Präsident von Jodlerklub Wiesenberg zum Nummer-eins-Hit «Ein neues Lied muss reifen wie ein guter Käse»

Der Jodlerklub Wiesenberg stürmt mit «Land ob de Wolke» erneut die Schweizer Hitparade. Im Interview mit SI online spricht Club-Präsident Thomas Gisler über den jüngsten Erfolg und warum ihnen «Ewigi Liebi» noch nicht verleidet ist.
Thomas Gisler
© ho

Präsident Thomas Gisler, 45: «Wenn wir gemeinsam jodeln, fühle ich mich frei.»

Herr Gisler, kaum raus, erobert «Land ob de Wolke» gleich die Schweizer Hitparade. Herzliche Gratulation! Haben Sie mit Platz 1 gerechnet?
Nein, damit haben wir überhaupt nicht gerechnet! Wir stecken mitten in der Sommerpause und haben uns noch gar nicht gesehen. Ich bin mir gar nicht sicher, ob das schon bei allen durchgesickert ist...

Die Vorgänger-Hits waren allesamt Cover-Versionen. Woher kommt die Inspiration für diesen Hit jetzt?
Das Lied stammt aus der Feder des Komponisten Jack Säuberli. Den Anstoss gab Walter Fölmli von der Phonoplay AG, der unsere Alben produziert. Er machte uns mit Säuberli bekannt. 

Es ist bereits der vierte Hit in Folge. Gibts ein Erfolgsrezept?
Wir haben zwei, drei Mitglieder, die offenbar einen guten Riecher für geeignete Cover-Lieder haben. Am Anfang hat aber auch der Zufall kräftig mitgewirkt. «Ewigi Liebi» haben wir ursprünglich bloss für die Hochzeit unseres früheren Club-Präsidenten einstudiert.

Was schliesslich zu Francine Jordi führte...
Genau. Aufgrund des Erfolgs von «Ewigi Liebi» bekamen wir 2009 von SRF eine Anfrage für die Teilnahme zum «Grand Prix der Volksmusik». Das führte zur Zusammenarbeit mit Jordi und zum Sieg bei «Die grössten Schweizer Hits» mit «Das Feyr vo dr Sehnsucht».

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© Ennio Leanza/Keystone

«Das Feyr vo dr Sehnsucht» mit Francine Jordi ist 2009 Sieger bei «Die grössten Schweizer Hits».

Jodlerklubs gibt es viele. Was macht die Wiesenberger so erfolgreich?
Nun gut, Erfolg entwickelt ab einem bestimmten Punkt eine gewisse Eigendynamik. Vielleicht mag man uns aber auch, weil wir bodenständige und urchige Sieche sind (lacht). Wir täuschen nichts vor. Unsere Freude ist echt. Wir singen aus dem Herzen heraus und leben Kameradschaft. Ich glaube, das spürt unser Publikum.

Wir müssen uns das Lied richtig einverleiben. Es muss ins Gehör und ins Fleisch. Das braucht Zeit.

«Ewigi Liebi» singt ihr seit über elf Jahren. Ist euch das Lied noch nicht verleidet?
Ab und zu legen wir eine Pause ein. Das tut gut. Wenn wir das Lied dann wieder hervorholen, singen wir es so gern wie am ersten Tag.

Wie packen Sie ein neues Stück an?
Ein neues Lied muss reifen wie ein guter Käse. Wir müssen uns das Lied richtig einverleiben. Es muss ins Gehör und ins Fleisch. Das braucht Zeit.

Lieder werden also mit der Zeit würziger?
Bis es unser Lied, ein Lied der Wiesenberger ist, ja.

Was bedeutet jodeln für Sie persönlich?
Es ist reine Freude. Wenn wir gemeinsam jodeln, fühle ich mich frei und ich kann perfekt vom Alltag abschalten. Das Schönste aber ist die Kameradschaft.

Pflegen Sie ein Ritual vor den Auftritten?
Ein Ritual nicht. Als Vorjodler gehe ich gewisse Passagen im Vorfeld alleine durch. Ansonsten halten wir uns an die Anweisungen unserer Dirigenten.

Und die wären?
In den Bauch atmen und den Berg sehen (lacht). Unsere Dirigenten sagen immer: Ihr müsst die Dinge, von denen ihr singt, sehen und fühlen.

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