Jastina Doreen Riederer So tickt die neue Miss Schweiz

Mit Jastina Doreen Riederer hat die Schweiz endlich wieder eine Miss gefunden. Was ihr den Namen «Rapunzel» einbrachte, wieso sie keinen Kontakt mehr zu ihrem Vater hat, und weshalb es Zweifel gibt, ob sie die richtige Wahl war.

Ein Umschlag mit einem Zettel, worauf ein Name steht. Wenig reicht aus, um das Leben einer 19-Jährigen schlagartig zu verändern. Eine Jury aus Prominenten und Fernsehzuschauern hat Jastina Doreen Riederer am Samstagabend zur neuen Miss Schweiz gewählt.

Die Krone ist für die zierliche Italo-Schweizerin ein bisschen zu gross. Immer wieder muss Riederer sie zurechtrücken, während eine Horde Journalisten die junge Frau mit Fragen löchert. Die dunkelhaarige Schönheitskönigin bringt zunächst nicht viel mehr heraus, als: «Ich kann es kaum glauben.» Auch sonst sind ihre Antworten vor lauter Emotionen kurz, einfach, aber herzlich.

 

Model schon als Fünfjährige

Betrachtet man Riederers Lebenslauf, dann überrascht die Wahl nicht wirklich. So bewegt sich die Detailhandelsfachfrau aus Spreitenbach AG schon von Kindesbeinen an im Modelbusiness. Als sie fünf Jahre alt war, entdeckte man sie per Zufall bei einem Shooting ihres 15 Jahre älteren Bruders Tommy. Der Beau war 2009 Kandidat bei der Mister-Zürich-Wahl, ging aber leer aus. Fest steht aber: Die Familie Riederer ist in Sachen Schönheit ein selbstbewusster Clan.

Mehrmals schon lief Jastina Doreen Riederer an der Modeschau der «Monday Night» von Süssigkeitenhersteller Lambertz in Köln. Seite an Seite mit Kolleginnen, die sich bei «Germany’s Next Topmodel» einen Namen machten, zeigte die Schweizerin ausgefallene Outfits. Riederers Ziel: Dereinst bei «Victoria’s Secret» mitzulaufen.

Jastina Doreen Riederer MIss Schweiz 2018
© Keystone

Laufen kann sie. Jastina Doreen Riederer im Catwalk-Test.

Vom gemobbten Mädchen zur selbstbewussten Dame

Schönheit stellt für die Spreitenbacherin aber auch eine Bürde dar. Im Vorfeld der Miss-Schweiz-Wahl erzählte sie in Interviews, dass sie früher wegen ihres Aussehens gemobbt worden sei. «Meine Mitschüler haben natürlich mitbekommen, dass ich modle, und haben mich abgestempelt», sagte sie in einem Interview mit dem «Badener Tagblatt». «Ich konnte mich damals noch nicht wehren. Doch im Nachhinein kann ich sagen, es hat mich stärker gemacht.»

Jastina Doreen Riederer
© ZVG

Jastina noch als ganz kleines Mädchen.

Heute zeigt sich Jastina Doreen gerne selbstbewusst: Als ihr Schweizer Modelagenturen zu Jobangeboten die Bedingung stellten, sie müsse ihre 88 Zentimeter langen Haare kürzen, habe sie nur abgewinkt. «Absurd. Kein anderes Model trägt die Haare so lang wie ich», sagte sie dem «Blick». «Ich habe abgesagt.» Die Mähne brachte Riederer den Ruf als «Rapunzel»-Model ein. Einen Prinzen gibts übrigens nicht. Die Brünette ist Single.

Die Familie Riederer ist zerrüttet

Riederers Mutter Teresa kümmert sich um die Haarpracht iher Tochter. Sie pflegt sie mit Avocado- und Bananen-Ölpackungen und schneidet sie jedes halbe Jahr drei bis vier Zentimeter. Mehr erlaubt der Sprössling nicht.

Miss Schweiz 2018
© David Biedert

Die Familie Riederer ist mächtig stolz auf Jastina Doreen (m.). Ihre Nichte Julissa (v. l.), 9, Schwägerin Jocelyne, Bruder Tommy, 34, Mutter Teresa, 56, und das Grosi Dorothea kamen alle in die Trafohalle in Baden AG.

Der Papa spielt im Leben der neuen Miss Schweiz keine Rolle. «Mit meinem Vater habe ich keinen Kontakt mehr», sagt die 19-Jährige. Vor einem Jahr musste sie die Trennung ihrer Eltern miterleben. Eins der schlimmsten Ereignisse ihres Lebens, wie sie dem «Blick» verriet. Die Missen-Krone kommt laut ihrem Mami wie gerufen: «Dieser Sieg ist jetzt Balsam für die Seele nach dem Stress, den wir durchgemacht haben.» Was genau hinter dem Familiendrama steckt, bleibt offen.

Ist die neue Miss zu glatt?

Nun darf sich Jastina Doreen Riederer auf ein spannendes Jahr freuen. Missen-Jurorin und Teleclub-Moderatorin Claudia Lässser, 41, ist zuversichtlich: «Jastina hat einfach das Missen-Format. Sie ist affin für Social Media, sieht gut aus, hat einen tollen Body, macht einen coolen Catwalk und hat das nötige Charisma.»

Doch was ist mit den vielbeschworenen inneren Qualitäten, die eine moderne Miss mit sich bringen soll? Auf die Frage, was sie von der Kritik hält, Miss-Schweiz-Wahlen seien unter dem Aspekt der Geschlechtergleichstellung nicht mehr zeitgemäss, weiss die Schönheitskönigin nichts zu sagen: «Dazu habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.» Wohl deshalb ist SRF-Moderatorin Annina Frey, 37, ein wenig kritischer als ihre Jury-Kollegin Claudia Lässer. Frey stehe zwar hinter der Wahl von Riederer. Doch sie bemängelt explizit «fehlende Ecken und Kanten». Die 19-jährige sei noch «sehr ruhig und brav».

Das Glas Nutella unter ihrem Bett

Bis sich Riederer ein unverwechselbares Profil zulegt, das über ihre vollen Lippen, die Rehaugen und den zierlichen 170 Zentimeter langen Körper hinausgeht, holt sie Punkte mit ihrer gewinnend sympathischen Art. In der Wahlshow sorgte sie für Lacher, als sie verriet, dass sich unter ihrem Bett ein Glas Nutella befinde. Die Miss Schweiz erwähnt zudem häufig, wie wichtig ihr die Familie sei. Und auch die Offenheit über den abgebrochenen Kontakt zum Vater macht sie nahbar.

Dass es die Aargauerin mit dem Missen-Amt ernst meint, beweist sie mit einer kurz überlegten, aber doch deutlichen Aussage direkt nach ihrer Krönung: Riederer hat ihren Job als Detailhandelsfachfrau bereits gekündigt.

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