Julia Flückiger «Auf Kuba ist Tanzen die normalste Sache der Welt»

Sie war rastlos und auf der Suche nach einem geeigneten Hilfsprojekt. Das hat Vize-Miss-Schweiz Julia Flückiger nun auf Kuba gefunden. Für das Kinderhilfswerk Camaquito tauschte das Model seine Treter gegen Spitzenschuhe und trainierte gemeinsam mit Kindern. 

Die Chemie zwischen ihr und Mark Kuster hätte einfach von Anfang an gestimmt, erzählt Julia Flückiger. Und dabei ist die Euphorie in der Stimme der 25-jährigen Ostschweizerin nicht zu überhören. Wie auch schon Ex-Miss-Schweiz Anita Buri oder Jörg Stiel, Ex-Captain der Schweizer Fussball Nati, konnte Julia von dem Gründer des Kinderhilfswerkes Camaquito als Botschafterin gewonnen werden. Das, obwohl die umtriebige Psychologie-Studentin eigentlich schon viel zu viel um die Ohren hat. Doch das habe sie sich selbst zuzuschreiben, wie die Vize-Miss-Schweiz 2011 lachend gegenüber SI online erzählt.

«Ich habe im Januar meinen Bachelor abgeschlossen und war danach total ausgelaugt. Neben dem Studium hatte ich ein Forschungspraktikum und diverse Modeljobs, daher war ich gegen Ende Jahr gesundheitlich leicht angeschlagen.» Normalerweise halte ihr Körper durch, aber für einmal hätte sie gemerkt, dass sie dringend eine Auszeit brauche. 

Zuerst ging es mit Freund Ronny Spitzli, 34, nach Mexiko, danach reiste sie alleine weiter nach Kuba. Dort wollte sie sich in Camagüey das Kinderhilfswerk anschauen, das ihr seit einer Ballettaufführung in der Schweiz nicht mehr aus dem Kopf gegangen ist. «Es gab bei uns eine Show der kubanischen Tanztruppe ‹La Andariega›, die ich so toll fand, dass ich sie im Anschluss googeln musste.» Dabei habe sie herausgefunden, dass dahinter eine Organisation stecke, die sich für Kinder und Jugendliche auf Kuba engagiert. «Der Gründer ist Schweizer, dessen Frau eine ehemalige kubanische Profi-Tänzerin. Daher ist deren Engagement für Ballett auch naheliegend», sagt Julia, die seit ihrer Kindheit dem Spitzentanz verfallen ist. Und weil sie schon lange ein «nachhaltiges Herzensprojekt» gesucht hat, war sie Feuer und Flamme für die ehrenamtliche Arbeit. Auch wenn sie dabei körperlich an ihre Grenzen kommt. 

«Zuerst dachte ich, ich schaue einfach mal zu, wie die Jugendlichen so trainieren», sagt die Vize-Miss-Schweiz von 2011 - doch daraus wurde nichts. «Ich musste gleich mitmachen und kroch nach dem Training nach Hause.» Auch wenn sie sehr viel tanze, das Profi-Niveau sei doch ein ganz anderes. Ausserdem sei die Technik und die Leidenschaft, die die Menschen dort an den Tag legen, enorm. 

In der Schweiz genieren sich die Kids schon im frühen Alter

Sie selbst hätte das Ballett früh geprägt, lehrte sie Disziplin und Ehrgeiz, wie sie einst im Interview mit der «Schweizer Illustrierten» erzählte. Da sich das Selbstbewusstsein schon im frühen Kindesalter entwickle, könne der Tanzsport viel zur Förderung beitragen. «Die kubanischen Kinder sind beim Training nach vorne gestanden und haben einfach getanzt», schwärmt Julia. «In der Schweiz ist das oftmals ganz anders. Da genieren sich die Kids schon im frühen Alter.» Auf Kuba sei das Tanzen jedoch die normalste Sache der Welt, daher hätten die Kleinsten auch keinerlei Berührungsängste. Ausserdem würden sie in der Gruppe den sozialen Aspekt lernen und gleichzeitig würden Körper, Geist und Seele gefördert werden. Und Fünfjährige, die Samba tanzen? Das sei ja so was von entzückend, meint Julia.

Doch bei aller Liebe zu den Kleinen, eigene Kinder kann sich die Halb-Argentinierin noch nicht vorstellen. «Zuerst einmal mache ich in Ruhe meinen Master fertig, dann möchte ich gerne auf Weltreise gehen.» Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben: «Ich möchte auf alle Fälle irgendwann Nachwuchs!», so Julia. Doch bis dahin tanzt sie erst einmal wieder auf diversen Hochzeiten. Denn die Rolle als Botschafterin ist nicht die einzige, die in ihrem Leben neu dazu gekommen ist. «Seit meiner Rückkehr in die Schweiz belege ich an der Uni einen Spanisch-Grammatikkurs.» Das sei zwar ein riesiger Aufwand - besonders die Hausaufgaben - aber schliesslich will sie beim nächsten Besuch bei Camaquito fehlerfrei kommunizieren können. Und der stehe definitiv an. Wann, könne sie jedoch noch nicht sagen. «Bald, hoffe ich.»

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