Geburtstag Happy Birthday, Maria Becker!

Die Grande Dame des deutschsprachigen Theaters wird heute 90 - und lädt die Schweizer Illustrierte zum Besuch.

Maria Becker hat es sich auf einem zierlichen Fauteuil im Salon ihrer Villa aus der Belle Epoque im Zürcher Seefeld gemütlich gemacht. Heute Donnerstag, am 28. Januar 2010, feiert die grosse Dame des deutschsprachigen Theaters einen runden Geburtstag: Sie wird 90.

Seit sie Probleme mit der Hüfte hat, geht sie an Krücken. «Ich verbringe viel Zeit im Haus und übe mich in der hohen Kunst, mich nicht allzu viel zu bewegen», sagt sie mit leicht sarkastischem Unterton. Ein sanfter Schubs und Vasty, ihr vierjähriger Bichon-Frisé-Rüde, plumpst von ihrem Schoss auf den beigen Teppich. Langsam erhebt sich «die Becker» vom Stuhl und bittet um die Stöcke. Man spürt ihre Ungeduld. Am liebsten wäre sie schon am anderen Ende des Zimmers. Aber ihr Körper bremst sie. Vorsichtig bewegt sie sich – Schritt für Schritt – Richtung Fenster. Sie schaut hinaus ins Schneetreiben und sagt in gestochen klarem Bühnendeutsch: «Ich hasse Schnee!»

Maria Becker ist kein sanftmütiges Katalog-Grosi. Sie hat die Attitüde einer Diva, die es gewohnt ist, im Mittelpunkt des Geschehens zu stehen. Kein Wunder, sie hat im Laufe ihrer langen Karriere alle grossen modernen und klassischen Rollen gespielt. Hat sie dennoch einen Wunsch offen? Ohne eine Sekunde zu zögern, sagt sie mit lauter und fester Stimme: «Natürlich! Ich würde gerne wieder in ‹Die Physiker› von Dürrenmatt spielen. Ein wunderbares Stück.» Die Schauspielerin verspürt heute noch die Leidenschaft für die Bühne.

1938 kam die gebürtige Berlinerin vom Reinhardt-Seminar in Wien wegen eines Engagements ans Zürcher Schauspielhaus. Sie wollte nur ein Jahr bleiben, die Nazis und der Zweite Weltkrieg machten ihr einen Strich durch die Rechnung. «Potzblitz! Da fand ich mich in dieser miefigen Stadt wieder. Und jetzt bin ich immer noch hier. Es ist einfach passiert. Aber heute mag ich die Stadt sehr», sagt sie.

Sie nimmt wieder Platz. Ihre gepflegten Hände streifen sachte über den Wollstoff ihrer blauen Hose. Vor ihr auf dem Couchtisch liegen drei Exemplare ihrer soeben erschienenen Biografie, die sie noch signieren muss. In ihrem persönlichen Rückblick auf 90 Jahre gelebtes Leben steht, dass sie das Älterwerden nie als Tragödie aufgefasst hat. «Den Tod hingegen fürchte ich seit je.»
  

Persönlich:
Privat: Am 14. 7. 1945 heiratet sie den Schweizer Regisseur Robert Freitag. 1964 wird die Ehe geschieden. Der älteste ihrer drei Söhne nimmt sich 1966 das Leben.
Karriere: Schauspielausbildung am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Ab 1938 in Zürich. 1956 gründet sie ihr Tourneetheater Die Schauspieltruppe Zürich. International bekannt
wird Maria Becker vor allem durch die Interpretation grosser Frauengestalten (Elektra, Iphigenie etc.)

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