Olympia-Legenden Fischer, Guerdat & Kempf im Porträt

Die «Schweizer Illustrierte» will von Ihnen wissen, wer Ihr grösster Olympia-Held aller Zeiten ist. Damit Sie Ihren Favoriten noch besser auswählen können, stellen wir Ihnen die Nominierten näher vor. Heute: Marcel Fischer, Steve Guerdat und Hippolyt Kempf.

MARCEL FISCHER, 34, FECHTEN: DIE EMOTIONALE ACHTERBAHN
«Endlich ist er da, der Tag X. Vier Jahre lang habe ich darauf trainiert und bin trotz einer mehr oder weniger schlaflosen Nacht perfekt vorbereitet. Aber was heisst schon perfekt? Das emotionale Gewirr, die Mischung zwischen Anspannung, Nervosität, Freude und Angst, kann man vorgängig nicht simulieren. Denn dieser eine Tag, an dem olympisches Gold winkt, ist energieraubender, als man sich vorstellen kann. Doch der Kopf lässt mich nicht im Stich. Im Gegenteil, meine mentale Stärke trägt mich durch den Wettkampf. Bei mehreren Gefechten liege ich im Rückstand, doch irgendwie weiss ich stets, dass ich am Ende Sieger sein werde. Trotzdem steigt vor dem Halbfinal die Anspannung ins Unerträgliche. Mein Gegner heisst Eric Boisse, ein Franzose. In mir kommen böse Erinnerungen an Sydney 2000 hoch, als ich im Halbfinal ebenfalls gegen einen Franzosen antreten musste – und verlor. Doch ich zeige mein bestes Gefecht an diesem Tag und gewinne 15:9. Geschafft, die Silbermedaille habe ich nun auf sicher, Erleichterung stellt sich ein. Ich muss aufpassen und die Konzentration hoch halten, denn mein Ziel bleibt Gold. Ich weiss genau: Wenn ich mein letztes Gefecht verliere, werde ich mich ein Leben lang ärgern. Doch um 20.40 Uhr gelingt mir der entscheidene Doppeltreffer gegen den Chinesen Wang Lei, ich gewinne die ersehnte Goldmedaille. Was danach folgt, ist ein emotionaler Ausbruch, den man nicht kontrollieren kann. Als wenig später bei der Siegerehrung der Schweizerpsalm ertönt, falle ich fast vom Podium. Totale Erschöpfung mischt sich mit purer Erleichterung. Endlich ist er vorbei, der Tag X – und ich habe alles richtig gemacht.»

STEVE GUERDAT, 30, SPRINGREITEN: DER HERZENSBRECHER
Dem jurassischen Springreiter fliegen nicht nur die Medaillen zu, sondern auch die Frauenherzen. Trotzdem ist der Gold-Gewinner von London (er schaffte auf Nino des Buissonnets als einziger Reiter zwei Null-Fehler-Ritte) immer noch Single. Sein Herz gehört allein den Pferden. «Ich liebe Pferde – sie bedeuten alles für mich, sie sind meine besten Freunde.» Steve Guerdat ist der jüngste Sohn des ehemaligen Springreiters und zweimaligen Olympiateilnehmers Philippe Guerdat. Er wird seit fünf Jahren vom ehemaligen Spitzenreiter Thomas Fuchs trainiert. Steve Guerdat lebt und arbeitet in Herrliberg ZH.

HIPPOLYT KEMPF, 46, NORDISCHE KOMBINATION: MIT ÖSTERREICHISCHEM SUPPORT IN DIE ERFOLGSSPUR
5-mal Gold, 5-mal Silber, 5-mal Bronze – so erfolgreich wie in Calgary 1988 waren die Schweizer an Winterspielen nie. Den furiosen Schlusspunkt setzte Hippolyt Kempf, ein 23-jähriger Nobody aus Luzern, mit dem ersten Schweizer Olympiasieg in der Nordischen Kombination. Kurz zuvor hatte er mit einer herausragenden Leistung in der Loipe die Staffel auf den 2. Platz geführt. «Das war das Rennen meines Lebens – und der Ausgangspunkt zum Sieg im Einzel-Wettbewerb.» Für einige Verbandsvertreter kam der Triumph höchst überraschend. Im Junioren-Alter hatte man Kempf aus dem Kader geworfen. «Ich war als Kind in der körperlichen Entwicklung zwei Jahre zurück. Deshalb fiel ich in der Schweiz durch die Maschen der Nachwuchsförderung.» Kempf trieb seine Karriere aus eigener Initiative voran – am Ski-Gymnasium in Stams in Österreich.

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