Gustav «Ich bin ein feuriger Latin-Kampf-Lover»

Im Oktober erscheint ein Album der etwas anderen Art. «The Holy Songbook» des Fribourger Musikers Gustav ist nicht nur zum Zuhören gedacht. Es ist ein Liederbuch, mit dem man in die musikalische Welt des kreativen Künstlers so richtig eintauchen kann.
Gustav, der Freiburger Musiker im Interview
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Er hat den Schalk in den Augen: Der musikalisch-kreative Gustav ist Musiker von den Haar- bis zu den Zehenspitzen. Dies hört man auch auf dem neuen Album «The Holy Songbook», das Mitte Oktober erscheint. Er hat alle Instrumente selbst eingespielt.

SI online: Gustav, Sie und die Bühne sind wie füreinander geschaffen. War Ihnen schon immer klar, dass Sie dorthin gehören?
Gustav: Ja. Leider schon, bevor ich Musik gemacht habe. Das war nicht immer für alle eine genüssliche Show.

Was haben Sie denn gemacht?
Sachen halt, die Jugendliche machen, wenn sie kein Ventil haben, um ihre überschüssige Energie rauszulassen. Mehr sag ich nicht. (Lacht)

Dann sind Sie eine richtige Rampensau?
Ich bezeichne mich selber als feurigen Latin-Kampf-Lover. Die anderen meinen, ich sei eine Sau. Das bin ich meiner Meinung nach aber nur beim Essen. Oder im Bett.

Und ein wenig verrückt sind Sie auch, oder? In einem etwas älteren Song singen Sie nämlich «Wir sind anders, aber ihr seid normal»...
Dieser Song handelt nicht von mir persönlich, sondern über das «Anderssein» im Allgemeinen. Eine Gesellschaft kann sich nur dann weiterentwickeln, wenn es Leute gibt, die manchmal gegen den Strom schwimmen. Ich bin nicht anders oder verrückt, aber meine Einstellung zur Musik und zum Erfolg ist vielleicht anders als bei anderen populären Musikern.

Und wie lautet diese?
Ich reize Musik in allen Facetten aus und bin mir nicht zu schade, auch einmal etwas Ungewöhnliches, Unbequemes oder auch Unkommerzielles zu machen.

Ihre Konzerte sind kein Abspulen von Songs - Sie sind ein richtiger Entertainer, der mit den Zuhörern kommuniziert und sie unterhält. Funktioniert das bei jedem Publikum?
Ich bin auf der Bühne extrem auf Tuchfühlung mit den Fans. Oft meinen die Leute, ich sähe nichts, sei von den Lichtern geblendet. Ich sehe aber jedes Lächeln oder Weinen, nehme jedes Zwischengespräch auf und frage mich innerlich: «Warum geht der jetzt an die Bar oder zur Toilette? Kann der nicht warten, bis wenigstens der Song fertig ist?» Ein gelungenes Konzert ist, wenn niemand davonläuft und alle begeistert «Gustav, ich will ein Kind von dir!» rufen.

Ihre Interaktion mit den Fans geht ja auf dem Netz weiter. Auf Facebook sind Sie ein aktiver Nutzer, der auch gerne Fotos und Infos teilt...
Na ja, so krass oft nutze ich das auch nicht. Aber es ist schon toll, wenn man mit einem Klick Tausenden von Leuten mitteilen kann, dass man gerade gefurzt hat. (Lacht)

Sie waren schon viel früher bei einem grossen Publikum sehr beliebt. Dann kam «Kampf der Chöre» und auf einmal war die ganze Schweiz begeistert von Ihnen. War Ihnen dieser plötzliche Rummel nicht zu viel?
Er kam einfach unerwartet, deshalb auch etwas überraschend. Aber zuviel war es nicht. Ich habe es grad noch so verkraftet.

Immerhin haben Sie im Dezember 2011 auf Facebook verkündet, dass Sie zwei Jahre lang nicht mehr auftreten möchten. Das klang schon so, als ob der Karriereschub etwas zu heftig für Ihre Nerven war...
Nein, das war nicht der Grund. Ich musste für meine anderen Interessen und Verpflichtungen wieder etwas Raum und Zeit schaffen. Manchmal muss man kurz innehalten, damit etwas nicht grösser wird, als es ist.

Nun sind Sie wieder da und arbeiten mit offensichtlich viel Begeisterung am neuen Album «The Holy Songbook». So wie es scheint, ist es mehr als nur eine Platte, richtig?
Genau. Es sind zehn von mir geschriebene Songs, gesungen auf Französisch, Sensler- und Hochdeutsch. Lieder zum Mitsingen, Mitklatschen, Mitpfeifen und Mittröten. Ich habe für dieses Album alle Instrumente selber eingespielt, was endlich einmal fällig war. Das Album ist ein Liederbuch mit Noten, Gitarrengriffen und Gesangsanleitungen. Ein aussergewöhnlich gutes Album, wie ich übrigens finde. (Schmunzelt)

«Gin» ist die erste Single-Auskopplung. Trinken Sie das gerne?
Ja, aber nicht mit Gurken. Wer hat denn diesen Scheiss erfunden? Einfach pur mit Eis, Soda und Zitrone - oder in Kombination mit einem anderen Gesöff. Mein Favorit ist Saffron Gin aus Djion. Das ist ein goldgelber Gin mit leichtem Safran-Geschmack. Köstlich! In guten Mengen sehr erheiternd, erfrischend und extrem leberschädigend.

Das Musikvideo dazu ist sehr ausgefallen. Ist die Idee im Gin-Rausch entstanden?
Diese Idee ist nicht von mir. Ich arbeite gerne mit anderen Künstlern zusammen. Diesmal habe ich Michel FR angefragt. Wir sind zur gleichen Zeit zur Schule gegangen. Er welsch, ich deutsch. Also ohne jeglichen Kontakt zueinander. Irgendwie haben sich unsere Wege wieder gekreuzt. Er macht für «The Holy Songbook» das Artwork und alles Visuelle.

Denken Sie, dass Sie ein Brückenbauer über den «Röstigraben» sind?
Meine Gedanken schwirren um andere Dinge als um den Röstigraben. Ich mache das, was mir am nächsten liegt und mir am authentischsten erscheint. Wenn meine Musik Brücken schlägt, ist das jedoch ein toller Nebeneffekt.

Wenn Sie heute auf Ihre ersten musikalischen Ergüsse zurückblicken, was denken Sie?
Seit ich 18 bin, mache ich Musik. Zuerst habe ich sie auf Kassetten, dann auf CDs und MP3s aufgenommen. Ich finde es höchst amüsant, mir die Sachen aus den Anfängen anzuhören. Manchmal sind die Lieder sowas von dämlich, dass ich mich für das eine oder andere schon ein bisschen schäme. Aber alle Aufnahmen sind eng mit den jeweiligen Zeitabschnitten und mit meinem damaligen Alter verbunden.

Das heisst, auch die Themen haben sich verändert?
Heute schreibe ich Lieder aus der Sicht eines 38-Jährigen. Deshalb ist es okay, wenn ich nicht mehr von grossen Brüsten singe...

Wie entstehen Ihre Songs? Bei Ihnen stellt man sich das irgendwie sehr ausgefallen vor.
Seit alles digital ist, habe ich auch keine hundert verkritzelten Ideenhefte herumliegen. Wenn mich die Muse küsst, so nehme ich die Idee auf meinem Handy auf und für die Ordnung sorgt dann der Computer. Also überhaupt nichts Ausgefallenes. Man will es fast nicht glauben - vielleicht ist es auch besser so - aber Musik zu schreiben ist auch «nur» ein Job. Jedoch der Beste, den es gibt.

Welche Musik findet man aktuell in Ihrem CD-Regal?
Meine, immer nur meine. Ich höre nichts anderes, ausser vielleicht noch Karel Gott, East 17 und Gunvor.

Stimmt es, dass Sie halber Basler - und deswegen ein Fan des FC Basel - sind?
Ja, das stimmt. Obwohl das hier in der Gegend lebensgefährlich sein kann.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Ich sehe mich an einem Sandstrand auf einer Pazifik-Insel. Mit einem Cocktail in der Hand, den Wellen zusehend. Andere sehen mich in der Klapsmühle, unter der Brücke oder gar unter den Kartoffeln. Mal schauen, wer Recht behält...

Die Verlosung ist beendet. Vielen Dank für Ihre Teilnahme. Den beiden Gewinnern wird die CD nach dem Erscheinungdatum am 11. Oktober per Post zugeschickt.

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