Vize-Miss-Schweiz Julia kontert: «So naiv sind wir nicht»

Unecht und naiv seien Miss-Schweiz-Anwärterinnen, schrieb Maya Onken in der «NZZ am Sonntag». Das konnte Julia Flückiger nicht auf sich sitzen lassen. In einem Leserbrief bot die neue Vize-Miss-Schweiz Paroli. Und hat dafür viel Zuspruch erhalten, wie sie gegenüber SI online sagt.
Sie habe an der Miss-Schweiz-Wahl teilgenommen, um gegen das «stigmatisierendes Frauenbild einer Miss Schweiz» anzukämpfen, schreibt Julia Flückiger in der «NZZ am Sonntag».
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Sie habe an der Miss-Schweiz-Wahl teilgenommen, um gegen das «stigmatisierendes Frauenbild einer Miss Schweiz» anzukämpfen, schreibt Julia Flückiger in der «NZZ am Sonntag».

«Liebe Frau Onken», schreibt Julia Flückiger, 23, in der «NZZ am Sonntag» vom 9. Oktober. «Mit Interesse habe ich Ihr Statement bezüglich der Miss-Schweiz-Wahlen an dieser Stelle vor einer Woche gelesen.» Sie meint den Kommentar von Maya Onken, der eine Woche zuvor publiziert wurde. Die Buch-Autorin und Tochter der bekannten Psychologin Julia Onken bezeichnete Miss-Schweiz-Kandidatinnen als naiv und gekünstelt. Und: «Die Abwahl der Miss-Wahl war höchste Zeit und folgerichtig.»

Julia Flückiger blieb beinahe das Frühstücksgipfeli im Hals stecken, als sie am vergangenen Sonntag die Zeilen las. Die frisch gekrönte Vize-Miss-Schweiz und Psychologie-Studentin fühlte sich persönlich angegriffen. «Aufgewühlt» sei sie nach dem Lesen des Artikels gewesen, beschreibt sie gegenüber SI online. «Ich empfand ihn als massive Stigmatisierung.» Daraufhin habe sie sich hingesetzt und eine Stellungnahme verfasst. Sie sei halt ein «Löwenmami», so Julia. «Leute, die mir am Herzen liegen, verteidige ich mit Gebrüll. Und die Miss-Schweiz-Organisation sowie die anderen Kandidatinnen liegen mir nun mal am Herzen.»

Als angehende Akademikerin respektiere sie Onkens kritischen Standpunkt durchaus, schrieb sie. «Falls Sie jedoch vermuten, ich hätte nur die ‹Traumwelt meiner Kinderseele› bewahrt, muss ich Sie leider enttäuschen. So naiv, wie Sie die Kandidatinnen dargestellt haben, sind wir nicht. Ich bin keine Anhängerin von Aschenputtel, vielmehr habe ich die Chance erkannt, welche eine Miss-Schweiz-Wahl mit sich bringt.» Sie habe teilgenommen, um gegen Onkens «stigmatisierendes Frauenbild einer Miss Schweiz» anzukämpfen. «Entschuldigung – aber wo steht geschrieben, dass eine Kandidatin oder eine Miss ein intellektueller Tiefflieger sein muss? Wer behauptet, dass eine Miss keinen akademischen Tiefgang haben darf?» Weiter stellt Julia klar, dass sie ein positives Vorbild für die Jugend sein wolle. «Ich bin nicht spindeldürr, entspreche nicht dem Ideal eines mageren Models und bin trotzdem Kandidatin. Ich will bis heute zeigen: Für Erfolg in diese Richtung braucht es keinen Hüftumfang von neunzig Zentimetern.»

Ihr Freund Ronny habe sie schliesslich ermutigt, den Brief abzuschicken. Und «NZZ am Sonntag» fand offensichtlich Gefallen an ihrem Text. Statt bloss als Leserbrief hat ihn die Redaktion als ausführliche Antwort auf Onkens Standpunkt abgedruckt.

Auch aus ihrem eigenen Umfeld habe sie viel Zuspruch geerntet. «Mein Grosspapi und meine Eltern waren ganz aus dem Häusschen», erzählt Julia. Und ebenso von den Unikollegen gab's  Schulterklopfen. Der beste Spruch sei aber von einem Schaffhauser Politiker gekommen: «Gut gebrüllt Löwe», habe dieser gemeint.

Alles zur neuen Miss Schweiz Alina Buchschacher und zur Wahl finden Sie im Dossier von SI online.

 

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