Patricia Schmid «Manchmal kam ich nach Hause und weinte»

Sie hatte genug vom Model-Geschäft und gönnte sich eine Auszeit. Das war mutig: Denn nach zweijährigem Sabbatical musste Patricia Schmid wieder fast bei Null anfangen. Im grossen Interview mit «SI Style» spricht die Aargauerin offen über ihren harten Wiedereinstieg, über Respektlosigkeit im Business und über Gagen.

Sie ist zurück! Nach zwei Jahren Abstinenz steht Patricia Schmid wieder vor der Kamera und hat sichtlich Spass an ihrem Job. 27-jährig ist sie heute und gehört «zu den Omas» im Model-Business, wie sie in der November-Ausgabe der «SI Style» sagt. Lachend, denn das Alter stört sie nicht. Patricia Schmid präsentiert sich reifer, gelassener - und femininer denn je. Trotz neuerdings kurzen Haaren. Gerade stand sie für Magazine wie «Grazia», «Madame Figaro» und «Marie Claire» vor der Kamera.

Mit offenen Armen hat man sie jedoch nicht gerade im Business empfangen. «Der Wiedereinstieg braucht ähnlich viel Aufbauarbeit wie der Beginn meiner Karriere», berichtet Patricia Schmid. Sie habe das Glück, wichtige Fotografen zu kennen, die sie unterstützten. Zu einigen sei der Kontakt nie ganz abgebrochen.

Wenn sich ein erfolgreiches Model mit 25 Jahren eine Auszeit vom schnelllebigen Business nimmt, ist schon eine grosse Portion Mut vonnöten. Die Aargauerin war sich des Risikos denn auch bewusst. «Kolleginnen warnten mich: ‹Wenn du gehst, kommst du nie mehr wieder.› Aber ich wollte mir keine Angst machen lassen.» Sie hatte die Freude am stressigen Modeln verloren, konnte kein Herzblut mehr reinstecken. Jahrelang hatte sie jeden Tag gearbeitet, jettete um die Welt, «hatte keine Zeit für nichts und niemanden».

Das Geschäft bedeutet nicht nur körperliche Knochenarbeit. Auch psychisch ist es eine Belastung, vor allem für ein 16-jähriges Mädchen, das so rasch zum erfolgreichsten Schweizer Model avancierte wie sie. Nicht selten werde man respektlos behandelt, «mehr wie ein Ding als wie ein Mensch», sagt Patricia Schmid. Zudem wird man ständig angefasst. Bekommt zu hören, wie man zu sein hat. Das schlaucht: «Manchmal kam ich am Abend nach Hause und weinte erst einmal, weil ich mich den ganzen Tag verleugnen musste.»

Patricia Schmid hat den Absprung rechtzeitig geschafft. Bevor die negativen Seiten überhandnahmen, hisste sie die weisse Fahne. Und konzentrierte sich zwei Jahre lang ganz auf sich selbst: Sie reiste um die Welt, allein sowie mit ihrem Freund, dem Walliser Geschäftsmann Frédéric Brunner. Und begann als Schmuckdesignerin zu arbeiten. Freiheiten, die sie sich nur dank hohen Gagen als Model nehmen konnte. Doch sie relativert: «Ausgesorgt habe ich noch lange nicht.» Für Fotostrecken in Hochglanzmagazinen bekomme sie gerade mal rund 200 Franken. Bei Katalogfotos gibts hingegen fünfstellige Beträge pro Tag, für Werbespots oder Beauty-Verträge gar sechssstellige Summen. Doch irgendwann reizten sie auch die stattlichen Einnahmen nicht mehr.

Jetzt hat sie die Freude am Modeln wiedergefunden. Und die will sie künftig auch weitergeben. Patricia Schmid plant ein Buch über ihre Model-Erfahrungen und Beauty-Tipps. Jungen Models rät sie: «Bleib locker, nimm alles weniger ernst.»

Das ausführliche Interview mit Patricia Schmid finden Sie in der neuen «SI Style» - ab sofort am Kiosk.

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