Zurich Film Festival Alle reissen sich um sexy Hugh Jackman!

Massenauflauf und lautes Gekreische vor dem Kino Corso: Hollywood-Star Hugh Jackman war am Samstag am Zurich Film Festival, um seinen neuen Film «Prisoners» vorzustellen und den «Golden Icon»-Award abzuholen. SI online war bei der Preisübergabe dabei. Und hat den Beau kurz zuvor zum Interview getroffen.

SI online: In «Prisoners» müssen Sie um Ihre entführte Tochter bangen. Wie haben Sie sich auf die Rolle als Keller Dover vorbereitet?
Hugh Jackman: Es gab viele Möglichkeiten, mich in diese Rolle hineinzufinden. Unter anderem habe ich mich mit realen Fällen befasst. Das war sehr zermürbend. Da schläft man nicht mehr ruhig. Ich hatte Zugang zu nicht veröffentlichten Berichten, sah Videos und Bilder, die unvorstellbar waren. Man sieht die dunkelsten Abgründe, in die ein Mensch geraten kann. Die Hölle.

Keller Dover quält seinen «Gegner» richtig…
Ja, er quält ihn, aber es geht ihm nicht darum, ihn zu foltern. Er will Informationen haben. Er braucht einen Sinn, er möchte verstehen, warum sein Kind weg ist.

Wie war es für Ihre Frau, Sie in dieser sehr emotionalen und intensiven Rolle zu sehen?
Sie sagte, es sei hart für sie gewesen, die Szenen zu sehen. Als wir nebeneinander sassen und uns den Film ansahen, liess sie immer wieder meine Hand los. Sie fragte sich wohl, wer dieser Typ ist, der da neben ihr sitzt. Aber das ist sowieso speziell in diesem Film. Man ist sich nie sicher, ob man auf Keller Covers Seite ist oder nicht. Man schwankt hin und her.

Das Thema des Films ist sehr bedrückend. Wie konnten Sie die Stimmung bei den Dreharbeiten aufheitern?
Sie meinen, abgesehen vom Trinken? (lacht) Je besser das Schauspiel ist, umso entspannter ist es am Set. Es ist nicht so heftig, wie Sie sich das jetzt vielleicht vorstellen. Jeder Schauspieler weiss, was er da tut. Jeder weiss, dass er eine Szene abbrechen kann, wenn etwas nicht stimmt. Es ist ein Prozess des Zuhörens und Gebens.

Schauspielern ist also nichts für Egoisten…
Nein, beim Schauspielern geht es nicht darum, dass die Kamera auf einen gerichtet ist. Es geht um Beziehungen. Grossartiges Schauspiel ist, wenn man damit die andere Person beeinflussen kann. Und auch sich selbst. Man gibt immer das Beste für die anderen. Man ist eine Familie.

Wie war die Zusammenarbeit mit Regisseur Denis Villeneuve?
Grossartig. Er hielt alles am Laufen. Er pushte uns, wenn es nötig war. Er gab uns aber auch den Raum, den wir brauchten.

Und mit Paul Dano, der von Ihnen gequält wird?
Paul vertraute Denis sehr. Er ging komplett in dieser Rolle auf. Er war die ganze Zeit durch ein Mysterium für mich. Es war phänomenal.

Ist diese Rolle der nächste Schritt zu einem vielfältigen Schauspieler? Über die Rolle des Wolverine wurde geschrieben: «Hugh Jackman hat alle Facetten von Wolverine gezeigt. Jetzt muss er etwas Neues machen.»
Natürlich schaue ich mich immer nach neuen Herausforderungen um. Es gibt auch Rollen, die mir Angst machen, ganz ehrlich! Gerade, wenn sie in emotionale Abgründe verstrickt sind. Das ist eine schwierige Herausforderung, die aber trotzdem reizt. «Wolverine» habe ich tatsächlich sieben Filme lang gespielt. 14 Jahre lang. Der ist schon ein richtig alter Freund von mir. Ich habe es aber immer genossen, ihn zu spielen. Im siebten Film, den wir gerade abgedreht haben, sind auch bei dieser Figur noch neue Facetten zu sehen.

Welche denn?
Naja, er zeigt ganz andere Charakterzüge und… Oh Mann, ich muss echt aufpassen, dass ich nichts verrate. (lacht)

Zurück zu «Prisoners»: Hat Sie diese Rolle in Bezug auf Ihre eigenen Kinder verändert?
Ein bisschen. Wenn die Kinder auf die Welt kommen, hat man grossartige Vorstellungen und Wünsche, wie sie einmal werden sollen. Man liebt sie und das Leben. Man sieht Tausende Möglichkeiten. Doch es ist auch ein Balance-Akt. Man muss sie schützen, es sind Ängste da. Auch die Kinder haben einen Instinkt, der ihnen sagt, ob etwas richtig oder falsch ist. Es ist wichtig, darauf zu hören.

In der Schweiz gehen Kinder risikolos zu Fuss zur Schule. Wie ist das in New York City, wo Sie leben?
Ich wuchs in der Nähe von Sydney auf und lief auch zur Schule. Die Statistiken sagen, dass es in New York City nicht wirklich gefährlicher ist. Alle denken immer, in New York sei es so schlimm, das hat auch mit den Medien zu tun. Mein Sohn ist jetzt 13 Jahre alt und geht zu Fuss. Meine Frau ist etwas vorsichtiger, was dieses Thema angeht.

Meine Frau ist das Grossartigste, das mir je passiert ist

Sie sind seit 17 Jahren glücklich verheiratet. Was ist das Geheimnis Ihrer gut funktionierenden Ehe?
Das Geheimnis ist, dass sie die Richtige ist. Ich war Single, als ich sie kennengelernt habe und war glücklich und zufrieden. Dann habe ich sie getroffen und war noch zehn Mal glücklicher und zufriedener. Wie bei allen Paaren haben auch wir mal Meinungsverschiedenheiten und müssen Kompromisse eingehen. Aber ganz ehrlich: Meine Frau ist das Grossartigste, das mir je passiert ist.

Haben Sie eigentlich je gegen das Gesetz verstossen?
Ja.

Was haben Sie denn getan?
Sie denken, das verrate ich Ihnen? Ich habe Kinder zu Hause. (lacht)

Was ist Ihre Passion nebst der Schauspielerei?
Ich liebe es, mit meinen Kindern abzuhängen und zum Beispiel Monopoly zu spielen. Ich bin auch gerne draussen und wandere oder bin mit dem Fahrrad unterwegs. Ausserdem esse und koche ich auch gerne. Ganz viele Dinge.

Nun haben Sie den «Golden Icon»-Award erhalten. Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung?
Ich frage mich, ob dieser Award mir sagen soll: «So, das ist die Auszeichnung für dein Lebenswerk. Hör jetzt endlich auf, wir haben genug davon.» Nein, im Ernst, es ist eine Ehre. Es hat mich geschockt und überrascht, dass ich diesen Preis gewinne. Es bedeutet mir wirklich sehr viel. Als ich 26 war, habe ich ganz gemächlich mit der Schauspielerei angefangen. Ich hoffe, am Ende werde ich auch ganz gemächlich damit aufhören.

«Prisoners»: Ab 3. Oktober in den Schweizer Kinos

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