Die erste Woche als Miss Schweiz Lindas verrückte Woche

Fotoshootings, Interviews, Autogramme. Um die neue Miss Schweiz Linda Fäh reisst sich jeder. Und sie? Macht alle glücklich – von frühmorgens bis spätabends.

Linda Fäh, 21, hat nur noch einen Wunsch: «Ein heisses Bad!» Seit 46 Stunden ist sie Miss Schweiz. Aber jetzt hat sie Kopfweh … Montagabend, 21.13 Uhr in Zollikon ZH bei Missen-Mutter Karina Berger, 41. Linda hat für die kommende Woche das Zimmer von Bergers grosser Tochter ­Noemi (sie ist gerade im Klassenlager) bezogen.

Die zweijährige Shenay mustert den blonden Gast am Esstisch und murmelt: «Schön!» Linda prustet los vor Lachen. Kaum hat sie den Blattspinat­salat samt gebratenem Speck und Champignons (die einzigen Pilze, die sie mag) sowie das Züri-Gschnätzlete mit Spätzli verputzt, tippt sie wie wild SMS. «Ich will mich für alle Glückwünsche mit einer kurzen Antwort bedanken», sagt sie. Über hundert SMS sind auf ihrem ­Handy gelandet. Es wird nichts mit der Badewanne an diesem Abend.

Rückblick: Montag, 8.50 Uhr. Linda hat bereits ein Radiointerview hinter sich – via Telefon. Jetzt sitzt sie, ­leger in Jeans und lachsfarbenem T-Shirt, vor dem Spiegel im Ringier-Fotostudio und wird geschminkt. Nebenbei beantwortet sie die Fragen einer «Blick am Abend»-Journalistin und blättert die aktuelle Schweizer Illustrierte mit «Königin Linda» auf dem Titel durch. «Megaschön», ruft sie freudestrahlend. Zwölf Stunden wird sie heute vor der Kamera posieren – für Sponsoren. Alle schreien nach ­Autogrammkarten.

«Das Vögeli-Lächeln bitte!», ruft ­Fotograf Claude Stahel hinter seiner ­Kamera. Linda muss lachen. «Wie bitte geht das Vögeli-Lächeln?» Die Miss ist an diesem Dienstag mehr Vamp als Königin. Fürs Schuh-Shooting räkelt sie sich lasziv im knappen, schwarzen Glitzerkleidchen auf einem silbernen Hocker. Tatort: das «Saint Germain», Zürichs In-Club über der Bahnhofstrasse.

Kurze Pause. Nicht für Linda. Tele Ostschweiz, ein ­Lokal-TV-Sender, will ein Interview mit der neuen Miss, die aus ihrem Sende­gebiet kommt. Seit Tagen die gleichen Fragen: Wie fühlen Sie sich als Miss? Was mögen Sie am wenigsten an sich? Freuen Sie sich auf zu Hause? Was für ein Morgenritual pflegen Sie? Und: Sie können doch so toll singen – geben Sie uns eine Kostprobe bitte! Linda antwortet. Nur einmal scheint sie die Nase voll zu haben: «Ich bin Miss Schweiz und nicht Sängerin!»

Das muss das Vögeli-Lächeln sein. Linda steht spätnachmittags grinsend im Schuhladen an der Zürcher Urania­strasse – und sucht sich nach Herzenslust Schuhe aus. Nach einer Stunde ­wandern mal fürs Erste zehn verschiedene Paar in die Einkaufstaschen.

Zärtlich hält Dejan seine Linda an den Händen. Zwei Stunden Zweisamkeit am späten Mittwochabend. Der 24-Jährige trifft seine Freundin im Zürcher ­Ristorante Antiquario. Linda hat einen Mordshunger. Kaum sitzt sie, schiebt sie sich die Grissini in den Mund. «Ich hatte zuletzt um eins was zu essen», murmelt sie entschuldigend.

Zur Feier des Tages stossen die beiden mit einem Gläschen Primitivo an. «Nicht schlecht», lächelt Linda ihren Freund an. Marco Giuliani, der Wirt, offeriert dem Liebespaar seine Spezialität: Triangeli. Die Miss will erst wissen: «Was ist das?» Dann probiert sie die Ravioli mit Trüffelkäse-, Auberginen- und Roter-Chicorée-Füllung. Linda geniesst zufrieden.

«Darf ich gratulieren?» Als Linda aufschaut, verschluckt sie sich fast. Fifa-Präsident Sepp Blatter steht neben ihr. Und schüttelt im nächsten Moment der verdutzten schönsten Schweizerin die Hand. Dejan platzt fast vor Stolz. Ein ­Autogramm zu verlangen, traut sich der Zweitliga-Fussballer dann aber nicht.

«Ich bin Miss Schweiz und nicht Sängerin!»

Rückblick: Um 18 Uhr sitzt die neue Miss Schweiz im Züspa-Festzelt. Es ist ihre erste Autogrammstunde. Vor der Bühne kniet ein Dutzend Mädchen mit gezückter Handy-Kamera. Im Hintergrund dudelt Max Mutzkes «Can’t Wait until Tonight». Ein kleiner, dicker Securitas-Mann passt mit verschränkten ­Händen vorm Bauch auf, dass die Autogrammjäger in Reih und Glied anstehen.

«Schreiben Sie bitte: für Hansjürgen», bittet ein Endfünfziger. Bei der Wahl habe er zehn Mal für Linda angerufen. Sein Kollege Bruno schwärmt neben ihm: «Sie sind eine Traumfrau.» Linda ­lächelt. «Wir sehen uns am Samstag bei deinem Empfang in Benken», rufen die beiden Linda noch zu, während sie mit ihren Autogrammkarten glücklich von der Bühne stolpern.

«Die redet nur und trinkt nichts.» Gemeint ist Linda Fäh. Donnerstag­mittag. Ein Hinterhof beim Zürcher Freilager. Wieder Interviews. Wieder ein Shooting – dieses Mal für den Jelmoli-Katalog. Peter Schell, eigentlich heute nur für die Haare und das Make-up der Miss zuständig, drückt Linda ein Glas Wasser in die Hand. «Damit du mir nicht umfällst!» – «Das passiert so schnell nicht», sagt Linda und kippt das Glas in einem Zug weg.

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