Miss Schweiz Lauriane Sallin zum Weltfrauentag «Müssen aufhören, Kindern Klischees einzutrichtern»

Am Dienstag, 8. März, ist der internationale Tag der Frau. Sind Frauen in der Gesellschaft wirklich gleichberechtigt? Was müsste sich noch ändern? Und braucht es diesen Tag wirklich? Im Interview mit SI online steht Miss Schweiz Lauriane Sallin, 22, Red und Antwort.
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© Hervé Le Cunff

Lauriane Sallin will sich für die Gleichberechtigung der Frau einsetzen.

SI online: Lauriane Sallin, braucht die Welt einen internationalen Tag der Frau?
Lauriane Sallin: Ja. Es gibt viele Tage für verschiedene Anliegen. Wieso also nicht einen Tag pro Jahr, an dem wir über Frauen und deren Rolle in der Gesellschaft sprechen. In gewissen Ländern haben Frauen noch immer nicht dieselben Rechte oder dieselbe Stellung wie Männer. Wenn wir darüber reden und darauf aufmerksam machen, kann sich etwas verändern. Für mich ist es eine gute Möglichkeit, auf die Probleme, die Frauen im Alltag haben, aufmerksam zu machen.

Wie genau?
Ich habe keine konkreten Projekte. Es geht mehr darum, wie ich jeden Tag als Frau lebe. Und ich wehre mich gegen Machos. Wenn ein Mann das Gefühl hat, dass ich weniger Wert bin, bloss weil ich eine Frau bin, sage ich ihm meine Meinung.

Ist die Gesellschaft auf dem richtigen Weg, wenns um die Stellung der Frau geht?
Ich denke schon. Gleichberechtigung von Frau und Mann ist wieder vermehrt Thema in den Medien und der Gesellschaft. Wir haben aber noch einen weiten Weg vor uns. Zum Beispiel ist die Mehrheit in den Chefetagen grosser Firmen noch immer männlich. Das sollte sich dringend ändern.

Was muss sich ändern, damit Mann und Frau gleichberechtigt sind?
Mit dem Thema sollten wir uns schon bei der Erziehung unserer Kinder auseinandersetzen. Ich habe schon oft gehört, wie Eltern zu ihren Söhnen gesagt haben, sie dürften nicht mit Mädchen spielen - aus welchem Grund auch immer. Und da fängt das Problem an: Wenn Jungs immer hören, sie dürfen nicht mit Mädchen spielen, fangen sie irgendwann an, einen Unterschied zwischen sich und Mädchen zu sehen. Wir müssen aufhören, unseren Kindern Klischees einzutrichtern. Wir sollten keinen Unterschied zwischen Buben und Mädchen machen, sondern sie einfach als das behandeln, was sie sind - Kinder.

Was bedeutet es Ihnen, eine Frau zu sein?
Ich finde das Frausein etwas Positives. Ich fühle mich gut als Frau und bin glücklich. Ich habe mir auch noch nie Gedanken darüber gemacht, wie es wäre, wenn ich ein Mann wäre.

Sie sind die erste Miss Schweiz, die sich auch zu Themen wie Feminismus, Politik oder dem Magerwahn unter Models äussert. Wieso haben sich Ihre Vorgängerinnen das nicht getraut?
Das kann ich nicht beantworten. Ich möchte einfach ehrlich sein und sagen, was ich denke. Und diese Möglichkeit bietet mir mein Amt als Miss Schweiz. Ich kann auf Themen aufmerksam machen, die mir am Herzen liegen, wie eben die Gleichberechtigung der Frau.

Sie wohnen noch bei Ihren Eltern. Wie stellen Sie sich das Zusammenleben mit einem Mann vor?
In meiner Familie gibt es keine Geschlechterrollen. Jeder hilft im Haushalt mit, wenn es etwas zu tun gibt. Ich koche beispielsweise sehr gern, putzen mag ich nicht so, mache es aber trotzdem. Mit meinem Freund würde ich das gleich handhaben. Ein Plan, wer welche Aufgabe erledigen muss, würde nur zu Stress führen. Hauptsache ist, dass nicht bloss einer für den Haushalt zuständig ist, sondern die Aufgaben gleichmässig verteilt sind.

Sie sind seit vier Monaten Miss Schweiz. Welche Schlagzeile über Sie hat Sie am meisten verletzt?
Bisher noch keine. Dass darüber spekuliert wurde, ob Nathy und ich noch zusammen sind, fand ich aber nicht lustig. Wir sind noch immer zusammen, die Leute müssen sich also keine Sorgen machen.

Welche Schlagzeile war die schönste?
Es gab viele Schlagzeilen, die für mich positiv waren. Eine der schönsten war jedoch, dass Moritz Leuenberger ein Fan von mir ist.

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