«Das persönliche Interview» mit Heidi Maria Glössner «Ich wäre gerne ein sinnlicher, runder Kürbis»

Zeitlos schön: Auch mit über 70 denkt Schauspielerin Heidi Maria Glössner nicht ans Aufhören. Nein, weniger zu arbeiten, würde sie sogar unglücklich machen. Im Gespräch erklärt sie, warum man als Schauspieler ewig ein Kind bleibt, und verrät, welcher Bub ihr Herz fast zum Zerspringen brachte.
100 Bernerinnen: Heidi Maria Glössner
© Geri

Heidi Maria Glössner wurde als Schauspielerin der Stadttheater Luzern und Bern bekannt.

«Schweizer Illustrierte»: Heidi Maria Glössner, welches Gemüse sollte verboten werden?
Heidi Maria Glössner: Gemüse, das um die halbe Welt geflogen, im Ursprungsland unter prekären Bedingungen erzeugt und mit Dumpinglöhnen produziert wird.

Und was für ein Gemüse wären Sie?
Meiner Figur nach bin ich wohl eher eine Spargelstange, aber ich wäre gerne ein golden-sonniger, sinnlicher, runder Kürbis.

Als Sie Kind waren, was hat Ihre Mutter Ihnen da immer gesagt?
Mama meinte stets, sie wünsche mir die Gabe, zu ändern, was man ändern kann, zu akzeptieren, was man nicht ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. Und mein italienischstämmiger Grossvater sagte immer: «Aidele mueschte en Brave siii!»

Hatten Sie da einen Spitznamen?
Meine Mama nannte mich bis weit ins Erwachsenenalter hinein einfach nur «Meite».

Als Sie 16 Jahre alt waren, wie sah Ihr Zimmer aus?
Da hing ein grosses Foto von Will Quadflieg und Gustaf Gründgens als Faust und Mephisto aus dem legendären Stück am Hamburger Schauspielhaus. Und Poster von Elvis Presley und Peter Kraus.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Schulschatz?
O ja! (Lacht.) Er hiess Ruedi und war schon in der ersten Klasse mein Angebeteter! Leider war die Liebe einseitig. Aber wenn er beim Päärli-Fange mich gefangen hatte und mit mir an der Hand über den Pausenplatz rannte, klopfte mein Herz zum Zerspringen!

Um wie viel Prozent müssten Sie Ihr Arbeitspensum reduzieren, damit Sie massiv glücklicher wären?
Ich bin sehr glücklich mit meinem Arbeitspensum. Würde es massiv reduziert, so wäre ich eher unglücklich.

Warum ist die Schauspielerei Ihre Berufung?
Wenn Kinder spielen, werden sie immer ganz zu den Figuren, die sie darstellen: zum Hund, zur Katze, zum Räuber oder Polizisten. Mit meiner Berufswahl habe ich meine Kinderspiele und die Neugier, die damit verbunden ist, einfach in mein Erwachsenenleben hineingerettet.

Sie sind seit einem Jahr Grossmutter. Ihre beste Rolle?
Ich bin bezaubert von meiner kleinen Claudia Maria, aber da sie in Luzern lebt, sehe ich sie nicht so oft! Ich möchte ihr die Liebe zu allem Lebendigen mitgeben.

Was für ein Hintergrundbild hat Ihr Handydisplay?
Da schaut mich Mr. Boo an, der süsse kleine Hund meiner vor Kurzem verstorbenen Schwägerin in Kalifornien. Er sieht auch mit acht Jahren noch aus wie ein Puppy, in das sich alle Welt verliebt. Ein sensibler kleiner Kerl, der mir bei meinem ersten Abschied heimlich sein Lieblingsspielzeug unter die Kleider in meinen Koffer gestopft hat, was ich erst beim Auspacken zu Hause bemerkt habe.

Wo tuts Ihnen weh?
Nur im Herzen, angesichts des Elends auf dieser Welt.

Über welche Tat von Ihnen wird man noch lange nach Ihrem Tod reden?
Beim Theater gibts den alten Spruch «Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze»!

Welche Musik soll an Ihrer Beerdigung gespielt werden?
Das Andante aus Mozarts Klavierkonzert Nr. 21. Eine Musik, die die ganze Welt umarmt und einen tiefen Frieden verströmt. Wenn die heutigen Machthaber mehr in diese Musik hineinhören würden, wäre unsere Welt wohl etwas weniger gewalttätig und ungerecht.

Können Sie sich vorstellen, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen?
O ja, ohne Weiteres! Ich verteidige einerseits das Recht auf mein selbstbestimmtes Leben, aber genauso auch auf meinen selbstbestimmten Tod. Aber natürlich hoffe ich insgeheim, das dies nie wirklich zum Thema wird.

Haben Sie einen Organspendeausweis?
Nein, noch nicht. Ich wäre aber zu jeder Spende bereit, falls man auch alte Teile wie meine noch weiterverwenden kann.

Wenn Gott Sie neu erschaffen würde: Welche Eigenschaften einer Berühmtheit hätten Sie gerne?
Ach, ich bin recht zufrieden mit dem lieben Gott. Aber vielleicht singen können wie Maria Callas? Das wäre ein Glück!

Welche Filme haben Ihr Leben massiv beeinflusst?
Da fällt die Wahl schwer, ich habe viele bewegende gesehen. Als ich fünf war, musste meine Mama mit mir aus dem Kino gehen, weil ich so laut über Schneewittchens Tod weinte. Und Filme wie «Lawrence of Arabia» habe ich mir in jungen Jahren so oft angeschaut, bis ich fast den ganzen Text auswendig kannte.

Falls Ihr Leben verfilmt wird, wer soll die Hauptrolle spielen?
(Lacht.) Die will ich doch selber spielen!

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