Das persönliche Interview mit Lea Sprunger «Nicht viel denken, einfach machen!»

Kommende Woche möchte Lea Sprunger, 27, an der Leichtathletik-WM in London brillieren. Die 1,83-m-Athletin mit dem Spitznamen «Kleine» weiss auch schon, welches Lied an ihrer Beerdigung gespielt werden soll, zimmert selber Möbel und würde das Waadtland gegen nichts eintauschen wollen. All das erzählte Sie «Schweizer Illustrierte» im Interview.
Lea Sprunger Leichtathletik Athletissima 2017 Lausanne
© KEYSTONE/Jean-Christophe Bott

Lea Sprunger - hier bei einer Pressekonferenz an der Athletissima 2017 in Lausanne - gewann an den Europameistrschaften 2016 in Amsterdam Bronze.

Lea Sprunger, was am Körper tut Ihnen gerade weh?
Die Achillessehne.

Eine Entzündung?
Ich bin einfach langsam alt (lacht). Es schmerzt nicht so fest, es sind nur die ersten paar Schritte morgens nach dem Aufstehen.

Also nicht so schlimm, dass es Sie an der bevorstehenden WM behindern würde?
Nein. Ich würde sogar sagen, dass ich in der Form meines Lebens bin.

Falls dieses Leben mal verfilmt wird, welche Schauspielerin soll die Hauptrolle spielen?
Die Französin Marion Cotillard.

Um wie viel Prozent müssten Sie Ihr Arbeitspensum reduzieren, damit Sie massiv glücklicher wären?
Neben dem Sport arbeite ich 30 Prozent. Das zu reduzieren, würde nicht gross was ändern, ich habe die richtige Balance gefunden. Wenn wir den Sport als meine Arbeit betrachten, wäre ich nicht böse, wenn ich die Einheiten im Kraftraum reduzieren könnte.

Ich wäre sicher eine Frucht, weil sie süss ist

Haben Sie ein Tattoo?
Zwei. Einen Anker, bei dem keine spezielle Geschichte dahinter ist. Und die olympischen Ringe am Fuss. Die habe ich mir gemeinsam mit meiner Trainingsgruppe stechen lassen, im vergangenen Jahr nach den Spielen in Rio.

Welches Gemüse sollte verboten werden?
Rosenkohl! Den hasse ich.

Und was wären Sie für ein Gemüse oder was für eine Frucht?
Ich wäre sicher eine Frucht, weil sie süss ist. Das mag ich. Sagen wir eine Erdbeere. Ich mag aber auch ungesundes Süsses sehr gerne.

Als Sie 16 Jahre alt waren, wie sah da Ihr Zimmer aus?
Ich teilte das Zimmer mit der kleinen Schwester, da war viel los. Es hingen Poster der Spice Girls an der Wand.

Was hatten Sie als Kind für einen Spitznamen?
Meine kleine Schwester und ich wurden von den Älteren beide «die Kleine» genannt. Auch jetzt noch in der Familie - obwohl ich mit 1,83 fast 8 Zentimeter grösser bin als die älteste Schwester Ellen. Der Spitzname Lelette kam dann erst in der Leichtathletik auf. Abkürzen kann man meinen Namen ja kaum.

Welche Pille sollte erfunden werden?
Eine, durch deren Einnahme man in dem Land ist, in dem man sein will.

Was in Ihrem Alltag müssten Sie aus ökologischer Sicht verändern?
Ich versuche, möglichst viel Abfall zu trennen. Aber ich könnte mich noch verbessern, wenn es um den Plastikgebrauch geht. Den würde ich gerne reduzieren.

Lea Sprunger Leichtathletik Athletissima 2017 Lausanne
© KEYSTONE/Valentin Flauraud

Auf die 400-Meter-Hürden wechselte Lea Sprunger erst im Jahr 2015 - mit durchschlagendem Erfolg. Hier an der Athletissima 2017 in Lausanne neben der US-Amerikanerin Ashley Spencer (rechts).

Wie hätte Ihr Vorname als Bub gelautet?
Diego.

Welche Musik soll an Ihrer Beerdigung gespielt werden?
«All of Me» von John Legend. In einem Trainingslager habe ich dieses Lied oft gehört. Ich sagte zu einer Kollegin: «Wenn ich sterben muss, musst du dieses Lied an meiner Beerdigung singen.»

Wann haben Sie zuletzt etwas Selbstgebasteltes verschenkt?
Vor Weihnachten habe ich meiner Grossmutter einen Adventskranz gebastelt. Ich bin gerne handwerklich tätig, auch bei mir in der Wohnung. Meinen Wohnzimmertisch habe ich selber gebaut, aus Apfelkisten.

Sie dürfen Ihren Wohnort designen: Wie setzen Sie ihn zusammen?
Er müsste auf dem Land sein. Jetzt in Lausanne merke ich, dass ich das vermisse. Ich möchte gar nichts anderes als die Region um Nyon, wo ich aufgewachsen bin.

Welche Ihrer Eigenschaften möchten Sie Ihren Kindern vererben?
Meine blauen Augen und die Zweisprachigkeit.

Welche keinesfalls?
Sie sollen sich nicht so schnell aufregen wie ich.

Angenommen, der liebe Gott würde Sie neu designen: Mit den Eigenschaften welcher Berühmtheiten soll er Sie erschaffen?
Oh, là, là. Das Aussehen der Schauspielerin Blake Lively - der Serena aus «Gossip Girl» -, das sportliche Talent von Roger Federer. Und die Intelligenz von … ach, das spielt keine so grosse Rolle.

Ich freue mich auch über Einfaches

Was wird man in hundert Jahren über die aktuelle Epoche sagen? Wofür wird man uns loben, wofür verurteilen?
Die Entwicklung in der Elektronik und Vernetzung gilt für beides. Es gibt heute keine Grenzen mehr zwischen Arbeit und Freizeit.

Der beste Ratschlag, den Sie je bekommen haben?
Nicht zu viel denken, einfach machen. Der kam von meinen Eltern.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Schulschatz?
Ja. Muss ich mehr sagen?

Klar!
Ich war etwa in der vierten Klasse, und es war ein Bub aus meinem Dorf. Er wusste allerdings nicht, dass ich in ihn verliebt war.

Über welches Geschenk haben Sie sich zuletzt gefreut?
Über jedes. Das letzte war ein ganz normales Duschgel von der Mutter meines Freundes. Ich freue mich auch über Einfaches.

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