Der SVP-Nationalrat und sein aufwendiges Hobby Kampfkuh Taifun bringt Toni Brunner auf Trab

Acht Jahre war Toni Brunner das Zugpferd der SVP. Heute sind die Eringerkühe sein wichtigstes Projekt. Am nationalen Final der Ringkuhkämpfe im Wallis gibts nicht nur eine Schelle, sondern auch Bier, Schnupftabak und eine Liebeserklärung.
Toni Brunner
© Remo Nägeli

Ziehen an einem Strang: Toni Brunner mit seiner Eringerkuh Taifun und Partnerin Esther Friedli. «Wir sind ein super Team.»

Taifun spitzt ihre schwarzen Ohren, als sich Toni Brunner, 43, auf der Weide im Oberwallis ihr nähert. «Chum, Taifun, chum», ruft der SVP-Nationalrat und streckt der Eringerkuh ein Stück Roggenbrot hin. «Bravs Müsli», sagt Brunners Partnerin Esther Friedli, 40, als der 700-Kilo-Koloss zahm wie ein Haustier antrottet und sich von Toni unterm Kinn kraulen lässt. «Im Ring ist sie nicht sanft, sondern kampfeslustig», sagt Brunner und führt Taifun und ihre tierische Kollegin Venice in den Transporter. Es ist der Vortag zum nationalen Kuhkampffinal in Aproz VS. Ein grosser Tag für die beiden Eringer und ihre Besitzer!

Bei Taifun sei es Liebe auf den ersten Blick gewesen, erzählt Brunner. Genau wie bei «Herzkäferli» Esther Friedli. Die Bernerin hat der damals jüngste Nationalrat vor 21 Jahren erobert, mit einem parfümierten Liebesbrief, wie er der «Schweizer Illustrierten» einmal verraten hat. «Wir sind immer noch ein super Team. Ich lenke, sie denkt», sagt er am Morgen vor dem Kuhkampf, als ihm Friedli nach einer Portion Schnupftabak ein Nastuch reicht.

Galerie: Toni Brunner und seine Eringerkuh


 

Seine Freundin war auch dabei, als Brunner Taifun an seinem ersten Ringkampf im Wallis entdeckte. «Ich habe Toni nur 15 Minuten aus den Augen gelassen, und schon hatte er eine Kuh gekauft!» Es sei ein spontaner Entscheid gewesen, erzählt er. «Sie hatte die Startnummer 74 – mein Jahrgang.» Heute stehen 27 Tiere der Walliser Rasse in seinem Stall in Ebnat-Kappel SG. «Wir sind ein Kuhhotel.» Die illustren Besitzer der Tiere: SVP-Kollegen Thomas Matter, Walter Frey oder die Frau von Ex-Roche-VR Fritz Gerber. «Ein aufwendiges Hobby», sagt Brunner. Deshalb reichen ihm vier eigene Tiere.

Stolz führt er Taifun am frühen Sonntagmorgen in Aproz zur Waage. «Das isch doch dr Toni», flüstern sich zwei Walliser Züchter zu. Dieser grüsst und strahlt sein berühmtes Toni-Lachen. Doch jetzt gilts ernst. Das Gewicht der Tiere entscheidet darüber, in welcher Kategorie sie kämpfen. Brunner hofft auf die zweite Kategorie – dort wären die beiden sechseinhalbjährigen Kühe bei den schwersten Tieren – und hätten grössere Chancen im Ring. Doch es kommt anders: Mit 704 (Taifun) und 716 Kilo (Venice) ist es die höchste Kategorie. «Zeit für eine Pause! Wo ist das Bier?», ruft Brunner.

Auf dem Wartegelände vor der Arena herrscht Camping-Atmosphäre. Brunner hat einen Harass seines Lieblingsbiers – Stadtbühler Bügelbier – Möhl-Most und Toggenburger Pantli-Wurst für seine Walliser Freunde mitgebracht. «Die Grundversorgung für heute!» Während die Züchter nebenan nervös ihre im staubigen Boden scharrenden Kühe beobachten, wirkt Brunner tiefenentspannt. «Ich bin im Easy-Modus.» Es gehe ja nicht um die Zukunft des Landes. «Toni ist viel entspannter, seit er in der Politik nicht mehr an der Front ist», sagt sein Bruder Hannes, 49, der extra aus dem Toggenburg angereist ist.

Nach acht Jahren als Parteichef der SVP trat Brunner im April 2016 zurück. «Heute konzentriere ich mich auf die Land- und Gastwirtschaft.» Seit Oktober 2017 führen er und Friedli den Landgasthof Sonne, Haus der Freiheit in Ebnat-Kappel, zuvor war dieser verpachtet. Tonis behinderter Bruder Andy ist der Wirt. «Einer von uns ist immer im Betrieb», sagt Brunner. Das sei anstrengend, aber mache Spass. Damit hat sich auch der Alltag als Paar verändert. «Toni ist nun viel öfter zu Hause», sagt Friedli. Daran habe sie sich erst gewöhnen müssen. «Jetzt kann ich das TV-Programm nicht mehr alleine bestimmen.»

Toni Brunner SVP mit Bruder Familie privat
© Remo Nägeli

Toni Brunner und Bruder Andy.

Brunner: «Gewinnen oder Mostbröckli»

Über die Gerüchte, dass er still und heimlich an seiner politischen Karriere arbeite und laut «Blick» sein Französisch für den Bundesrat auffrische, kann Brunner nur schallend lachen. Zumal er überzeugt ist: «Ueli Maurer bleibt noch lange im Amt!»

Von besseren Französisch-Kenntnissen ist in Aproz tatsächlich nicht viel zu spüren. Unterwalliser Parteikollegen antwortet Brunner konsequent auf Deutsch. Die Ansage für die Kämpfe erfolgen zum Glück zweisprachig. Taifun ist als Erste an der Reihe. «Ich hab ihr gesagt: Gewinnen oder Mostbröckli», witzelt Brunner. Dann gilt es ernst. Er führt Taifun in die Arena, wo sie gegen 14 andere in ihrer Gewichtsklasse antreten muss. Kaum hat er das Tier losgelassen, geht sie auf eine andere Kuh los. Friedli verfolgt den Kampf zusammen mit 15 000 Zuschauern im Publikum. «Ui, das sieht gut aus.» Doch dann hat Taifun plötzlich keine Lust mehr und trabt davon. Brunner muss sie abführen, der Sprecher kommentiert: «Ich hoffe, Brunner hat im Nationalrat mehr Glück.» – «Da steh ich drüber», sagt dieser. «Unser Bundesrat hat manchmal auch keine Lust.»

Besser läuft es für Kuh Venice. Sie scharrt minutenlang am Boden, während die anderen Tiere im Ring aufeinander losgehen und eine nach der anderen ausscheidet. «Taktisch intelligent», kommentiert Friedli. Nur ein gewonnener Kampf reicht ihr für den Final der besten ihrer Kategorie. Zurück im Wartegelände, gibts Streicheleinheiten für Verliererin Taifun. «Ihr Ego ist angekratzt, ich muss sie aufbauen», sagt Brunner. Auf Venice sei er stolz.

Eine Schelle für Venice

Das Tier hat er damals von der SVP zum Abschied als Parteichef bekommen. «Zuerst wollten sie ihm eine Städtereise schenken! Doch das ist nichts für Toni», erzählt Friedli. Sie gab den Tipp für die Eringerkuh. Ausgesucht hat sie Oswald Andres, 74, Toni nennt ihn ehrfürchtig den «Kuhflüsterer». Mit 64 Königinnen ist er der erfolgreichste Züchter von Kampfkühen im Wallis. Andres betreut Brunners Kühe im Sommer auf der Alp Tschorr und steht ihm an der Seitenlinie in Aproz bei, als Venice im Final antritt. Sie scharrt, sie wartet, sie sticht – und wird Sechste! «Sie kriegt eine Schelle, das ist grossartig!», ruft Friedli, hüpft vor Freude und gibt ihrem Toni einen Schmatz.

Auf die Frage, was schöner sei – ein Wahlsieg der SVP oder der Erfolg in Aproz, antwortet Brunner: «Hier ist eine kleine Welt glücklich. Ich bin in die Politik gegangen, um Menschen glücklich zu machen.»

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