Beat Marti «Liebesszenen sind richtig anstrengend»

Vom Kotzbrocken zum sympathischen Bauern. Genau diese Wandlung vollzieht Beat Marti, 39, am Sonntag in der romantischen Fernsehkomödie «Liebe und andere Unfälle». Wie sich der Wahlberliner auf die Rolle des Milchbauern vorbereitete und warum ihn das Küssen mit Schauspielkollegin Lea Hadorn nicht in Verlegenheit gebracht hat, erzählt er im grossen Interview mit SI online.

SI online: Herr Marti, fühlen Sie sich seit Ihrer Rolle in «Liebe und andere Unfälle» zum Landleben hingezogen?
Beat Marti: Da ich in Chur aufgewachsen bin, würde ein Berliner sagen: Der ist doch auf dem Land aufgewachsen! Ich geniesse es, in der Natur zu drehen und dort auch meine Freizeit zu verbringen. Für meinen privaten Alltag jedoch brauche ich die Stadt. 

Was reizt Sie denn an einer Grossstadt wie Berlin?
Die vielen Gesichter, die diese Stadt hat. Zwar herrscht hier ein Dauerzustand von Pleite und die Armut steigt, aber trotzdem bleibt Berlin unschlagbar sexy. Hier stört sich niemand daran, wenn man wie «Big Lebowski» rumläuft. (lacht)

Das hört sich an, wie wenn ein Wegzug aus Berlin für Sie undenkbar wäre.
Im Moment ja. Aber wer weiss, irgendwann könnte ich mir schon ein kleines einfaches Häuschen am Meer oder an einem See zum ausspannen vorstellen.

Könnten Sie sich vorstellen, jemals wieder in der Schweiz zu wohnen?
Ich bin sehr gerne in der Schweiz, dort sind meine Wurzeln. Und es ist mir wichtig, meine Verbundenheit zu meiner Heimat zu pflegen. Berlin ist aber mein Zuhause geworden und ich brauche die vielen Gegensätze dieser Stadt. Die Schweiz ist mir manchmal ein wenig zu «wohlbehütet». 

Aber es gibt doch bestimmt etwas, was Sie vermissen?
Die wunderschöne und vielseitige Landschaft und die grosse Auswahl an Schokolade, Joghurt und Fleisch. Aber unterdessen gibt es in Berlin immer mehr Geschäfte, die Schweizer Produkte anbieten.

In der Schweizer TV-Komödie «Liebe und andere Unfälle» spielen Sie den aalglatten Banker und Kotzbrocken Philipp. Was hat Sie an dieser Figur gereizt?
Man hat selten die Möglichkeit, so viele Facetten in nur einer einzigen Person zu verkörpern. Und es macht grossen Spass, den Fiesling zu spielen. Daher war die Rolle für mich ein echter Glücksfall. Ausserdem ist es bei einer Komödie etwas vom schwierigsten, mit einer ernsten Rolle die Leute zum Lachen zu bringen.  

Mussten Sie für den Dreh auf dem Bauernhof spezielle Handgriffe erlernen?
Ich habe in meiner Karriere schon mal einen Landwirt gespielt. Um mich dafür vorzubereiten, habe ich auf einem Bauernhof gelebt. Diese Erfahrung konnte ich bei «Liebe und andere Unfälle» wunderbar einbringen.

Sie und Lea Hadorn spielen ein Liebespaar. Wie schwierig sind romantische Szenen?
Grundsätzlich kann ich nicht sagen, dass Liebesszenen schwieriger als andere emotionale Szenen sind. Es gibt aber durchaus Momente, die viel Offenheit abverlangen. So wie beispielsweise in meinem letzten Kinokurzfilm mit dem Titel «Fucked». Da mussten wir einen ganzen Tag an einer Liebesszene drehen, weil die für den Film sehr wichtig war.

Hat Ihre Frau mit solch intimen Szenen keine Probleme?
Delia ist meine Agentin und war früher selbst Schauspielerin. Da wäre es doch komisch, hätte sie ein Problem damit. Ausserdem haben wir eine solide Basis und tauschen uns so offen aus, wie es nur geht. Das schafft Vertrauen.

Kann bei dem Dreh überhaupt Erotik aufkommen?
Kaum, denn Liebesszenen sind richtig anstrengend. Es besteht immer die Angst, ob man mit seinem Gegenüber überhaupt harmoniert. Und wenn 30 Leute um ein Set rumstehen, geht sowieso jegliche Erotik flöten.

Sprechen Sie mit Ihrer Filmpartnerin Kuss-Szenen vorher ab?
Da wir schon tagelang am Drehen waren, war das bei Lea und mir nicht nötig. Wir wussten, wie wir miteinander umgehen können. 

Was ist Ihr nächstes Projekt?
Zuerst einmal spiele ich in der Theaterinszenierung «Atropa - Die Rache des Friedens» von Anne Schneider, die am 2. Mai in Berlin Premiere feiert. Das ist eine Produktion mit Susanne Bormann und Deborah Kaufmann, die mir sehr am Herzen liegt. Und dann soll noch in diesem Jahr der internationale Kinofilm «Geography of the Hapless Heart» in die Kinos kommen. Darin spiele ich an der Seite von Heike Makatsch und Clemens Schick. 

Stehen Sie auch bald wieder einmal in der Schweiz vor der Kamera?
Offiziell ist noch nichts spruchreif. Und jetzt freue ich mich sowieso erst einmal auf die Fernsehpremiere von «Liebe und andere Unfälle». Ich verspreche hoch und heilig, dass die Zuschauer sehr viel Spass damit haben werden.

Die Komödie «Liebe und andere Unfälle» läuft am Sonntag, den 29. April, um 20.05 Uhr auf SF1.


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