Lara Gut nach Verletzungspause «Ich habe mich wie ein Objekt gefühlt»

Über ein halbes Jahr hat sich Lara Gut Zeit genommen, um ihren Kreuzbandriss nach der Heim-WM in St. Moritz 2017 auszukurieren. Zeit, die sie gebraucht habe und in der sie an sich gewachsen ist, sagte die Tessinerin heute Dienstag in einer Pressekonferenz. 
Lara Gut
© Keystone

Im Februar riss sich Lara Gut das Kreuzband im linken Knie. Danach wurde es ruhig um die Tessinerin. Heute Dienstag äusserte sie sich erstmals zu ihrer sportlichen Zukunft.

Im Februar 2017 war die Schweiz im Ski-Rausch. Mehr als sonst. Der Grund: Die Heim-WM in St. Moritz und die damit verbundenen Chancen auf Goldmedaillen. Eine der ganz grossen Hoffnungen war Lara Gut. Die 26-Jährige versprach sich viel von dem Event und wurde enttäuscht: Bei der Einfahrt zum Kombinationsslalom erlitt sie einen Kreuzbandriss im linken Knie.

Die Tessinerin zog sich zurück, blockte Medienanfragen ab und gab nur hin und wieder auf Social Media ein Zeichen von sich. Über ein halbes Jahr nach dem Unfall meldet sich Gut nun heute Dienstag in einer Pressekonferenz in Zermatt zurück. Entspannt und fröhlich sieht sie aus. 

Letzte Pause als Minderjährige

Es scheint, als habe Gut in der langen Pause zu sich gefunden. Die Sportlerin lächelt und sagt grad zur Eröffnung: «Es geht mir gut.» Sie habe diese Pause gebraucht, um zu lernen, wie sie eine Balance am Interesse an ihrer Person und ihrem Privatleben finden könne. Ausserdem habe sie zum letzten Mal als Minderjährige Zeit für sich gehabt. 

«Nach dem Sieg im Gesamtweltcup 2016 habe ich mich wie ein Objekt gefühlt», sagt Gut. Nur die Kugel (Siegertrophäe Gesamtweltcup, Anm. d. Red.) sei im Mittelpunkt gestanden, nicht der Mensch Lara Gut. Das Ganze habe sich nach dem Unfall in St. Moritz wiederholt. «Alle interessierten sich für mein Knie, niemand für mich als Person», so die Weltmeisterin weiter.

«Ich will auf die Signale meines Körpers hören»

Mit 26 Jahren, sagt Lara Gut weiter, habe sie erkannt, dass sie vordergründig nicht nur Athletin, sondern vor allem Frau ist. Diese Erkenntnis sei hart aber wichtig für sie gewesen. «Die Athletin ist am Schluss nur ein Teil von mir, wichtiger ist der Mensch, der dahintersteckt.»

Im Winter wird die Sportlerin wieder auf den Ski stehen und Rennen fahren. Sie wolle in allen Disziplinen antreten, so Gut weiter, aber sie werde ihr Programm sorgfältiger zusammenstellen und sich Pausen gönnen. Dies nicht wegen des Knies, sondern weil sie auf die Signale ihres Körpers hören wolle. 

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