Lo & Leduc am Gurtenfestival «Das grösste Konzert, das wir je gespielt haben»

Für Lo & Leduc ging ein Teenagertraum in Erfüllung. Unsere Autorin Aurelia Forrer konnte die beiden Berner am Donnerstag an ihrem grossen Abend am Gurtenfestival hautnah begleiten.

«Das wird das grösste Konzert, das wir je gespielt haben», sagt Lo. Gemeinsam mit Luc gibt er im Artist-Bereich des Gurtenfestivals ein Interview nach dem anderen – vor allem über das bevorstehende Heimspiel. Zu Dritt spielten sie bereits 2011 ein DJ-Set in der Bamboo Bar, später traten sie als Berner Mundart-Combo zweimal auf der Waldbühne und einmal auf der Zeltbühne auf – und nun folgt das Konzert auf der Hauptbühne. «Wir sind sozusagen den offiziellen Arbeitsweg gegangen», sagt Lo.

Lo & Leduc, das sind nicht zwei musikalische Köpfe, sondern zehn. Lorenz Häberli, 30, und Luc Oggier, 28, sind aber die, «die unsere Köpfe hinhalten.» Hinzu kommen noch Tourmanager und je zwei Ton- und Lichttechniker. Für sie alle geht mit dem heutigen Gig auf der Hauptbühne «ein Teenagertraum» in Erfüllung. «Seit wir Musik machen, war am Gurten spielen unser Ziel», sagt Gitarrist Jonas.

«Wir können uns aufeinander verlassen.»

Donnerstag, 17.50 Uhr, Der Soundcheck ist «gut gegangen», so Luc knapp und zieht sich in den Container 23 zurück. Ein halbe Stunde hat nun jeder für sich. Doch die meisten sitzen gemeinsam auf den weissen Plastikstühlen um den runden Tisch. «Seid ihr ready?», fragt Musiker und Album-Produzent Dodo, der vorbeischaut.

Die Nervosität steigt, Schlagzeuger Chrigu thematisiert Erfahrungen von «missratenen Konzerten». Bern, Gurten, Heimspiel – unter den vielen fremden Festivalbesuchern befinden sich heute Freunde und Familie. Das mache alles schlimmer, so Sängerin Julia und versucht sich zu beruhigen. «Es wird schon gehen. Wir können uns aufeinander verlassen.»

Lo & Leduc
© Kurt Reichenbach

Die beiden Berner Lo & Leduc traten am Gurtenfestival auf, und zwar mit ihrem neuen Album «Ingwer & Ewig».

18.30 Uhr, Zeit für alle ihr Bühnenhemd zu montieren, einen Kreis zu bilden und den «Ingwerer» – ein Ingwerlikör aus Bern – zu kippen. «Es ist heute das letzte Leitersprössli», sagt Luc. Auf gehts, dieses auf der grossen Berner Bühne zu besteigen.

Mit «Walter» gehts los – und gleich richtig. Die Festivalbesucher feiern ihre Lokalmatadoren. Das Front-Duo gibt dem Volk, was es will. Bei «Mis Huus dis Huus» bilden die 10’000 Fans einen imposanten Background-Chor. «Bini bi dir» setzt noch einen drauf. Lo & Leduc sind beim Volk. Sie sind das Volk. 864 Meter hoch ist der Gurten, «aber wenn wir von der Bühne gehen, wird er 20 Meter weniger hoch sein», so Lo in die Menge. «Eins, zwei, eins, zwei, drei!» Und los gehts zum finalen Springen, im Takt wird der Boden nach unten gedrückt.

Wieder den Boden spüren

Nach 90 Minuten und drei Zugaben springen alle zehn von der Bühne. Voller Adrenalin und mit breitem Grinsen. «Ich habe viel Glück in mir. Viel Liebe haben wir bekommen. Es schlägt einem wortwörtlich eine Welle voller Liebe entgegen», sagt Luc.

Auch Lo findet Worte, aber nicht die, für die Beschreibung des richtigen Gefühls. «Es ist bisschen überwältigend gewesen und eigentlich jetzt ein schlechter Moment mit mir zu reden», sagt er. «Nach einem Konzert bin ich… ach es passiert so viel auf so vielen verschiedenen Ebenen. Da muss man zuerst wieder den Boden spüren, sich spüren.» Es ist Zeit für das wohlverdiente Feierabendbier auf dem Bänkli mit Blick auf Bern.

Lo & Leduc
© Kurt Reichenbach

Lo & Leduc mit SI-Autorin Aurelia Forrer.

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