«O mein Papa» und «Refrain» Lys Assias musikalisches Vermächtnis

Die Schweizer Grande Dame gewann im Jahr 1956 den ersten Eurovision Song Contest. Nun ist Lys Assia tot. Doch ihre Musik lebt weiter. 

Als Lys Assia 1956 mit «Refrain» den ersten ESC überhaupt gewann, war die damals 32-Jährige bereits ein Star. Ihr erster Hit «O mein Papa» aus dem Lustspiel «Der schwarze Hecht» machte die Schweizerin Anfang der 50er Jahre über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Lys Assia verstarb gestern Samstag im Alter von 94 Jahren im Spital im Zürcher Ort Zollikerberg.

Ihr grösster Hit handelt von einer Frau, die bewundernd über ihren Vater singt. Der Schweizer Komponist Paul Burkhard schrieb «O mein Papa» für das Bühnenstück «Der schwarze Hecht» im Jahr 1939. Als Assia ihre Version von «O mein Papa» 1950 im Zürcher Bernhard-Theater aufführte, hörte auch ihr todkranker Vater am Radio mit. Noch in derselben Nacht verstarb Lys Assias Papa.

«Es war mir eine Ehre, ihr Lied zu singen»

Moderatorin und Sängerin Viola Tami, 36, trat in der Neuauflage des Theaterstückes «Der Schwarze Hecht» im Jahr 2018 auf denselben geschichtsträchtigen Bühnenbrettern auf, wie die Grand Dame 1950. Nämlich auf der Bühne des Zürcher Bernhard-Theaters.

Sie spielte in dem Stück die Zirkusartistin Iduna, die liebevoll mit osteuropäischem Akzent, von ihrem Papa, «eine wunderbare Clown», singt. Voller Erfurcht habe sie das grosse «O mein Papa» dargestellt, sagt Tami auf Anfrage von SI online.

«Ich habe Lys Assia leider nie persönlich kennengelernt, aber es war mir eine riesen Ehre, dass ich ihr Lied über 80 Mal im Schwarzen Hecht singen durfte.» So habe sie erfahren, welch besonderes Gefühl es ist, mit dem Stück aufzutreten. 

Karriere in Deutschland

1956 kam dann mit «Refrain» Assias Sieg beim ESC. «Ich war halt die Beste und sah gut aus», sagte die Sängerin damals. Sie gastierte in den Varietépalästen Europas, Nordafrikas, der USA und Südamerikas, hatte in Caracas und London eigene Fernseh-Shows, sang vor Queen Elizabeth II., Eva Perón und König Faruk und stand neben Weltstars wie Dean Martin und Marlene Dietrich auf der Bühne.

Auf Anraten ihres Berufskollegen und Landsmanns Vico Torriani konzentrierte sie sich aber auf Deutschland, die damalige Hochburg des Schlagers. Dort war sie mit «Arrivederci Roma», «Wenn die Glocken hell erklingen» und «Was kann schöner sein» sehr erfolgreich.

Lys Assia mit «Wenn die Glocken hell erklingen»

Lys Assia im Jahr 1957 mit «Was kann schöner sein»

Dem Eurovision Song Contest blieb Lys Assia bis zu ihrem Tod verbunden. Er sei ein Heim für sie. «Da kennt und mag man mich, da blühe ich auf. Der Contest ist mein Lebenselixier.» Und deshalb verfolgte sie den Wettbewerb nicht nur als Zuschauerin, sondern auch weitere Male als Teilnehmerin.

Zuletzt will sie es 2012 nochmals wissen - obwohl sie sich längst aus der Musikszene verabschiedet hat - und tritt bei der Vorentscheidung an, doch landet weit hinter dem Erstplatzierten Tessiner Duo Sinplus. 

 
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