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Kutti MC spielt heute als Autor mit Worten

Jürg Halter erwacht mit seinem neuen Roman zum Leben

Als Slam-Poet war er ein Dichter, als Kutti MC der Mundart-Rapper. Jetzt gibts was Neues von Jürg Halter. Der Berner hat seinen ersten Roman geschrieben - in dem er sich um die Menschheit sorgt.

Jürg Halter

Inspiration: Über der Aare und mit Blick auf die Berner Altstadt hängt der Schriftsteller Jürg Halter seinen Gedanken nach.

Geri Born

Jürg Halter, 38, ist seit je ein Mann der Worte. Schon als Slam-Poet dichtet er als Zwanzigjähriger auf Bühnen in Leipzig und Berlin, Durban und Chicago. Für seinen Gedichtband «Ich habe die Welt berührt» erhält er 2005 den Buchpreis des Kantons Bern. Und weil der Berner, wie er sagt, «immer wieder Lust auf Neues» verspürt, schafft er die Kunstfigur Kutti MC, die ab 2000 die Rap-Szene aufmischt – und provoziert. 2015 überkommt Halter dann erneut die Lust auf Neues. Er hängt Kutti, der mit Stephan Eicher und Züri West zusammenarbeitete, an den Nagel – und lässt eine ganze Zeit lang erst mal nichts mehr von sich hören.

Halter erwacht zum Leben

Jetzt meldet sich Halter wieder zu Wort – mit seinem ersten Roman: «Erwachen im 21. Jahrhundert». Hauptfigur: Kaspar, ein an sich und der Welt zweifelnder Schriftsteller. Thema: die gegenwärtige Menschheit und die Digitalisierung. So wie Romanfigur Kaspar beunruhigt es auch Jürg, «was um uns herum zurzeit passiert». Dabei spielt er auf den Rechtspopulismus an, nicht nur in Europa. Im SRF-Literaturclub lobt Kritikerin Elke Heidenreich Halters Debüt mit den Worten: «Es ist ein Versuch, sich mit der Welt, in der wir leben, auseinanderzusetzen, ihr etwas entgegenzusetzen. Dass Halter das kann, das ist grosse Kunst.»

Jürg Halter

Atelier-Partner: Während Schriftsteller Jürg Halter an Sätzen feilt, stöbert Vater Martin im Atelier im Berner Altenbergquartier nach passenden Glasfarben. 

Geri Born

Kritisch setzt er sich mit dem Thema Überwachung auseinander. Dass er selbst äusserst aktiv auf Facebook ist, sieht er nicht als Widerspruch. «Ich agiere mit dieser Plattform, um so viele Leute wie möglich zu erreichen», sagt er, betont aber, dass er nur als Künstler das soziale Netzwerk nutze, als Privatperson dagegen überhaupt nicht. Sowieso: Halter ist das Gegenteil eines digitalen Nerds. Seine Texte tippt er zwar in seinen Mac, ein Smartphone aber nimmt er nicht zur Hand. «Ich habe keines, und ich brauche keines.»

Künstlerfamilie Halter

Das Künstler-Gen ist dem Schriftsteller in die Wiege gelegt worden. Sein Vater, Martin Halter, 70, ist Glasmaler. Einer der wenigen, die diese Handwerkskunst in der Schweiz noch ausüben. Der Familienbetrieb besteht in dritter Generation. Dass sein Sohn Jürg lieber mit Worten als mit Glas arbeitet, damit hat sich der Vater längst abgefunden. «Er hat mich auch nie gedrängt», sagt der Junior. Die Eltern sind stolz auf ihren Sohn, sitzen nicht selten in seinen Lesungen.

Jürg Halter

Künstler-Duo: Während Vater Martin Halter als Glasmaler in dritter Generation tätig ist, hat sich Sohn Jürg längst als Wortkünstler etabliert.

Geri Born

Vier Jahre dauerte es vom ersten Satz bis zum fertigen Roman. «Wobei ich zwischendurch anderes getan habe», wie er versichert. Beispielsweise ein Theaterstück geschrieben. Ausserdem entert er immer wieder als Improvisationskünstler die Bühnen. «Ich stehe eine Stunde im Rampenlicht und erfinde Geschichten – ganz ohne Plan.» Dann spielt er mit Worten. Ganz Künstler. Jürg Halter – er ist und bleibt ein Mann der Worte. Egal, ob als Slam-Poet, Rapper oder Schriftsteller. 

Von René Haenig am 12.12.2018