Rücktritt nach acht Jahren im Bundesrat Schneider-Ammann: «Ich will aktiver Grossvater werden»

Um Punkt 10.45 Uhr ist Johann Schneider-Ammann in Bern vor die Medien getreten. In seiner Rücktrittsrede nahm er Bezug auf die Spekulationen um seine angeschlagene Gesundheit und verriet, warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist, sein Amt niederzulegen.
Johann Schneider-Ammann Medienkonferenz zu seinem Rücktritt als Bundesrat 25.09.2018 Bern
© Keystone

Nach acht Jahren im Bundesrat hat Johann Schneider-Ammann genug: Der FDPler tritt auf Ende Jahr zurück.

Acht Jahre lang hat Johann Schneider Ammann mit seiner authentischen, ehrlichen und ein bisschen selbstironischen Art den Bundesrat geprägt. Jetzt hat der Wirtschaftsminister genug: Heute Dienstagmorgen gab er in einem Schreiben seinen Rücktritt bekannt.

«Wie geht es mir? - Ich bin wach»

Rund eineinhalb Stunden nachdem Nationalratspräsident Dominique de Buman (CVP) die Nachricht im Rat verkündet hatte, ist Schneider-Ammann in Bern vor die Medien getreten. Der scheidende Bundesrat eröffnete die Konferenz mit den selbstironischen Worten «Wie geht es mir? - Es geht mir gut, ich bin wach».

Damit nahm er Bezug auf die Spekulationen der vergangenen Monate. Aufmerksamen Beobachtern war aufgefallen, dass der Bundesrat in letzter Zeit häufig müde wirkte. Auch im Parlament tuschelte man über Schneider-Ammanns angeschlagene Gesundheit.

Schneider-Ammans Rücktritt erfolgt aus anderen Gründen, stellt er klar: «Ich werde 67 Jahre alt. Da ist es glaube ich zulässig, dass man sich etwas zurücknimmt.» Er gehe leichteren Herzens vom Posten weg, weil die Schweiz soweit gut dastehe, so Schneider-Ammann. «Wir sind heute wirtschaftlich stark unterwegs, wir sind dynamisch unterwegs. Wir sind rund um den Globus anerkannt, als eines der innovativsten Länder. Man beneidet uns um unsere Situation.»

Er habe sich von Anfang an vorgenommen, spätestens nach acht Jahren aufzuhören – auch wenn es noch politische Baustellen gebe. Nun trete er ein Jahr vor dem Ende der Legislatur 2019 zurück, so der FDP-Politiker.

«Ich will jetzt aktiver Grossvater werden»

Nach dem 31. Dezember 2018 hat seine Familie Priorität. «Ich will jetzt aktiver Grossvater werden», so Schneider-Ammann. Womöglich werde er auch «die eine oder andere unternehmerische Tätigkeit» wieder aufnehmen. Das werde sich weisen.

Bis er sein Mandat beendet, bleiben noch drei Monate. Diese Zeit will der Bundesrat nutzen, um das eine oder andere Geschäft voranzutreiben: «Es kommen noch drei Monate Intensivstarbeit auf mich zu.»

In seiner Rede brachte der Unternehmer auch seine Leidenschaft für den Bundesrat zum Ausdruck. Vor vier Jahren habe er so viel Freude an seinem Amt und der Arbeit im Bundesrat gehabt, dass er für eine weitere Amtszeit kandidiert habe.

Die Medienkonferenz wurde vorgezogen

Eigentlich wollte Schneider-Ammann seinen Rücktritt erst am kommenden Freitag verkünden. Weil die Medien aber bereits davon Wind bekommen hätten, habe er sich für heute entschieden. Mit den Worten «Es ist jetzt so weit» und Danksagungen an seine Bundesratskollegen und Mitarbeitenden schloss er seine Rücktrittsrede ab.

Kein Kommentar zu seiner Nachfolge

Zu möglichen Nachfolgern wollte er sich nicht äussern. Auch nicht dazu, ob er sich eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger wünscht. Als Kronkandidatin wird Karin Keller-Sutter gehandelt. Das grosse Porträt über die FDP-Politikerin lesen Sie hier >> 

Bildergalerie: Johann Schneider-Ammann — sein Präsidialjahr in Bildern 


 

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