Sie zelebrierte in Ägypten die gleichgeschlechtliche Liebe Händchenhalten wurde Sängerin Chrissy Lee zum Verhängnis

Im September reiste die Aargauer Sängerin Marije Oosting, die unter dem Künstlernamen Chrissy Lee auftritt, gemeinsam mit ihrer Verlobten nach Ägypten. In ihren Liebesferien erlebte sie am eigenen Leib, was passiert, wenn man sich in einem arabischen Land nicht an die Gepflogenheiten hält.
Marije Oosting alias Chrissy Lee und ihre Verlobte Ramona Furer 2018
© zVg

Glückliches Paar: Sängerin Chrissy Lee und Ramona (r.) haben sich verlobt.

Sie hatte sich ihren Ägypten-Abstecher im vergangenen September anders vorgestellt. Eigentlich wollte Sängerin Chrissy Lee, 23, ihre Verlobung mit Ramona, 21, feiern und im Nil-Land an ihrem neuen Album arbeiten. «Ich wollte die Recordings dort aufnehmen, weil das Land schöne Kulissen bietet und mir so viel Inspiration gibt», erklärt Marije Oosting, wie sie mit bürgerlichem Namen heisst.

Die ersten Tage in der Hafenstadt Alexandria gefielen der Aargauerin ausgesprochen gut. «Mein Produzent reiste erst am dritten Tag an. Die erste Zeit waren Ramona und ich unter uns und haben viel Sight-Seeing gemacht.» Bei einem weiteren Trip ins Zentrum der Millionenstadt machte das lesbische Paar jedoch eine schreckliche Erfahrung.

Die beiden wurden in einen Keller gebracht

«Verliebt wie wir sind, haben wir uns händchenhaltend ein paar Monumente angesehen. Plötzlich sprach uns eine Gruppe Leute auf Arabisch an», erinnert sich Chrissy Lee. Die Männer und Frauen hätten mit dem Finger aggressiv auf die beiden Schweizerinnen gezeigt. «Es ging alles ganz schnell. Sie haben Ramona und mich am Arm gepackt und in einen privaten Keller gebracht.»

«Unsere Homosexualität ist das Problem»

Dort sei es ihr mulmig zumute gewesen, sagt Chrissy Lee: «Die Personen haben aggressiv auf uns eingeredet. Sie haben uns mit Handzeichen zu verstehen gegeben, dass wir nicht nah beinander stehen sollen.» Da sei es ihr wie Schuppen von den Augen gefallen: «Unsere Homosexualität ist das Problem.»

Die Situation schien zunächst ausweglos: «Ich hatte keinen Plan, was ich tun sollte. Ich weinte, weil ich Angst hatte, dass ich hier sterben würde», erzählt die Schweiz-Holländerin. Glücklicherweise war ihr Handy sicher in ihrer Hosentasche verstaut. Als ihre Entführer den Raum kurz verliessen, meldete sie sich via Sprachnachricht bei ihrem Produzenten. «Er sagte mir, ich solle beim Handy bleiben, damit er und seine Kontakte das Signal verfolgen und orten können.»

Heldenhafter Produzent

Nach zwei Stunden, die sich laut Chrissy Lee wie eine Ewigkeit anfühlten, kam die Rettung: «Plötzlich hörten wir draussen Geräusche. Drei Männer stürmten herein und nahmen Ramona und mich mit.» Per Taxi seien sie und ihre Verlobte so in ihr Hotel zurückgelangt. Bei der Unterkunft angekommen, sei sie völlig erschöpft gewesen: «Ich habe gezittert und war nicht mehr in der Lage, klar zu denken oder die Polizei zu alarmieren.» Ihr Produzent habe ihr versichert, dass er alles regle.

Am nächsten Tag sind Chrissy Lee und Ramona frühzeitig aus Ägypten abgereist. Rückblickend ist ihr nicht klar, was an ihrem Verhalten die Landsleute so verärgert haben mag. «Ich trug keine Hotpants oder andere sexy Kleidung.» Vor ihrem Ägypten-Trip habe sie sich über Google noch über die lokalen Gepflogenheiten informiert. «Da stand nur, dass sexuelle Handlungen in der Öffentlichkeit verboten sind. Wir haben Händchen gehalten, nicht rumgemacht.»

Nach dieser Erfahrung hat Chrissy Lee entschieden: «Ich werde niemals dorthin zurückkehren.»

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