Das persönliche Interview mit Milo Moiré «Das Hintergrundbild des Handys ist meine Vagina»

Eine zögerliche Person und ein Spätzünder – so bezeichnet sich die Schweizer Nacktkünstlerin Milo Moiré. Dabei zieht sich die 34-Jährige beruflich wie auch privat oft aus – zuletzt als Teilnehmerin in der Reality-Show «Promi Big Brother».
Milo Moiré Promi Big Brother
© Getty Images

Im TV-Format «Promi Big Brother» belegte Milo Moiré den zweiten Rang.

Milo Moiré, was für ein Hintergrundbild hat Ihr Smartphone?
(Lacht.) Meine Vagina. Viele sind geschockt, wenn sie die Uhrzeit checken wollen. Es ist aber ein ästhetisches Bild. Sieht aus wie eine Frucht.

Und was für eine Frucht wären Sie?
Eine wild wachsende mit vielen Stacheln. Man muss sich anstrengen, bis man ins Innere kommt. Das Fruchtfleisch ist verboten süss.

Welches Gemüse sollte verboten werden?
Keines. Mich stört nur, wenn Leute Tomaten auf den Augen haben.

In «Promi Big Brother» sind Sie gerade Zweite geworden. Haben Sie dort Ihr Inneres gezeigt?
Da war ich nur mit mir selbst konfrontiert und wurde kreativ. Ich erkannte, dass ich nicht viel brauche, um zufrieden zu sein. Im «Nichts»-Bereich, ohne Ablenkung und mit einem Minimum an Essen, fühlte ich mich zu Hause. Emotional bewegte sich viel in mir. Ich kann nicht genau beschreiben, was das ist. «Big Brother» war eine Extremsituation. Man weiss nicht, wie der Mensch reagiert. Das ist die Parallele zu meiner Kunst, die mich und andere auch in diese Situationen bringt. Deshalb zog mich die Sendung an.

Sind Sie also als eine andere aus dem Haus herausgekommen?
Ich habe ein geschärftes Bild von mir selbst. Ich bekam Anerkennung für das, wie ich bin, und für meine Ehrlichkeit. Die Zuschauer haben durch die Sendung den Menschen hinter der Kunst kennengelernt. Ich bekomme nun mehr Verständnis von Frauen.

Sterben ist ein Tabuthema, wie auch die Sexualität

Als Sie Kind waren, was haben Ihre Eltern Ihnen da immer gesagt?
«Du schaffst das. Mach weiter.» Sie haben mich immer ermutigt.

Wie hätten Sie als Bub geheissen?
Patrick.

Und Ihr Spitzname?
Einer war Sportskanone, weil ich mit den Jungs Fussball, Tennis und Basketball spielte. Der andere war gemein: Giraffe. Ich war extrem gross und schlank.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Schulschatz?
Er hiess Walter. Mit ihm hatte ich meinen ersten Kuss. Er war noch zu kindisch und nicht so lieb, wie ich erhofft hatte. Nach einer Woche war alles vorbei.

Wie sah Ihr Zimmer mit 16 aus?
Ich war verträumt und kindlich. Ein Spätzünder. Ich trug Micky-Maus-Pullover und hatte Plakate von Boygroups an den Wänden.

Sie dürfen Ihren Wohnort neu designen: Wie würde er aussehen?
Wie das stylische, kreative London, dazu die zuverlässige, gewissenhafte Schweiz und das romantische, aufgeschlossene Paris. Kulinarisch gäbe es italienische Küche. Und ich wünsche mir das Meer und die wilden Strände von Mauritius.

Wann haben Sie zuletzt etwas Selbstgebasteltes geschenkt?
Mein Freund Peter bekam eine Zeichnung.

Wo am Körper tuts Ihnen weh?
Nirgends. Er ist robust. Vielleicht ist mein Herz meine Schwachstelle. Ich bin sensibel.

Milo Moiré Promi Big Brother
© Keystone
Die Luzerner Künstlerin Milo Moiré provoziert mit ihren nackten Auftritten und radikalen Statements.

Welche Musik soll an Ihrer Beerdigung gespielt werden?
«I Don’t Want to Miss a Thing» von Aerosmith. Der Song ist episch, sehnsüchtig und liebeserfüllt. Ein schöner Abschluss.

Können Sie sich vorstellen, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen?
Ja. Sterben ist ein Tabuthema, wie auch die Sexualität. Wir müssen offener darüber reden. Jeder Mensch sollte frei entscheiden dürfen, wann er gehen will.

Über welche Ihrer Ansichten wird man nach Ihrem Tod reden?
Mir liegen drei Themen am Herzen: die Selbstbestimmung der Frau, ihre eigene sexuelle Stimme und die Freiheit als höchstes Gut.

Ich bin manchmal zögerlich und brauche länger als andere

Welchen Wunsch haben Sie endgültig begraben?
Allen gefallen zu wollen. Seitdem lebt es sich leichter.

Die bisher beste Idee Ihres Lebens?
Statt als Psychologin zu arbeiten, Kunst zu machen. So lebe ich meinen Traum.

Und Ihre dümmste Idee?
Schwierig. Ich bin immer davongekommen, habe nie etwas stark bereut. Aus meinen Fehlern lerne ich. Deshalb bin ich meinen Dummheiten gegenüber eher positiv eingestellt.

Was würden Sie Ihren Kindern vererben wollen und was nicht?
Sie sollen mutig sein und auf ihre innere Stimme hören. Ich bin manchmal zögerlich und brauche länger als andere. Das nervt. Ich kann eine Schnecke sein.

Welche Pille gehört erfunden?
Eine, die die Menschen genauer hinschauen lässt. Gegen Oberflächlichkeit und für tieferes Verständnis.

Falls Ihr Leben verfilmt wird, wer soll Sie verkörpern?
Scarlett Johansson. Sie wirkt auf mich sensibel, sinnlich, nachdenklich. Wir haben beide eine Melancholie in den Augen. Und sie ist weiblich, stark und sexy.

Der beste Rat, den Sie je bekamen?
«Denk an die Dinge, die du gut geschafft hast und die dich besonders machen, wenn du an dir zweifelst.» Das schenkt mir Kraft.

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