Das persönliche Interview mit der neuen Bundesrätin Karin Keller-Sutter: «Man nannte mich Zirkusdirektorin»

Sie hört gerne Punk und möchte Boxunterricht nehmen. Die neu gewählte Bundesrätin Karin Keller-Sutter hat eine harte Schale – aber einen weichen Kern. «Um mich kennenzulernen, braucht es Zeit.» Uns verrät sie ihren ersten Schulschatz und wer auf dem Handydisplay erscheint.
Bundesrätin Karin Keller-Sutter mit ihrem Hund Picasso.
© Fabienne Bühler

Bundesrätin Karin Keller-Sutter mit ihrem Hund Picasso. 

Frau Bundesrätin, wie hätte Ihr Name als Bub gelautet?
Ich habe drei ältere Brüder, und mein Vater wollte unbedingt ein Mädchen, das Karin heissen sollte. Er sagte zu meiner Mutter: «Wenn es ein Bub wird, kannst du ihn nennen, wie du willst.» (Lacht.)

Sie dürfen Ihren Wohnort neu designen: Aus welchen Städten, Dörfern und Landschaften setzen Sie ihn zusammen?
Aus einer Mischung aus London, Tessin und Appenzellerland.

Was für ein Hintergrundbild hat Ihr Smartphone?
Meinen Hund Picasso.

Welches Gemüse sollte verboten werden? 
Ich esse alle Gemüse.

Und was für ein Gemüse oder welche Frucht wären Sie? 
Eine Ananas. Eine feste Schale schützt den weichen Kern. Wer mich richtig kennenlernen will, braucht etwas Zeit. 

Karin Keller-Sutter
© Keystone

Im Zentrum des Geschehens: Karin Keller-Sutter.

Um wie viel Prozent müssten Sie Ihr Arbeitspensum reduzieren, damit Sie massiv glücklicher wären?
Gar nicht. Die Aufgabe als Bundesrätin werde ich mit Leib und Seele erfüllen.

Als Sie Kind waren, was hat Ihre Mutter Ihnen da immer gesagt? 
Meine Eltern haben in Wil ein Restaurant geführt. Dort bin ich quasi aufgewachsen. Sie haben mir beigebracht, alle Menschen gleich zu behandeln und sie nicht nach Äusserlichkeiten zu beurteilen.

Wann haben Sie zuletzt etwas Selbstgebasteltes geschenkt? 
Nach Familienfeiern verschenke ich öfter mal Fotobücher, etwa meinem Schwiegervater.

 
 Die Aufgabe als Bundesrätin werde ich mit Leib und Seele erfüllen

Wo am Körper tuts Ihnen weh? 
Manchmal, wenn es kalt und feucht ist, spüre ich das Kreuz.

Haben Sie ein schlechtes Gewissen, wenn Sie den Teller nicht leer essen? 
Ja, denn als Kind hiess es immer, wir sollen ausessen. Das habe ich verinnerlicht. Im Restaurant lasse ich sehr ungern Reste stehen. 

Karin Keller-Sutter
© HO

1992 wird Keller-Sutter Gemeinderätin von Wil.

Haben Sie einen Organspendeausweis?
Nein. Zwar finde ich es sehr gut, wenn Leute Organe spenden. Seit ich meine Mutter vor fünf Jahren in den Tod begleitet habe, bin ich aber unsicher, was mit einem passiert, wenn im Sterbeprozess Organe entnommen werden. Damit meine ich weniger die biologische als die seelische Ebene.

Können Sie sich vorstellen, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen?
Einen assistierten Suizid kann ich mir vorstellen. Aber das braucht Mut.

Ich bin bewusst immer zu Fuss unterwegs

Die bisher beste Idee Ihres Lebens? 
Privat: meinen Mann Morten zu heiraten. Beruflich: mein Einsatz gegen häusliche Gewalt.

Welchen Wunsch haben Sie endgültig begraben? 
Ich habe vor allem einige Wünsche, die ich mir noch erfüllen möchte: etwa Boxunterricht zu nehmen. Oder Reisen, die ich unternehmen möchte.

Angenommen, der liebe Gott würde Sie neu erschaffen: Mit den Eigenschaften welcher Berühmtheiten sollte er dies tun? 
Wohl am ehesten mit denen eines tibetischen Mönchs: willensstark, empathisch, verständnisvoll, gelassen und demütig.

Welches Buch, welche Musik hat Ihr Leben massiv beeinflusst?
Als junge Frau habe ich sehr gerne Hermann Hesse gelesen. Bei der Musik haben mich meine älteren Brüder beeinflusst, die die Beatles hörten. Während meines Studiums in London entdeckte ich dann die Liebe zur Punkmusik, etwa von The Clash.

Als junge Frau habe ich sehr gerne Hermann Hesse gelesen

Ihr Spitzname als Kind? 
Meine Brüder nannten mich Käterli. Manche Nachbarn nannten mich Zirkusdirektorin. 

Wieso das?
Weil ich so viele Tiere zu Hause hatte: Streifenhörnli, Meersäuli, Katzen, Hunde. 

Was in Ihrem Alltag müssten Sie aus ökologischer Sicht dringend verändern? 
Ich lebe recht ökologisch. Ich bin bewusst immer zu Fuss unterwegs, und nach Bern fahre ich mit dem Zug.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Schulschatz? 
Oh ja! (Lacht.) Das war Edi. In der ersten Klasse. Ein ganz süsser Bub.

Wer ist Ihr bester Freund? 
Ursi war die beste Freundin in der Schulzeit. Wir waren wie Schwestern. Heute sind es vor allem gemeinsame Freunde mit meinem Mann.

Karin Keller-Sutter mit ihrem Mann Morten
© Fabienne Bühler
Seit 30 Jahren glücklich Karin Keller-Sutter, 54, und Morten, 54, lernten sich in einer Beiz kennen. Der Gerichtsme-
diziner leitet die Gesundheitsdienste in Zürich.

Als Sie 16 Jahre alt waren, wie sah da Ihr Zimmer aus? 
Ich habe das Zimmer mit meinem neun Jahre älteren Bruder geteilt. Der liebte Fussball und hatte überall Bilder von Fussballstars hängen. Sobald er auszog, habe ich die Fussballer entfernt und die Wände mit Beatles-Plakaten vollgeklebt.

Über welches Geschenk haben Sie sich zuletzt gefreut? 
Vom neuen Ständeratspräsidenten Jean-René Fournier habe ich bei der Amtsübergabe ein Stück Matterhorn und zwei Flaschen hervorragenden Walliser Wein bekommen. Der Wein heisst Electus – der Gewählte. 

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