«Das persönliche Interview» mit Giulia Steingruber «Ich habe es nur gut gemeint!»

Als Dreijährige verschönerte Giulia Steingruber das Auto ihres Nachbarn mit Kreideblümchen. Mit 14 zog sie von zu Hause aus, um in Magglingen den Turn-Olymp zu erklimmen. Die Sprung-Europameisterin über Chaos im Kinderzimmer, ihre beste Idee und ihren ersten Schulschatz.
CS Sports Awards 2014 Nominierte Sportlerin des Jahres Giulia Steingruber
© RDB/SI/Adrian Bretscher

Die Kunstturnerin der Stunde: Giulia Steingruber holte an der EM 2015 in Montpellier Gold, Silber und Bronze.

Schweizer Illustrierte: Giulia Steingruber, was müssten Sie in Ihrem Alltag aus ökologischer Sicht dringend verändern?
Giulia Steingruber: Sicher weniger Auto fahren. Ich bin viel unterwegs. Von Biel aus könnte ich ja mit dem Funiculaire nach Magglingen in die Sporthalle hochfahren. Aber es ist halt schneller und einfacher im Auto.

Welches Gemüse sollte verboten werden?  
Pilze! Früher ass ich sie, auf einmal konnte ich sie nicht mehr riechen. Und Sellerie mochte ich nie. 

Bei wie viel Franken pro Liter Benzin liegt die Schmerzgrenze?
2 Franken wären eindeutig zu viel.

Wie hätten Sie als Bub geheissen?
Sergio.

Als Sie Kind waren: Was haben Ihre Eltern Ihnen da immer gesagt?
«Klettere nicht überall rauf!» Aber ich war schwer zu bändigen.

Wann haben Sie zuletzt etwas Selbstgebasteltes verschenkt?  
Mit elf oder zwölf Jahren habe ich für Verwandte zu Weihnachten mit Scoubidou-Bändern Figürchen und Bilderrahmen gemacht.

Wo am Körper tuts Ihnen weh?
Aktuell grad am rechten Knie, das ich mir an der WM in Glasgow bei der Landung am Sprung verdreht habe. Zum Glück nur eine Knochenprellung, ein Gelenkkapsel-Anriss und eine Bänderzerrung. Und dann habe ich wie immer diverse Stellen an den Händen aufgeschürft, aber sonst ist alles gut.

Sie dürfen Ihren Wohnort neu designen: Aus welchen Städten, Dörfern und Landschaften setzen Sie ihn zusammen?
Aus Tokio, Gossau, Biel und Barcelona. An Tokio fasziniert mich der Charakter der Stadt. So viele Leute, und trotzdem sind alle so freundlich. Eine so saubere Stadt habe ich auch noch nie gesehen. Gossau und Biel - klar, meine beiden Zuhause. An Barcelona gefällt mir die Lage am Meer, ausserdem sind die Ramblas super zum Shoppen.

Was für ein Hintergrundbild hat Ihr Handydisplay?
Auf dem Natel ist es unser WM-Team: Wir stehen im Kreis und sprechen uns noch mal Mut zu. Doch ich wechsle meine Display-Fotos oft. Auf den übrigen Geräten habe ich stets neutrale Bilder, die im System vorhanden sind.

Haben Sie einen Organspende-Ausweis?  
Da muss ich mich an der Nase nehmen. Ich spreche schon lange davon, und eigentlich wäre man ja mega schnell registriert.

Haben Sie ein Tattoo?  
Rechts auf der Rippe habe ich mir 2012 seitlich die olympischen Ringe und den Schriftzug London tätowieren lassen. Darunter käme nächstes Jahr Rio 2016 - aber erst im Nachhinein, als Erinnerung! Am Fuss trage ich die chinesischen Zeichen für Familie, Liebe, Energie. Das hatte ich mir zum 20. Geburtstag von meinen Eltern gewünscht.

Können Sie sich vorstellen, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen?
Wenn es wirklich eine Erlösung von unheilbaren Schmerzen ist, kann es eine Option sein. Ich bin ja zum Glück noch so gesund - schwierig, sich über so ein Thema jetzt Gedanken zu machen.

Die bisher beste Idee Ihres Lebens? Und die dümmste?
Die beste war, dass ich meinen Weg gegangen bin im Turnen. Die dümmste Idee: Als Dreijährige wollte ich draussen mit Kreide Blümchen zeichnen - auf Nachbars Auto! Der Herr klingelte bei meiner Mutter und meinte, sie solle mal sehen, was ich so mache. Dabei war meine Aktion nur gut gemeint! Ich wollte das Auto schön bunt machen. Mein Vater war damals Automechaniker und hatte wegen mir Arbeit. Das Auto musste neu lackiert werden.

Welche Idee, welchen Wunsch haben Sie endgültig begraben?
Sängerin zu werden. Ich kanns einfach nicht.

Welche Ihrer Eigenschaften möchten Sie Ihren Kindern vererben? Welche keinesfalls?
Ich hoffe, dass sie ebenfalls einen starken Willen haben, um ihre Ziele zu erreichen. Und dass sie etwas geduldiger sind als ich. Und nicht so chaotisch.

Was wird man in hundert Jahren über die aktuelle Epoche sagen? Wofür wird man uns loben? Wofür verurteilen?
Es wurde alles viel technischer und digitaler. Loben wird man sie dafür, dass Sport und Schule besser koordiniert wurden. Ich hoffe auch dafür, dass wir Sorge zur Natur trugen. Die Schweiz ist ein schönes Land, das so erhalten werden muss.

Welche Pille sollte erfunden werden?
Eine, die uns von einem Ort zum anderen beamt. Oder eine, die Krankheiten heilen kann.

Als Sie 16 Jahre alt waren: Wie sah da Ihr Zimmer aus?
Chaotisch! Überall lag etwas herum. Da gab es schon manchmal Streit mit meiner Mutter. Bevor ich wieder nach Biel zur Gastfamilie fuhr, musste ich daheim immer aufräumen.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Schulschatz?
Ja. Er ist heute noch ein guter Kollege von mir. Damals, etwa in der 4. Klasse, war aber nur Händchenhalten, mehr lief nicht. Den Namen verrate ich lieber nicht.

Über welches Geschenk haben Sie sich zuletzt gefreut?
Von meiner Mutter habe ich als Glücksbringer für die WM einen Engelsrufer bekommen. Das ist eine Halskette mit Klangkugeln, die ganz fein tönen. Jede Farbe hat eine andere Bedeutung.

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