Lo & Leduc im Interview «Wir möchten den Leuten nicht auf den Geist gehen»

Für die Berner Mundart-Rapper Lo & Leduc geht eine intensive Festival-Saison ihrem Ende zu. Am Samstag spielen sie am Zürich Openair eines ihrer letzten Konzerte. Wann die beiden selbst zu Fans werden, wieso sie sich bei den Gurten-Fans entschuldigen und wie sie ihren Hit «Jung verdammt» für sich selbst erträglich machen - Leduc verrät es im Interview mit SI online.
Lo und Leduc Konzert Zürich Openair (Tüfel)
© Maximilian Lederer

Lorenz «Lo» Häberli, 28, und Luc «Leduc» Oggier, 26, schafften mit dem Album «Zucker fürs Volk» 2014 den Durchbruch.

SI online: Zwei Berner auf der Hauptbühne am Zürich Openair. Hättet Sie sich das vor zwei Jahren so gedacht?
Leduc: Wir durften auch schon vor zwei Jahren in Zürich spielen, der Kantönlispirit ist in der Musik glücklicherweise nicht wirklich vorhanden. Dass wir auf der Hauptbühne spielen, freut uns angesichts des grossartigen Line-ups natürlich besonders.

Überraschen Sie uns mit etwas?
Es gibt immer Teile in unserem Set, die auf Spontanität basieren. So werden wir uns auch dieses Mal selber überraschen.

Sie haben einen regelrechten Festival-Marathon hinter sich, wie stellen Sie sich auf die unterschiedlichen Locations bzw. Zuhörer ein?
Das Szenario vor den Konzerten ist jedes Mal sehr ähnlich, da hat jeder seine Aufgaben. Die Konzerte sind jedoch immer wieder anders. Auch hier lassen wir uns von Lokalität und Ambiance überraschen und prägen.

Wann und wo waren Sie selbst zuletzt Fan bzw. reiner Konsument eines Konzerts?
Am Openair Lumnezia feierte die ganze Band das Konzert von Bilderbuch. Grossartiger Sound und Attitüde - irgendwo zwischen Kanye und Falco.

Auf dem Gurten haben Sie für tumultartige Zustände gesorgt. Es hiess, dass Sie nicht auf die Hauptbühne wollten.
Grundsätzlich wurden wir vor Monaten von dem Festival für die Zeltbühne gebucht. Weil ein anderer Act ausfiel, bestand einen Tag vor unserem Auftritt dann plötzlich die Möglichkeit, auf die Hauptbühne zu wechseln.

Warum taten Sie es denn nicht?
Unser Setting aber quasi über Nacht für die Hauptbühne anzupassen, um den Publikum eine perfekte Show zu liefern, war aber leider zu kurzfristig. Es tut uns im Nachhinein leid, konnten nicht alle Leute einen Blick zur Bühne erhaschen.

Das vergangene Jahr war für Sie voller Erfolge. Gibt es negative Aspekte?
Ein solches Jahr voller Konzerte stimmt uns natürlich sehr dankbar. Dies ist nicht selbstverständlich und wird auch nicht jedes folgende Jahr so sein. Negative Aspekte relativieren sich dadurch stark.

«De Tüfel...» aus eurem Überhit «Jung verdammt» treibt mich langsam in den Wahnsinn... Was geht Ihnen musikalisch richtig auf die Nerven?
Ich höre selten Radio, doch «Jung verdammt» kann auch ich nicht mehr immer hören. Die Live-Version hauchte dem Song für uns glücklicherweise neues Leben ein.

Was ist besser: die grosse Bühne oder der kleine Clubraum?
Beides hat seinen Reiz. Unsere Herbsttour spielten wir ausschliesslich in kleinen Clubs, nun im Sommer geniessen wir die grossen Festivalbühnen. Unsere Band zählt neun Leute, und da wir auch ein bisschen eine Tanzformation sind, bietet sich viel Platz an.

Langsam dürften Sie aber von den Terminen ziemlich ausgelaugt sein...
Unsere Tour endet Mitte September. Danach machen wir eine Pause. Dies ist einerseits wichtig für neue Produktionen, andererseits möchten wir auch nicht durch konstante Präsenz den Leuten auf den Geist gehen.

Wie gross ist der Druck beim Gedanken ans nächste Album?
Druck ist wichtig für produktives Schaffen. Doch man muss sich für ein neues Album auch vom vorgängigen Werk abkapseln und den Druck relativieren. 

Lo & Leduc spielen am Samstag, 29. August 2015, auf der Hauptbühne des Zürich Openair. Tickets für das Festival gibts hier.

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