Graziella Rogers Interview: Das verdirbt der Miss Earth die Laune

Ihr letztes Stündlein als Miss Earth hat geschlagen: Am Wochenende muss Graziella Rogers, 22, die Krone an ihre Nachfolgerin abgeben. SI online sprach mit ihr über Tragisches, Trauriges und Traumhaftes während ihres Amtsjahrs.

SI online: Graziella Rogers, als Miss Earth setzen Sie sich für Umweltanliegen ein. Was haben Sie während Ihres Amtsjahres erreichen können?
Graziella Rogers: Sicherlich konnte ich viel Geld sammeln. Aber was ich in den Köpfen der Menschen zu bewegen vermochte, ist schwierig zu beurteilen. Es war und ist mir jedoch wichtig und hoffentlich auch gelungen, mein Gegenüber darauf aufmerksam zu machen, dass es uns in der Schweiz gut geht. Andere Menschen auf der Welt haben hingegen haben ein schwereres Los zu tragen – ihnen können wir helfen.

Was hat Sie als Miss Earth wütend gemacht?
Wenn jemand seine Umwelt mit Händen und Füssen tritt.

Wie sind Ihnen als Miss Earth die Menschen begegnet?
Manche haben den guten Zweck hinter der Wahl nicht gesehen. Doch in den meisten Fällen habe ich positive Rückmeldungen erhalten.

Wie zum Beispiel?
«Wow, Dich würde ich heiraten!» Denn damit gab mir die Person zu verstehen, dass ich nur gut aussehe, sondern dass ich auch jemand wäre, mit der man sein Leben verbringen könnte.

Kommenden Samstag werden Sie Ihre Krone an die Nachfolgerin abgeben. Wie geht es Ihnen dabei?
Ich gehe mit gemischten Gefühlen an die Wahl. Einerseits freue ich mich darauf, einer Kandidatin die Krone zu überreichen, denn nur so kann sich der gute Zweck, der hinter der Wahl steckt, auch weiter entwickeln. Jedes neue Gesicht hinterlässt schliesslich seine eigenen Spuren.

Andererseits ...
 ... werde ich wohl auch die eine oder andere Träne vergiessen.

Was möchten Sie Ihrer Nachfolgerin mit auf den Weg geben?
Sie soll ihren Mitmenschen mit einem grossen Herzen gegenüber treten und offen sowie freundlich sein – auch wenn ihr nicht immer danach ist.

Haben Sie denn selbst Momente erlebt, in denen Sie nicht mehr konnten?
Nach dem Weltfinale auf den Philippinen war ich sehr erschöpft. Das war eine sehr anstrengende Zeit.

Doch auch eine, an die Sie sich gerne erinnern.
Genau! Vor allem auch, weil ich Freundschaften aufbauen konnte. Meine Telefonrechnung ist deshalb dementsprechend hoch (lacht).

Was machen Sie für die Umwelt?
Da ich kein Auto habe, bin ich immer mit dem Zug unterwegs. Dann lösche ich das Licht, wenn ich es nicht mehr brauche. Ich versuche, nur drei bis vier Minuten zu duschen, die Wäsche in der Luft zu trocknen statt zu tumblern. Jeder soll für sich Beiträge finden, die er leisten kann. Umso mehr erschreckt es mich, welche Umwelttragödie sich mit der Ölpest derzeit am Golf von Mexiko abspielt.

Inwiefern?
Es dauerte so lange, bis endlich etwas unternommen wurde und bis die Verantwortlichen gemerkt haben, welch schlimmes Ausmass der Unfall annimmt. Das ist typisch Mensch: Wir nehmen, nehmen und nehmen und vergessen dabei, was morgen passieren könnte.

Apropos Zukunft: Wie sehen Ihre Pläne für die Zeit nach der Amtszeit aus?
Schmerzhaft. Ich muss in der Woche danach zum Zahnarzt und mir alle vier Weisheitszähne auf einmal ziehen lassen. Im Sommer möchte ich mir noch Ferien gönnen, bevor ich im Herbst mein Studium der Kommunikationswissenschaft beginne.

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