Familie Fehr Die SVP in den Genen

Bei Familie Fehr lacht das SVP-Sünneli. Vater Hans ist Nationalrat, Mutter Ursula Gemeindepräsidentin - und nun möchte Tochter Nina Stadträtin werden. Die «Schweizer Illustrierte» hat das Trio besucht. 

Wer auf den Mund gefallen ist, hat im Hause der Fehrs in Eglisau ZH wenig zu melden. Kein Wunder, Hans Fehr, 66, ist als Nationalrat von Berufs wegen ein geübter Debattierer. Seine Frau Ursula, 62, wurde es zwangsläufig. «Sonst komme ich hier ja nie zu Wort.» Und deshalb hat auch Tochter Nina, 33, eine Strategie entwickelt. Sie trägt ihre Argumente in so horrendem Tempo vor, dass man sie als verbale Raserin bezeichnen könnte.

Dabei sprechen die drei, zumindest in politischen Fragen, mit einer Stimme. Sie alle sind Mitglied der SVP (und der Auns) und politisch tätig. Vater Hans sitzt seit 1995 im Parlament in Bern, Mutter Ursula amtet als Gemeindepräsidentin von Eglisau ZH, und nun betritt auch Nina die politische Bühne. Sie bewirbt sich bei den Wahlen am 9. Februar 2014 in Zürich für einen Stadtratssitz und für den Gemeinderat.

Hans Fehr kann seinen Vaterstolz kaum verbergen. «Sie ist ein Naturtalent», sagt er begeistert. «In ihrem Alter traute ich mich knapp, für den Gemeinderat zu kandidieren.» Nina möchte, ohne die klassische Ochsentour von Gemeinde- oder Kantonsrat absolviert zu haben, gleich in ein Exekutivamt. Und das ausgerechnet in der grössten Schweizer Stadt, die mehrheitlich von linken Politikern regiert wird.

Was ihr an klassischer politischer Erfahrung fehlt, will sie mit Hartnäckigkeit wettmachen. Bereits als 14-Jährige organisierte sie erfolgreich Petitionen gegen Delfinarien in der Schweiz (und sagte damals dem «Beobachter», sie würde, wenn schon, den Grünen beitreten). Ihren Vater brachte sie sogar dazu, in der Sendung «Sonntalk» das Abschlachten von Delfinen in Japan als Frust der Woche zu bezeichnen. Nina: «Meine familieninterne Oppositionsphase war auf die Kanti-Zeit beschränkt. Aber der Tierschutz liegt mir noch heute am Herzen.» Auch mit ihrem Aussehen machte sie bereits als Teenager Schlagzeilen. Mit 17 Jahren und den Massen 88-62-88 nahm sie am Elite-Model-Look-Wettbewerb teil - und schaffte es prompt unter die ersten zehn!

Fehrsche Fraktionssitzung. Den optimalen Platz für den grossen Stubentisch liess Ursula Fehr mit einer Rute ermitteln, Glaselemente an der Lampe und bemalte Wände zeugen von ihrer Feng-Shui-Begeisterung. «Dieser Tisch ist unser Kraftort», sagt sie. Hans, von der chinesischen Harmonielehre nicht ganz so überzeugt wie seine Frau, kann sich ein Lächeln nicht verkneifen. Ursula: «Ja, ja, lach du nur. Aber du sitzt ja auch immer hier.»

Im längeren Gespräch kann man, zumindest im Detail, die eine oder andere Differenz ausmachen. Nebst dem Tierschutz möchte Nina beispielsweise auch alternative Energien fördern. «Und etwas weniger Schwarz-Weiss-Malerei könnte der SVP ebenfalls nicht schaden.» Mutter Ursula sagt, sie könne als Gemeindepräsidentin sowieso nicht das Parteibuch schwenken. Die beiden Frauen sind sich auch darin einig, dass der Vater früher zu viel «trompetet» hat. «Das ist meine Rolle, ich bin schliesslich ein Frontkämpfer», wehrt sich dieser.

Einigkeit besteht bei den Fehr-Eltern aber darüber, dass ein Enkelkind hochwillkommen wäre. «Wir lauern», sagt Ursula lachend und bietet schon mal - wenns dann so weit sein sollte - einen fixen Wochentag Hütedienst an. Für Nina ist aber klar, dass sie nicht nach dem traditionellen SVP-Familienbild leben wird. «Ich habe viel in meine Ausbildung investiert, das gebe ich wohl kaum gänzlich auf.» Sie arbeitet bei der Zürich-Versicherung als Juristin und schliesst nebenbei ihre Doktorarbeit ab (Thema: «Anzeigepflichtverletzung aus Sicht des Versicherers»).

Und was geschieht mit der Familienplanung, wenn sie in den Stadtrat gewählt werden würde? «Es ist ja nicht so, dass sich Frauen dann aus der Politik verabschieden müssen, wenn sie ein Kind bekommen.» Aber das Ganze sei ohnehin noch kein Thema. Immerhin, verheiratet ist sie schon mal (natürlich mit einem SVPler), deshalb tritt sie im Wahlkampf unter dem Namen Fehr Düsel an.

Offenheit herrscht am Familientisch auch, wenn es um das traurigste Kapitel der Familiengeschichte geht. 1999 sprang Claudio, Ninas älterer Bruder und das erste Kind von Hans und Ursula Fehr, am Tag seines 20. Geburtstages von der Eglisauer Eisenbahnbrücke. Er blieb - wie durch ein Wunder - fast unverletzt. Zehn Jahre später schrieb Ursula Fehr ein sehr persönliches Buch mit dem Titel «Schneckenfühler - mein eigenwilliges Kind». Darin verarbeitet sie die langen Jahre der Ungewissheit, was mit ihrem psychisch auffälligen Sohn nicht stimmte. Ihre Ohnmacht darüber, dass ausgerechnet sie als ausgebildete Heilpädagogin nichts dagegen tun konnte. Und den Groll auf ihren Mann, der gerade in die Politik eingestiegen war, als die Probleme mit dem Sohn immer grösser wurden. «Hans blühte in der Politik auf wie nie zuvor und galoppierte richtiggehend ab. Aber ich hätte ihn zu Hause gebraucht.» Claudio geht es heute gut, und rückblickend sind sich alle einig, dass diese Jahre sie alle noch enger zusammengeschweisst haben. Hans: «Unsere Ehe hätte ehrlicherweise auch scheitern können.» Er bewundere sehr, wie seine Frau die ganze Geschichte in Buchform verarbeitet habe.

Jung, urban, gut ausgebildet. Nina Fehr Düsel wird nicht müde, zu betonen, welches ihre Vorzüge sind (und wie sie sich von älteren Partei-Schlachtrössern unterscheidet). Ob der Nachname Fehr ein Vor- oder ein Nachteil ist, weiss sie noch nicht. «Ich denke, dass mich die Leute nicht als Tochter von jemandem sehen, sondern auf meine Anliegen und Inhalte hören.» Das sind, natürlich, vor allem klassische SVP-Themen wie Ausländerfragen, Sicherheit, Finanzen und Verkehr. Die politischen Gegner haben ihre Gegenargumente bestimmt schon bereit. Fragt sich bloss, ob Nina Fehr Düsel sie zu Wort kommen lässt. Denn so viel rhetorisches Rüstzeug haben die anderen Kandidaten kaum mit in die Wiege gelegt bekommen.

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