbrinck-Verlag. Kein schlechter Start für einen Jungunternehmer.

2. AKT: DAS GELD.

Das Startkapital für die Produktionsfirma DCM (der Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Namen Dario, Christoph und Marc zusammen) ist gegeben. Brandeis, mittlerweile Anwalt, wird 2010 als vierter Partner an Bord geholt. «Als langjährige Freunde ist unser Vertrauensverhältnis untereinander nicht zu toppen», sagt Dario Suter. «Aber für uns war immer klar, dass unsere persönliche Freundschaft immer über unsere Geschäftsbeziehung gestellt wird», ergänzt Marc Schmidheiny bei Matcha-Tee in ihrem Office in Berlin Mitte.

Das Setting sieht aus, wie sich ein Setdesigner ein erfolgreiches Start-up-Unternehmen vorstellt: ehemalige Seifenfabrik – brüchige Patina, moderner Ausbau. Die Luft flirrt förmlich von einer «Alles ist möglich»-Attitüde. Die 29 Mitarbeiter sind vorwiegend
in der Hipster-Uniform gekleidet: enge Jeans, Strickpulli, Parka. Frische Früchte und Nüsse stehen als Brainfood bereit. Hier wird mit unglaublicher Lässigkeit Big Business gemacht. Die vier Freunde verheimlichen nicht, dass sie aus betuchten Familien stammen – allen voran Marc Schmidheiny, Sohn des milliardenschweren Unternehmers Thomas Schmidheiny (Holcim). «Sicher hatten wir eine privilegierte Ausgangslage», sagt Christoph Daniel, «darum möchten wir einen umso besseren Job machen.» Und den machen sie! Der Erfolg ihrer Arbeit spricht für DCM.

3. AKT: DIE LEIDENSCHAFT!

Der norwegische Abenteuerfilm «Kon-Tiki», den sie co-produziert haben, wurde
dieses Jahr für einen Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert
. Ihr neuester Streich: «A Long Way Down», eine Nick-Hornby-Verfilmung mit Pierce Brosnan in der Hauptrolle. Und fünf weitere Drehbücher stecken derzeit in Entwicklung. Bereits spruchreif ist ein Film mit Regisseur Harmony Korine, der derzeit mit «Spring Breakers» Furore macht. Ein weiteres Projekt, das konkret Gestalt annimmt, ist die Verfilmung des Mädchen-Idols Bibi Blocksberg.

Für das Treffen mit dem Regisseur Detlev Buck radeln Marc und Christoph, die kreativen Masterminds des Quartetts, kurzerhand mit dem Velo in den exklusiven Privatclub Soho House bei der Prenzlauer Allee. Dario und Joel, vor allem für die betriebswirtschaftlichen und juristischen Abläufe der Firma zuständig, stemmen währenddessen weitere Projekte. Neben der Filmproduktion bespielen DCM noch zwei weitere Geschäftsfelder. Vor drei Jahren haben sie den konkursiten Filmverleih Delphi aufgekauft, erfolgreich saniert und ebenfalls in DCM umbenannt. Daneben verstehen sie sich - ganz der Start-up-Tradition verpflichtet - als Business-Angel im Internet. Dario Suter erklärt: «Überall dort, wo es Synergien gibt, schaffen wir die Verbindung zwischen Film und Internet.»

ABSPANN.

Diese Story ist noch nicht fertig geschrieben. «Unser Traum ist, dass wir einst die Geschichten produzieren können, die uns schon seit dem Gymi im Kopf herumschwirren», sagt Christoph Daniel. Und die sind bestimmt bald auf der grossen Leinwand zu sehen. Fortsetzung folgt. 

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