Ananas & Broccoli: Aues hei si gseit! Lo & Leduc im Interview: «Persönlich. Nicht privat»

Livia & Sophie? Oder Marc Anthony & Brad Pitt? Nein! Einfach Lo & Leduc. Die Berner Musiker haben mit ihrem Lied «079» die Schweizer Hits «Chihuahua» und «Grüezi wohl, Frau Stirnimaa!» vom Charts-Rekord-Thron gestossen. Selber freuen sie sich über Socken und Asterix.
Lo & Leduc
© Remo Nägeli

Seit 14 Wochen Nummer 1: Die Mundart-Combo Lo & Leduc bei einem Kaffee im Berner Kulturzentrum Progr.

Gratulation, Ihr habt mit «079» den Schweizer Charts-Rekord geknackt. War das euer Ziel?
Luc «Leduc» Oggier: Nein, wer Musik macht, hat nicht wie ein Sportler gewisse Titel im Visier. Zwar ist Rap, wo wir herkommen, sicher kompetitiv, aber nicht so in ein Turnierreglement eingezwängt.

Ihr habt «Chihuahua» von DJ Bobo und «Grüezi wohl, Frau Stirnimaa!» von den Minstrels überholt – an welches Lied erinnert ihr euch?
Lorenz «Lo» Häberli: «Chihuahua» ist zu unseren Lebzeiten rausgekommen, weshalb wir den Song sicher direkter mitbekommen haben. «Grüezi wohl, Frau Stirnimaa!» scheint im Kollektivbewusstsein der Leute verankert zu sein. Jeder kann die zwei Zeilen singen, obwohl der Reim denkbar einfältig ist.
Luc: Frau Stirnimaa habe ich mir früher immer als ältere Frau vorgestellt. Sie zu überholen, ist deshalb nicht schwer. Und der andere ist ein Chihuahua – der hat ganz kurze Beine.

Im «079» ist der Protagonist jahrelang auf der Suche nach der Nummer einer Frau. Habt ihr selbst noch eure erste Handynummer?
Luc: Ja, und sie beginnt nicht mit 079. Ich habe mich damals leider gleich in ein Abo gestürzt.
Lorenz: Ich hatte zuerst ein Prepaid-Abo und war fürchterlich nervös, ein Handy zu kaufen und zu unterschreiben. Die Nummer habe ich bis heute.

Was für ein Hintergrundbild hat euer Handydisplay?
Lorenz: Die Grundeinstellung.
Luc: Meine Familie.

Lo & Leduc
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Luc «Leduc» Oggier, 29, ist oft für die Musik verantwortlich. Er hat den Master in Geschichte und Germanistik.

Was in eurem Alltag müsstet ihr aus ökologischer Sicht dringend verändern?
Lorenz: Fleisch zu essen.
Luc: Ich habe generell noch eine zu hohe Food-Waste-Rate.
Lorenz: Wenn viel abläuft im Leben, laufen viele Lebensmittel ab.

Habt ihr ein schlechtes Gewissen, wenn ihr euren Teller nicht leer esst?
Lorenz: Nein, aber es geschieht auch sehr selten. Meistens kann mans ja später essen.
Luc: Mein Lieblingsessen sind Reste, daher freue ich mich, wenn der Teller nicht leer ist.

Was wärt ihr für ein Gemüse oder was für eine Frucht?
Luc: Lo wäre eine Ananas – wegen der Frisur.
Lorenz: Und du ein Broccoli.

Um wie viel Prozent müsstet ihr euer Arbeitspensum reduzieren, damit ihr massiv glücklicher wärt?
Lorenz: Puuh, schöne Frage. Ich weiss es nicht.
Luc: Musik heisst, immer und nie arbeiten. Wenn wir an sogenannten Freitagen auch frei hätten und sonntags keine Mails erhalten würden, wäre bestimmt mehr Lebensqualität vorhanden.
Lorenz: Seit 14 Wochen kommt sonntags jedoch stets ein tolles Mail von unserem Manager: dass wir auf Platz 1 sind.

Wie hätte euer Vorname als Mädchen gelautet?
Lorenz: Sophie.
Luc: Ich glaube Livia.

Als ihr Kind wart: Was haben eure Eltern euch da immer gesagt?
Luc: Ich bin sehr dankbar, haben sie mir Schlagzeug- und Klavierunterricht ermöglicht. Aber ich war nicht immer ein disziplinierter Musikschüler, so hörte ich teilweise: «Hast du schon geübt?»
Lorenz: Bei mir wars grundsätzlich: «Tu anständig!»

Lo & Leduc
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Luc «Leduc» Oggier, 29, ist oft für die Musik verantwortlich. Er hat den Master in Geschichte und Germanistik.

Als ihr 16 Jahre alt wart: Wie sah da euer Zimmer aus?
Luc: Da fing ich gerade an zu rappen und habe mit einem Tipp-Ex-Stift alle Sachen angeschrieben. Heute würde es fast als Kunstinstallation durchgehen. Auf meiner Stereoanlage stand Stereoanlage, auf dem Fenster Fenster usw.
Lorenz: Das macht man doch sonst mit einer Fremdsprache und Post-it-Zetteln... Mein Zimmer war tapeziert mit Postern von Hip-Hop-Konzerten und selbst gemalten Graffitis.
Luc: Er hat sehr gut gezeichnet, war aber zu feige zum Sprayen.
Lorenz: Nur einmal habe ich an die Hauswand meiner Schule gesprayt. Danach traute ich mich monatelang nicht mehr, dort durchzugehen, weil ich das Gefühl hatte, dass alle sofort merken würden, dass ich es war, sobald sie mich dort sehen.

Wo am Körper tuts euch weh?
Luc: Super Frage für einen Hypochonder, danke. Heute Abend tut mir bestimmt alles weh.
Lorenz: Ich habe einen Mückenstich an der Ferse, der juckt. Und einen verspannten Nacken.
Luc: Und einen Ohrwurm, der nervt.

Habt ihr einen Organspendeausweis?
Lorenz: Ja, und auch dabei.
Luc: Wir spielten vor noch nicht allzu langer Zeit am Organspendetag, bei dem es um die Sensibilisierung geht. Bei mir hats genützt. Zu unterschreiben hat mich aber dann doch...
Lorenz: … tschuderet?
Luc: Ja, es hat Überwindung gebraucht. Ich hoffe, die Ärzte entscheiden einfach nicht zu schnell und warten ein bisschen, ob ich noch aufwache.
Lorenz: Aber wenn man dann noch etwas von mir brauchen kann, können sie alles nehmen.

Könnt ihr euch vorstellen, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen?
Lorenz: Ich glaube, dass es eine gute Sache ist und hierzulande sehr seriös gehandhabt wird. Ich kann aber jeden verstehen, der ein grösseres Problem damit hat, wenn es um jemand Nahestehendes geht. Dann ist es nicht mehr so easy.
Luc: Als gesunder Mensch ist es doch sehr anmassend, einem unheilbar kranken Menschen zu sagen: «Nein, das geht nicht.»

Ihr dürft euren Wohnort neu designen: Aus welchen Städten, Dörfern und Landschaften setzt ihr ihn zusammen?
Luc: Ich würde alles so lassen und auf der Karte die Landesgrenzen wegnehmen, dann sieht es schöner aus.

Die bisher beste Idee?
Luc: Eine war sicher, die Kinderband zu gründen und dadurch meine Passion zu finden. Die Band hiess Luuti Chueh, inspiriert von Stiller Haas.
Lorenz: Immer dann, wenn ich aus eigener Überzeugung Entscheidungen treffe, die dem zugute kommen, was ich gerne mache – dann ist es tendenziell eine gute Idee. Dumm ist, wenn man etwas aus einem diffusen Gefühl von Erwartungshaltung macht.
Luc: Clank! Gut gesagt.

Lo & Leduc
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Antrieb und Navigator: Luc (r.) pusht, Lorenz steuert. Gemeinsam machen sie seit je, was sie fühlen.

 

Welchen Wunsch habt ihr endgültig begraben?
Lorenz: Fussballprofi werden.
Luc: Wir sind auch beim Fussballwissen der 90er-Jahre stehen geblieben. Beim VfB Stuttgart kann ich dir fast jede Position von damals nennen, und heute …
Lorenz: … wissen wir nicht einmal, ob sie in der 1. Bundesliga spielen.

Welche Musik hat euer Leben massiv beeinflusst?
Lorenz: Aus meiner Kindheit die Beatles. Mein Onkel hat mir ihre Platten auf Kassetten überspielt. Noch heute weiss ich, wenn ein bestimmter Song läuft: Jetzt geht es noch bis zum zweiten Refrain, dann muss ich die Kassette wenden.
Luc: Meine musikalische Früherziehung war unter anderem das Live-Album von Stiller Haas. Die Pausen-Ansagen von Endo Anaconda kann ich auswendig, besser als die Liedtexte.

Was wird man in hundert Jahren über die aktuelle Epoche sagen?
Lorenz: Loben wird man uns dafür, dass wir, gerade noch bis zum heutigen Tag, die längste Friedensperiode von Europa haben, die es bisher gab. Wir sägen aber daran. Und man wird darüber lachen, wie viel und günstig wir geflogen sind und dass wir Fleisch gegessen haben.
Luc: Lasse ich gerne so stehen.

Welche Pille sollte erfunden werden?
Lorenz: Eine gegen Ignoranz würde manchen guttun.

Falls euer Leben verfilmt wird: Welcher Schauspieler soll die Hauptrolle spielen?
Luc: «Down bei Lo» würde der Film heissen.
Lorenz: Aber das hört sich an wie die Geschichte, in der ich dich kaputt gemacht habe! Als Schauspieler für dich rate ich Marc Anthony. Er sieht aus wie du.
Luc: Wie wärs mit Colin Farrells Hundeblick?
Lorenz: Oder Brad Pitt für mich?
Luc: Super, ich habe jetzt keinen Schauspieler abbekommen. Kann ich nicht einfach Jack Nicholson sein?

Lo & Leduc
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Seit 2007 kennen sich Lorenz und Luc. Sie wissen sogar die Handynummer des anderen auswendig.

Der beste Ratschlag, den ihr je bekommen habt?
Luc: Lern Sprachen und geh reisen! Auch etwas, was ich oft von meinen Eltern hörte.
Lorenz: Ich brauche jeden Tag Ratschläge.

Was hattet ihr als Kind für einen Spitznamen?
Luc: Luc ist glücklicherweise zu kurz für Spitznamen. Ein paar wenige wollten mich zwar Lücu nennen. Da fand ich, «kannst mir ja gleich Chübu oder Lumpä» sagen.
Lorenz: In Bern habe ich mich gegen die Abkürzung Löru gewehrt.

Über welches Geschenk habt ihr euch zuletzt gefreut?
Lorenz: Luc hat mir Socken von Mosaert, dem Label von Musiker Stromae, geschenkt.
Luc: Und du mir ein «Asterix»-Heft, das ich noch nicht kannte.

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