Der Mountainbike-Star ganz privat Jolanda Neff: «Ich hatte viele dumme Ideen»

In Lenzerheide GR hat es für den Mountainbike-Weltmeistertitel dieses Mal nicht gereicht. Stattdessen schaffte es Jolanda Neff am Wochenende lediglich auf den vierten Platz. Im Interview mit «Schweizer Illustrierte» verriet die 25-Jährige dafür, was sie ihren Kindern eines Tages vererben möchte und warum sie sich gern mit einer Ananas vergleicht. 
Jolanda Neff 2018
© Gian Marco Castelberg

Jolanda Neff startet diesen Samstag an der Mountainbike-WM in Lenzerheide GR.

Jolanda Neff, haben Sie ein schlechtes Gewissen, wenn Sie den Teller nicht leer essen? 
Nein, ich habe eher ein schlechtes Gewissen, wenn ich ihn leer esse (lacht). 

Welche Frucht wären Sie? 
Die Banane ist meine absolute Lieblingsfrucht. Davon esse ich jeden Tag mindestens zwei oder drei. Mit einer Banane macht man mich immer glücklich. Wäre ich aber eine Frucht, es wäre eine Ananas. Es gibt da einen witzigen Spruch: Sei wie eine Ananas; trage eine Krone, und sei innen ganz süss! (Lacht.)

Als Sie 16 Jahre alt waren, wie sah da Ihr Zimmer aus? 
Da hatte ich gerade zum ersten Mal ein eigenes Zimmer, vorher teilte ich es mit meiner Schwester. Das war ein unglaubliches Highlight, sonst aber nicht speziell. 

Jolanda Neff auf dem Mountainbike
© HO

Mit dem Biken anzufangen, war die beste Idee ihres Lebens.

Sie dürfen Ihren Wohnort neu designen: Aus welchen Städten, Dörfern und Landschaften setzen Sie ihn zusammen?
Ganz ehrlich: Mir gefällt es am allerbesten da, wo ich wohne. Ganz oft laufe ich bei uns in Thal SG auf dem Buechberg vorbei, und wenn ich da nach unten schaue, denke ich: Wow, es ist so schön hier.

Doktorandin werde ich wohl nie

Welchen Wunsch haben Sie endgültig begraben? 
Doktorandin werde ich wohl nie. 

Wann haben Sie zuletzt etwas Selbstgebasteltes geschenkt? 
Kürzlich hatte der Marketingchef meines Sponsors Cornèrcard Geburtstag, und ich bastelte ihm ein Briefchen mit einem Glücksbringer.

Jolanda Neff
© Getty Images

Diesen Sommer wird Jolanda Neff im Trikot der Weltmeisterin auch Europameisterin und gewinnt den Gesamtweltcup.

Welche Musik soll an Ihrer Beerdigung gespielt werden?
Ach, das bekomme ich dann ja nicht mehr mit, das muss den anderen gefallen. Also sollen die wählen.

Über welche Tat oder Aussage von Ihnen wird man noch lange nach Ihrem Ableben reden? 
Ich hoffe, dass man mich als faire Sportlerin in Erinnerung behält, die einstand für die Werte, die ihr am Herzen liegen: Fairness und dass man zuerst etwas leisten muss, bevor etwas zurückkommt. 

Die beste und die dümmste Idee Ihres Lebens? 
Also, dumme Ideen gab es ganz viele. Aber damit kann ich gut leben, denn so lerne ich es selber, dass es eine dumme Idee war. Es ist immer etwas anderes, wenn es dir jemand anders sagt. Und die beste? Velo fahren. Die habe ich aber meinen Eltern zu verdanken. 

Jolanda Neff mit Mutter Sonja und Vater Markus
© Bernard van Dierendonck

Velo-Familie: Jolanda Neff mit ihrer Mutter Sonja und Vater Markus, der auch ihr Trainer ist.

Was würden Sie Ihren Kindern mit auf den Weg geben wollen?
Die Unpünktlichkeit will ich ihnen auf keinen Fall vererben! Dafür die Fröhlichkeit. 

Angenommen, der liebe Gott würde Sie neu erschaffen: Mit den Eigenschaften welcher Berühmtheiten soll er Sie ausstatten? 
Ich bin eigentlich mit dem grossen Ganzen sehr zufrieden, da muss ich dem lieben Gott Danke sagen. Man findet immer etwas, von dem man denkt, es könnte noch besser sein. Aber viel davon kann man auch selber beeinflussen. Natürlich wirst du als Blauäugige nie braune Augen haben, aber ganz viele Eigenschaften kann man verändern oder sich in diese Richtung bewegen, wenn man wirklich will. 

Welches Buch hat Ihr Leben beeinflusst?
Alle von Astrid Lindgren. Das sind wunderbare Bücher.

Alles wird elektronisch, das ist ein brutaler Wandel

Was wird man in hundert Jahren über die aktuelle Epoche sagen?
Man wird vom Internet-Zeitalter sprechen. Alles wird elektronisch, das ist ein brutaler Wandel. Und momentan lässt sich noch gar nicht abschätzen, wie krass tiefgreifend dieser für die ganze Menschheit sein wird. Ich glaube, da werden noch riesige Veränderungen auf uns zukommen. Wie damals, als der Strom erfunden wurde oder die Eisenbahn.

Welche Pille gehört erfunden? 
Eine, mit der man sich von einem Ort zum andern beamen kann. 

Jolanda Neff 2018
© Gian Marco Castelberg

Jolanda Neff ist ein grosser Fan von Autorin Astrid Lindgren.

Wie lautet Ihr Spitzname? 
Ich habe unzählige. Lustigerweise verpasst mir jeder einen eigenen Spitznamen, es gibt keinen, der sich durchgesetzt hat. Im Team nennen sie mich Jolo. Eher weniger sagen mir Joli. Manchmal einfach Neff. Die TV-Kommentatoren erfinden immer wieder was Neues. Manche sagen Joline. 

Falls Ihr Leben verfilmt wird, welche Schauspielerin soll die Hauptrolle spielen?
Wenn ich schon wählen kann: Angelina Jolie (lacht).

Ich versuche, mein Auto nur zu brauchen, wenn es wirklich nötig ist

Was in Ihrem Alltag müssten Sie aus ökologischer Sicht dringend verändern? 
Ich habe das Gefühl, ich lebe recht ökologisch. Es gibt sicher Dinge, die ich ändern könnte – aber nur sehr schwierig. Zum Beispiel, wenn ich für die WM nach Australien fliegen muss. Dann ist es nötig, aber vom Fussabdruck her sicher nicht ideal. 

Bei wie viel Franken pro Liter Benzin wäre für Sie die Schmerzgrenze erreicht? 
Ich versuche, mein Auto nur zu brauchen, wenn es wirklich nötig ist. Und dann zahle ich halt den Preis, den es kostet. 

Der beste Ratschlag, den Sie je bekommen haben? 
Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. 

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