Interview mit Doris Leuthard am WEF «Präsident Trump ist auf seine eigenen Themen fokussiert»

Bundesrätin Doris Leuthard, 54, hat Donald Trump, 71, bereits persönlich getroffen. Zwischen ihren zahlreichen Terminen am Weltwirtschaftsforum in Davos hat sie mit uns über ihren Eindruck vom US-Präsidenten und über das bevorstehende Treffen des Bundesrats mit ihm gesprochen.
Bundesrätin Doris Leuthard am WEF 2018 in Davos
© Pascal Mora

Bundesrätin Doris Leuthard beim «Handshake» mit einem Roboter der ETH im Pavillon der ETH anlässlich des WEF in Davos.

Frau Bundesrätin, mit Donald Trump kommt ein Präsident nach Davos, der den Klimawandel leugnet. Was sagen Sie als Umweltministerin dazu?
Er wird die Plattform nutzen, um sich zu erklären. Ich glaube aber nicht, dass er über das Klima reden wird, sondern über seine Wirtschaftspolitik «America First».

Was haben Sie für einen Eindruck von Trump?
Ich hatte das Vergnügen, mit ihm im September in New York Mittag zu essen. Das war, nachdem er den Nordkoreanern gedroht und den Atomdeal mit Iran kritisiert hatte.

Und dann haben Sie ihm bei Tisch ins Gewissen geredet?
Präsident Trump hört einem schon interessiert zu. Aber er ist auf seine eigenen Themen fokussiert.

Sie werden am Freitag beim offiziellen Treffen nicht dabei sein. Ärgert Sie das?
Nein, ich konnte mich mit ihm ja bereits in New York länger treffen. So habe ich schon einen Eindruck von ihm erhalten, das ist für mich gut so.

Bundesrätin Doris Leuthard mit SI-Redaktor Onur Ogul
© Pascal Mora

Bundesrätin Doris Leuthard im Gespräch mit SI-Redaktor und Blattmacher Online Onur Ogul.

Was wird Bundespräsident Alain Berset mit Trump besprechen?
Hauptsächlich Wirtschaftsthemen. Wir müssen schauen, dass die Amerikaner uns weiterhin gut behandeln. Die Schweiz ist immerhin der fünftwichtigste Investor in den USA. Es ist wichtig, dass unsere Unternehmen nirgendwo abgestraft werden und den guten Zugang zum amerikanischen Markt behalten.

Das Motto vom WEF ist «Gemeinsame Zukunft in einer zerbrochenen Welt». Wird der Bundesrat soziale Themen ansprechen?
Worüber wir mit Amerika immer wieder sprechen, ist die direkte Demokratie, die Schaffung von Arbeitsplätzen und unser duales Bildungssystem. Präsident Trump hat versprochen, Jobs zu schaffen. Das gelingt ihm momentan recht gut. Um die Migrationspolitik wird es beim Treffen mit dem Bundesrat wohl weniger gehen. Da hat Trump eine harte Linie.

Man spricht es nicht an, weil er eine harte Linie hat?
Nicht deswegen, aber in einem 20-minütigen Gespräch muss man sich auf ein paar Themen konzentrieren. Ausserdem verfolgt jedes Land seine Migrationspolitik recht eigenständig. Präsident Trump mischt sich ja auch nicht in unsere Innenpolitik ein.

Sie haben ihren baldigen Rücktritt angekündigt. Man munkelt, Sie könnten dereinst die Führung des WEF übernehmen.
Das habe ich auch schon gehört (lacht). Ich bin immer noch Bundesrätin und mache meinen Job gerne. Solange ich nicht zurückgetreten bin, kümmere ich mich nicht konkret um meine Zeit danach.

Worauf freuen Sie sich am WEF immer am meisten?
Ich treffe jedes Jahr wieder bekannte Gesichter. Dank dem WEF kann ich viele Beziehungen aufrechterhalten und mich umhören, was in der Wirtschaft läuft. Das ist sehr inspirierend. Als Bundesrätin ist es wichtig zu spüren, wie rasch der Staat auf welche Innovationen reagieren muss.

Ihr persönliches Highlight hier in Davos?
Ich freue mich besonders auf die Treffen mit Vertretern aus Argentinien, das ich 2017 besucht habe. Eine Errungenschaft aus dieser Beziehung ist ein neuer Direktflug Zürich-Buenos Aires und eine Absichtserklärung zur Stärkung der bilateralen Beziehungen im Eisenbahnbereich. Diese kann ich hier in Davos unterschreiben.

 
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