Marco Rima «Ich bedeute für manche ein Risiko»

Am 17. Oktober feierte «Achtung, fertig, WK!» Premiere. Der Streifen ist das erste Sequel eines Schweizer Kinofilms. Marco Rima glänzt erneut - wie damals bei «Achtung, fertig, Charlie!» - als Oberst Reiker. Im Interview mit SI online spricht der 52-Jährige über seine Rolle, den Humor und natürlich das Militär.
Marco Rima im Interview zum Film «Achtung, fertig, WK!»
© Adrian Bretscher / SI

Achtung, fertig, Rima! Der Schweizer Komiker schlüpft ein zweites Mal in die Rolle von Oberst Reiker.

SI online: Sie waren nicht an der Filmpremiere von «Achtung, fertig, WK!», weil Sie an diesem Abend in Aarau mit Ihrer Show «HumorSapiens» aufgetreten sind. Waren Sie traurig, dass sie die Premiere verpasst haben?
Marco Rima: Nein, denn da hat es meist so viele Leute, dass man sowieso kaum Zeit zum Plaudern hat. Ist also nicht so schlimm.

Im Film schlüpfen Sie in eine Rolle, die Sie vor zehn Jahren bereits einmal gespielt haben. Komisch?
Eine Rolle hat immer auch ein bisschen was mit einem selber zu tun. Reiker ist älter geworden. Praktischerweise musste ich mein Äusseres nicht verändern, das ist automatisch passiert in diesen zehn Jahren. Interessant ist, wie der Charakter neu definiert worden ist. Der Regisseur wollte von mir vor allem auch leise Töne hören.

Ja, es wird richtig emotional zwischenzeitlich.
Genau! Ich fand die erste Begegnung mit meiner Filmtochter Anna total lässig. Weil es für uns beide sehr emotional war beim Drehen. Es war spannend, dem Oberst Reiker neue Facetten zu verpassen. Ich habe diese Figur geliebt und hab sie schon damals gerne gespielt.

Man musste Sie also nicht überreden, beim zweiten Teil wieder dabei zu sein?
Doch, das mussten sie schon. Ich bin eher zurückhaltend, wenn es darum geht, eine Sache ein zweites Mal zu machen, wenn es beim ersten Mal schon funktioniert hat. Man hat einen Film gedreht, der seine Marke gesetzt hat und erfolgreich war. Das reicht doch. Das Drehbuch hat mich dann aber überzeugt. Lukas und Reto haben das sehr gut gemacht.

Welches Element des Drehbuchs hat Sie denn überzeugt?
Dass auf einmal das Thema Yoga eine Rolle spielt. (lacht) Und ich finde, dass die Geschichte in sich runder ist als beim ersten Film. Zudem ist der Cast sehr gut ausgewählt - es kommen viele Nationalitäten und Mentalitäten zusammen. Eigentlich das, was die Schweiz ausmacht. Die Armee ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Natürlich überzeichnet. Aber es ist kein Armee-Film. Es ist eine Liebeskomödie, die im Umfeld einer Armee spielt.

Das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) hat den Film ja nicht unterstützt…
Diese Diskussionen sind für die Katz, denn ich bin mir sicher, dass die Leute vom VBS den Plausch am Film haben werden. Und wenn man sich «Achtung, fertig, WK!» genau ansieht merkt man, dass es kein Anti-Armee-Film ist.

Sind Sie für oder gegen das Militär?
Ich fände es schön, wenn der Fokus etwas mehr auf die sozialen Bereiche gelegt werden würde. Dass alle Schweizer einige Tage im Jahr einen Dienst für die Öffentlichkeit absolvieren würden. Katastrophendienst oder auch Hilfe für ältere und kranke Menschen. Das wäre spannend. Das Schöne an der Armee ist, dass sie unterschiedlichste Menschen zusammenbringt, die alle durch den gleichen Schlauch müssen. Man schätzt danach auch die Freiheit wieder mehr. Wir unterschätzen oft, wie frei wir in diesem Land sind.

Zurück zur Rolle von Oberst Reiker. Konnten Sie da auch Ihren eigenen Humor mit hineinbringen? Oder lief alles klar nach Drehbuch?
Es war interessant für mich, mich wieder einmal auf die Vorstellungen anderer Leute einzulassen. Das ist nicht immer einfach, wenn man sich eine One-Man-Show gewohnt ist. Es gab einige Dinge, die ich vorgeschlagen hatte, die aber abgelehnt worden sind. Das ist aber eine wichtige Erfahrung und auch gut so. Vor mir haben manchmal die Leute etwas Schiss, weil sie denken, ich würde alles vorgeben. Aber das ist nicht so. Wenn ich mich auf ein Projekt einlasse, wo ein Buch da ist und Regie-Anweisungen, dann kann ich mich da komplett anpassen. Wenn man mich als Komiker mit meinem Humor miteinbeziehen will, dann arbeitet man ganz anders zusammen.

Sie haben mit vielen sehr jungen Menschen gedreht. Wie sah es denn da mit der Ehrfurcht aus?
Es ist immer super, mit neuen, jungen Menschen zu arbeiten. Mit Matthias Britschgi und Liliane Amuat wars total lässig. Es ist interessant zu sehen, wie selbstverständlich sie mit vielen Sachen umgehen, bei denen ich viel länger gebraucht hatte, um damit klarzukommen. Ich lerne da viel von ihnen. Und wenn sie was von mir wissen wollen, ist das auch toll.

Spüren Sie in solchen Momenten, dass Sie älter werden?
Ja, das ist gerade bei Interviews lustig. Vorhin kamen einige Radioreporter - und das hätten meine Söhne sein können. Da denkt man wirklich, man ist alt. Als ich damals mit «Marcocello» angefangen habe, da war ich 20 und die Radioreporter 30. Das waren für mich alte Säcke.

Hauptdarsteller des Films ist Matthias Britschgi. Wie sehen Sie seine Zukunft als Schauspieler?
Matthias ist ein enorm begabter Schauspieler und ein unglaublich liebenswürdiger Kollege. Der ist richtig gut. Ich bin überzeugt, dass man von ihm noch viel hören wird. Ich bin stolz, dass ich mit ihm drehen durfte. Das Gleiche gilt auch für Liliane. Sie hatte zwar eine kleinere Rolle. Aber man sieht bei beiden, dass es top ausgebildete Schauspieler sind, die mit viel Talent gesegnet sind. Es sind Menschen ohne Allüren, die ihre Berufung mit viel Herz ausleben.

Es gab im Vorfeld einige Kritiken zum Film. Lesen Sie solche Sachen?
Ich lese ab und zu die Blogs. Und es ist schon lustig, worüber sich die Leute da beschweren. Beispielsweise darüber, dass bei Szenenfotos ein Abzeichen falsch ist. Dabei liegt das daran, dass dieses durchs Fotografieren spiegelverkehrt ist. Die Kostümbildnerin müsste das Logo eigentlich seitenverkehrt aufnähen. Und auch Reiker: er ist Oberst-Leutnant. Ich meine, ein Bataillon besteht ja auch nicht nur aus 70 Schnäuzen, die vor mir stehen. Ich hatte ja nichtmal eine Kompanie vor mir. Aber das macht ja nichts - ein Film ist ja Fiktion. Und wenn über einen Film hergezogen wird, bevor man ihn gesehen hat, dann ist das wohl einfach unser Zeitgeist. Im Internet kann man sich anonym über alles beschweren, und diese Möglichkeit wird gerne genutzt. Es hiess schon ab und zu, es sei ein doofer Schweizerfilm, der genau das Gleiche sei wie Charlie.

Ärgert sie das?
In zwei Punkten schon. Erstens, weil vieles nicht gesehen wird. Die Arbeit, die dahintersteckt und auch den Mut, den es braucht, einen solchen Film zu machen. Bei meinem letzten Projekt beispielsweise - «Liebling, lass und scheiden» - müssen wir noch eine Million Franken zurückzahlen. Das ist einfach so. Es wird über etwas hergezogen, woran so viele Menschen mit Herzblut gearbeitet haben, obwohl sie vielleicht sogar noch drauflegen mussten. Und das Zweite, das mich ärgert, ist, dass man immer wieder vergisst, wie klein unser Land eigentlich ist. Dass in Amerika ein Filmbudget von 20 Millionen sehr bescheiden ist, und bei uns ein 2-Millionen-Budget eine richtig grosse Sache. Und da ist noch kein Marketing dabei.

Das heisst, es ist auch schwieriger geworden, ins Gespräch zu kommen?
Auf jeden Fall. Als wir mit «Marcocello» angefangen haben, waren wir in der glücklichen Situation, dass es nur ein paar wenige Fernsehsender und wenige richtig wichtige Medien gab. Heute gibt es alles im Überfluss. Alleine über Ticketcorner 20'000 Veranstaltungen. Dass dir da Aufmerksamkeit geschenkt wird, ist schwierig. Ich habe das Glück, dass ich eine grosse Fangemeinde habe. Aber ein Neueinsteiger hat es heute so viel schwieriger. Und wenn der schnelle Erfolg nicht sofort da ist, wird es direkt abgesetzt. Ich finde aber, man muss den Dingen Zeit lassen. Das sah man beispielsweise beim Film «Intouchables». Der lief wochenlang in kleinen Arthouse-Kinos und er wurde bekannt, weil er wochenlang lief und so gut war, dass die Mund-zu-Mund-Propaganda funktioniert hat. Deswegen haben Serien wie «Fascht e Familie» oder «Lüthy und Blanc» funktioniert. Man hat den Mut gehabt, die so lange laufen zu lassen. Diesen Mut hat man heute nicht mehr.

Wenn Sie selbst einen Film machen würden - welches wäre Ihr Traum-Drehbuch?
Es gibt so eine Geschichte. Sie heisst «60, Single, sucht». Es geht um eine Frau, die ihren Mann verloren hat und sich gerne wieder verlieben würde. Sie versucht es mit Speed-Dating, Internetforen und so weiter. Es ist eine wahre Geschichte. Eine Komödie, mit einem sozialkritischen Touch. Diesen Film wollte ich gerne machen. Ich hab ihn vorgeschlagen, bin durch sämtliche Instanzen gegangen in der Schweiz und in Deutschland, doch ich wurde abgeschmettert. Es sei nichts, das interessiere niemanden. Nun hab ich gehört, dass ein südamerikanischer Film mit einem sehr ähnlicher Thema die goldene Palme gewonnen hat. Das sind Momente, in denen ich in die Tischplatte beisse. Es war eine so gute Idee, aber niemand hat daran geglaubt.

Wieso denken Sie, dass man Sie trotz Ihrer Berühmtheit nicht unterstützt hat?
Ich polarisiere halt - was ich auch gut finde. Aber genau deswegen gibt man mir das Vertrauen nicht. Ich bedeute für manche ein Risiko. Das bedauere ich sehr. Aber man muss das sportlich sehen. Entweder man spielt in einem gewissen Club mit und man ist angenehm, oder du gehörst nicht dazu. Das muss man einfach akzeptieren. Das blöde in der Schweiz ist halt, dass es nur einen solchen Club gibt. Und der ist sehr klein und wird speziell geführt.

«Achtung, fertig, WK!» - ab 24. Oktober in den Schweizer Kinos.

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