Viktor Giacobbo Interview: «Habe Drohungen erhalten»

Als Unterstützung zur Freilassung eines burmesischen Komikers wirbt Viktor Giacobbo, 59, per Videobotschaft und auf diversen Plakaten. Mit SI online sprach er über Satire, Werbung und Drohungen.
Viktor Giacobbo: «Werbung für kommerzielle Zwecke mache ich nicht.»
© RDB/Sobli/Adrian Bretscher Viktor Giacobbo: «Werbung für kommerzielle Zwecke mache ich nicht.»

SI online: Viktor Giacobbo, Sie sind aktuell in einem Werbespot und auf diversen Plakaten der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zu sehen.
Viktor Giacobbo: Als jahrelanger Unterstützer der Organisation war das naheliegend. Ausserdem habe ich meinen gewonnenen TELE-Preis 1996 auch Amnesty International gespendet. 

Zarganar, für den Sie sich einsetzen, ist ein Berufskollege von Ihnen. War das Ihre Motivation?
Ja, schon. Ich kann zum Glück auf die Meinungsfreiheit in der Schweiz zählen, leider geht es nicht allen so. Die Organisation hilft Gefangenen, die unter dubiosen Umständen im Knast landeten, frei zu kommen oder unter besseren Bedingungen zu leben. Das unterstütze ich gerne.

Aber ...
... damit ich als Satiremacher unabhängig bleibe, mache ich in der Regel keine Werbung. Für Amnesty International habe ich eine Ausnahme gemacht. Zarganar geht durch die Hölle, weil er etwas getan hat, was bei uns in der Schweiz alltäglich ist.

Welchen Organisationen würden Sie sonst noch Ihr Gesicht «leihen»?
Werbung mache ich nur für einzelne kulturelle oder karitative Zwecke, die überblickbar sind und ich weiss, wohin das Geld fliesst. Beispielsweise habe ich mich auch schon für tiergerechte Haltung eingesetzt.

Wie waren die Reaktionen auf «Free Giacobbo» bis anhin?
Überwältigend! Auf Twitter, Facebook oder per Mail haben wir viele positive Reaktionen erhalten. Zudem haben schon mehrere tausend Leute die Petition unterschrieben - das freut mich.

Wo sind Ihre persönlichen Grenzen als Satiriker?
Ich achte stets darauf, wohin die Satire zielt. Beispielsweise will ich nie jemanden treffen, der keine öffentliche Person ist. 

Warum, solange es nicht persönlichkeitsverletzend ist, ist es doch legal?
Aber ich möchte keine Person ins Scheinwerferlicht zerren, die sich nicht schon dort befindet. Öffentliche Personen teilen selbst oft aus, so müssen sie umgekehrt auch einstecken - so wie ich. 

Hatten Sie denn auch schon negative Erfahrungen mit Ihren Witzen machen müssen?
Klar, das ist normal. Jede öffentliche Person erhält negative Kritik. Doch über die muss man hinwegsehen. Ich habe Drohungen per Mail oder Telefon erhalten, doch im Vergleich zu Zarganars Schicksal ist das alles harmlos.

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