Das grosse Interview mit Francine Jordi «Playboy - das schmeichelt jeder Frau»

Es ist eine grosse Kiste: Diesen Samstag moderiert Francine Jordi zum erstem mal die «Stadlshow». Die Berner Sängerin über Schicksal, ihr Leben als Single. Und warum sie dem «Playboy» einen Korb gab.
Francine Jordi Träne Paradies kein Freund Stadlshow Musikantenstadl 2015
© Thomas Buchwalder

Wenn Francine Jordi Zeit für sich hat, erholt sie sich in der Natur, wie hier im Botanischen Garten der Universität Bern.

Francine Jordi, am Samstag gilt es ernst. Wie nervös sind Sie?
Es ist nicht so, dass ich mit Angst auf die Bühne gehe, dann würde ich mich selber bremsen. Ich will das so locker wie möglich anpacken und einfach ich selber sein. Aber ich habe Respekt vor der Sendung, weil sie eine Instanz ist. Ich bin mit ihr gross geworden und empfinde es als Ehre.

Was sind Ihre Kindheitserinnerungen an den «Stadl»?
Unsere Familie sass stets zusammen auf dem Sofa, frisch geduscht und schon im Pyjama. Dann schauten wir den «Stadl» und assen Chips. An meinen allerersten Auftritt kann ich mich auch erinnern. Das war 1998 in Bad Gleichenberg bei Karl Moik, kurz nach meinem Grand-Prix-Sieg. Das war extrem eindrücklich.

Karl Moik war der «Stadl»-Gründer. Wie haben Sie ihn erlebt?
Zu ihm hatte ich eine spezielle Beziehung. Er hat mir immer «uf de Gring» gegeben und ich ihm (lacht). Ich war so oft mit Karl auf Tournee. Er versuchte mich immer noch ein bisschen zu erziehen.

Was gab er Ihnen für Ratschläge?
Man soll auf der Bühne nicht plaudern, sondern singen. Aber nun kann ich diesen Ratschlag nicht mehr ganz einhalten! (Lacht.)

Ich warte noch immer auf ein bayerisches Bier.

Sie haben mit Alexander Mazza einen Co-Moderator an Ihrer Seite.
Ich kannte Alexander zuvor nicht persönlich. Als wir uns das erste Mal trafen, waren wir sofort auf der gleichen Wellenlänge, es «giiged». Vielleicht lag es auch an der anständigen Schweizer Schoggi, die ich ihm mitgebracht hatte. Er schenkte mir leider nichts, sehr unaufmerksam! Ich warte noch immer auf ein bayerisches Bier (lacht).

Sind Sie ein Karriere-Mensch?
Es ist nicht so, dass ich meine Karriere plane. Ich bekomme immer wieder Chancen geschenkt. Auf der Bühne sein und die Leute unterhalten, das mache ich «schampar» gerne.

Kaum wurde Ihr neuer Job bekannt, klopfte der «Playboy» an.
Und sie haben ihre Absage erhalten. Ich finde es aber noch amüsant. Der «Playboy» ist das Magazin in diesem Bereich – und plötzlich wollten sie mich! Das schmeichelt natürlich jeder Frau. Aber nicht genug, damit ichs machen würde.

Sie zeigen sich öfter sexy. An die Pressekonferenz kamen Sie in Hotpants.
Früher trug ich einfach mehr Dirndl. Kurze Röcke ziehe ich seit Jahren immer mal wieder an.

Sind Sie selbstbewusst?
Ich bin sehr nah bei mir und meinem Körper, durch all die Erlebnisse in den vergangenen 18 Jahren. Es wäre schwierig, wenn sich da der Mensch nicht zentrieren würde. Man macht so viele Erfahrungen - ich sage bewusst nicht Fehler. Meine Eltern haben immer gesagt, man wird mit der Zeit reifer, lockerer und gelassener - das trifft jetzt auch bei mir ein.

Was tun Sie, wenn Sie Zeit für sich nehmen?
Ich meditiere regelmässig und gehe oft raus in die Natur mit meinem Hund Theo. Wenn ich alleine im Wald stehe, erdet mich das.

Was geht Ihnen da durch den Kopf?
Alles! Plötzlich kommen aus heiterem Himmel neue Ideen. Meist geniesse ich auch nur den Moment, beobachte die Natur, nehme wahr, welche Pflanzen blühen, wo die Brennnesseln ganz hoch stehen, und merke sofort, wenn die Bäume in den Herbstmodus schalten. Früher fiels mir erst auf, wenn alles schon bunt war.

Ich würde alles gleich machen bis jetzt.

Wofür bleibt zu wenig Zeit?
Im Moment sicher für Freunde und Familie. Aber die nehme ich mir wieder. Ich lese gerade ein tolles Buch: «5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen» von Bronnie Ware. Viele sagen, dass sie zu wenig Zeit für ihre Liebsten hatten. Deshalb achte ich besonders darauf.

Gibt es etwas, das Sie bereuen?
Nein, ich würde alles gleich machen bis jetzt. Ich bin ein intuitiver Mensch, vieles kommt bei mir aus dem Bauch oder aus dem Herzen heraus.

Was möchten Sie unbedingt noch erleben?
Ich habe keine offenen Wünsche. Wenn ich etwas erleben will, dann tue ich das auch und nehme mir die Zeit. Ich will später nichts bereuen.

Verspüren Sie keinen Familien- und Kinderwunsch?
Alles kommt, wie es kommt.

Glauben Sie ans Schicksal?
Manchmal habe ich das Gefühl, dass mein Weg vorgegeben ist. Und dann wieder: «Ach nein, irgendwas muss ich selber beeinflussen können.» Auf diese Frage habe ich noch keine Antwort gefunden.

Beten Sie?
Ja.

Wem widmen Sie das Lied «I danke Dir»?
Da habe ich an meine Eltern gedacht, weil sie extrem viel für mich gemacht haben und immer noch tun.

Was haben Sie Ihnen auf den Weg mitgegeben?
Die Mutter ab und zu ein Sandwich! (Lacht.)

Und an schlauen Ratschlägen?
Mein Grosi Liseli hatte eine Weisheit, die auch meine Mutter übernommen hat: «An jedem Tag, egal, wie schlecht er ist, musst du etwas Positives sehen.»

Woran haben Sie sich zuletzt erfreut?
Heute Morgen war ein super Sonnenaufgang bei uns in Richigen. Sensationell! Schön die Berge gesehen: Niesen, Jungfraujoch, Blüemlisalp. Dieser Anblick ist schon überwältigend.

Was ist für Sie ein guter Tag?
Man hat immer das Gefühl, der sei mit einem Geschäftsabschluss oder Erfolg verbunden. Eigentlich ist ein guter Tag, wenn du sagen kannst, dass du Freunde, Familie, ein Dach über dem Kopf, Essen und keine grösseren Sorgen hast.

Was macht Ihnen Sorgen?
Im Moment die Flüchtlingslage. Was muss in einem Menschen vorgehen, wenn er einfach alles hinter sich lässt, in einem Boot ins Ungewisse fährt und sogar sein Leben riskiert...

Ihr Album heisst «Wir» - wen meinen Sie damit?
Das gemeinsame «Wir». Alles, was man tut, braucht die Hilfe oder Mitarbeit von jemand weiterem. Diese Zusammenhänge wurden mir in letzter Zeit vermehrt bewusst. Dennoch sind viele Leute einsam auf dieser Welt. Das ist ein grosses Problem. Vielleicht nimmt man sich wirklich zu wenig Zeit, um Freundschaften und Familie zu pflegen, ist nur mit seinem Computer verbunden. Da wären wir wieder beim Buch.

Sie sind kreativ mit den Fragen! Also ich bin glücklicher und zufriedener Single. Oder schreiben Sie nicht glücklich, das hört sich doof an.

Ein Lied heisst «Rosarot». Wann waren Sie das letzte Mal verliebt?
Das sage ich nicht. Oder sagen wir, dass ich ins Leben verliebt bin - und zwar wie verrückt! Ich hatte Zweifel, ob ich mit 38 noch so etwas Kitschiges singen kann. Mein Manager erzählte mir dann von seiner Nachbarin, die mit 64 auf einer absolut rosaroten Wolke sei und sich wie ein Teenager fühle. Und tja, so ist es ja. Wenn man sich verliebt, ist alles kitschig. Auch mit 38.

Anders gefragt, gibts in Ihrem «Paradies», wie ebenfalls eines Ihrer Lieder heisst, einen Adam?
Sie sind kreativ mit den Fragen! Also ich bin glücklicher und zufriedener Single. Oder schreiben Sie nicht glücklich, das hört sich doof an.

Weshalb?
Stimmt, eigentlich finde ichs ein bisschen diskriminierend, dass alle das Gefühl haben, Singles seien automatisch unglücklich. Ich kenne viele Singles, die glücklich sind. In einer Zeitung stand: «Erfolg ohne Ende, aber privat läufts gar nicht. Desaster! Sie ist Single, und der einzige Freund ist ihr Hund.» Ich musste so lachen! Glücklich und zufrieden zu sein, hängt doch auch sehr stark von einem selber ab. Da kann man nicht nur den Partner dafür verantwortlich machen.

Wie lernen Sie Männer kennen?
Ich sage: «Hallo» und dann sagt er meistens seinen Namen (lacht). Natürlich erhalte ich Briefe von Fans, die mich heiraten oder kennenlernen wollen. Aber das bezieht sich auf mich als Sängerin. Mit der Zeit entwickelt man ein Menschengspüri und weiss, was ernst gemeint ist und was nicht.

Haben Sie Angst vor noch mehr Öffentlichkeit?
Ich glaube, ich kann mich gut schützen. Und in der Schweiz ist es eh sehr angenehm.

Planen Sie einen Zweitwohnsitz im Ausland?
Nein, ich bin Schweizerin, eine Bernerin. Ich lebe so gerne hier.

Die «Stadlshow» mit Francine Jordi und Alexander Mazza, Samstag, 12. September, live aus Offenburg, 20.15 Uhr auf SRF1.

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