«Ich wurde sehr nachdenklich und traurig» «Aeschbacher» spricht erstmals ausführlich über sein Aus

Vor drei Tagen kam die Hiobsbotschaft: SRF setzt die Sendung «Aeschbacher» per Ende 2018 ab. In seinem ersten Interview nach der Kündigung verrät Kurt Aeschbacher, was er fühlt, wie seine Zukunft aussieht und mit was er sich in der Provence beschäftigt. 
Kurt Aeschbacher
© Keystone

Aus und vorbei: Nach 17 Jahren ist Schluss für «Aeschbacher».

Moderator Kurt Aeschbacher, 69, hatte in diesen Tagen keine leichte Kost zu verdauen: Die SRG hat am vergangenen Donnerstag bekannt gegeben, dass die Talksendung «Aeschbacher» nach siebzehn Jahren aus dem Programm genommen wird. Ende 2018 wird «Aeschbi» das letzte Mal Gäste interviewen. Jetzt spricht der Berner erstmals ausführlich über sein Sendungs-Aus.

In einem Interview mit dem «Sonntagsblick» verrät Aeschbacher, was ihm durch den Kopf ging, als TV-Direktor Ruedi Matter ihn anrief und ihm den Entscheid mitteilte. «Wenn der Direktor per SMS seinen Anruf ankündigt, dann kann man davon ausgehen, dass es sich dabei nicht primär um die bevorstehende Übermittlung von Ferienwünschen handelt», sagt der SRF-Moderator.

Immerhin sei er nach einem Gespräch mit SRF-Unterhaltungschef Christoph Gebel Mitte Mai vorgewarnt gewesen. Demnach wusste Kurt Aeschbacher seit dieser Unterhaltung, dass sich für seine Talksendung etwas verändern könnte.

Aeschbacher Kurt
© Keystone

Seit 2001 lief «Aeschbacher» auf SRF, zuerst am Donnerstagabend, anschliessend jeweils am Sonntagabend. Ende 2018 ist Schluss.

«Vielleicht braucht es gar keine Nachfolge»

Den Entscheid trägt er mit Fassung. Er sei nicht sauer geworden, «aber ehrlich gesagt sehr nachdenklich und traurig». Hauptsächlich leid tut es ihm für sein Team. Einen persönlichen Favoriten für seine Nachfolge hat «Aeschbi» nicht: «Vielleicht braucht es gar keine Nachfolge. Was es am Bildschirm aber sicher braucht, sind Persönlichkeiten, welche die Zuschauer ernst nehmen, sie nie unterschätzen und ihren eigenen Stil pflegen.»

«Aeschbi» sorgt sich um den Unterhaltungssektor

Als TV-Urgestein hat Kurt Aeschbacher die Entwicklungen in der Medienlandschaft aus nächster Nähe erlebt. Für das Massenmedium Fernsehen malt er keine rosige Zukunft: «Düster sieht es meiner Ansicht nach bei der Unterhaltung und in gesellschaftlichen oder politischen Fragen aus. Da laufen andere Angebote dem klassischen Fernsehprogramm zunehmend den Rang ab.»

Auch stellt der Kultmoderator fest, dass es fast keine jahrezehntelang bewährten Fernsehstars mehr gibt. «Die Dauerbrenner können sich ja auch kaum mehr entwickeln. Denn sie werden vorher durch knallige Tischbomben ersetzt. Jeder selbst ernannte Influencer füttert heute seine Follower im eigenen Instagram-Programm mit teuer bezahlten Inszenierungen, die das vermeintliche Leben vorgaukeln.»

«Aeschbacher» interviewte Gäste ohne Promi-Status

Influencer waren selten bei «Aeschbacher» zu Gast. Vielmehr gab der Moderator weniger prominenten Personen eine Stimme. Zusammen mit seinem Team habe er über all die Jahre versucht, gerade auch einfachen Menschen am Bildschirm eine Bühne zu geben. Deren Geschichten und Lebenserfahrungen inspirierten die Gesellschaft.

Nur weil der Sender den Entscheid kommuniziert hat, sieht er sich noch nicht als ausrangiert. «Ganz als Sondermüll bin ich ja noch nicht entsorgt. Bis Ende Jahr geben meine Redaktion und ich das Beste», so Aeschbacher.

Zudem bedeutet sein Sendungs-Aus nicht sein hundertprozentiges SRF-Aus. «Für nächstes Jahr fungiere ich als Ersatzspieler in der Gartenserie ‹Hinter den Hecken›. Da bin ich kurzfristig für Katharina Locher eingesprungen, die Mutter geworden ist», verrät Kurt Aeschbacher.

Kurt Aeschbacher
© Alexandra Pauli

Neben der Gartenarbeit wird Kurt Aeschbacher ab 2019 auch mehr Zeit für das Kunstsammeln haben.

Der Zeit nach «Aeschbacher» kann der Berner auch etwas Positives abbringen. «Ich freue mich, meine Aufgaben als Herausgeber des Magazins ‹50plus› noch besser wahrzunehmen. Unser Therapiezentrum weiterzuentwickeln und mich auf die Mandate zu konzentrieren, bei denen ich etwas bewegen kann.»

Es zieht ihn noch öfters in sein Steinhaus

Privat wird man den Frankreich-Fan in Zukunft noch öfters in seinem Haus in Südfrankreich antreffen. «Schliesslich gehe ich endlich regelmässig dem Unkraut in meinem Steinhaufen in der Provence an den Kragen.»

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