Interview mit Manor-Chef Stéphane Maquaire «Wir wollen mehr in die Bahnhöfe»

Der Franzose Stéphane Maquaire will die Schweizer Warenhauskette Manor in ein neues Licht rücken. Im Hauptsitz in Basel verrät der CEO, warum der Black Friday ein Gewinn ist, wo Manor ausbauen will und wer daheim die Weihnachtsdeko macht.
Stéphane Maquaire_Manor-Chef
© Geri Born

«Das Weihnachtsgeschäft läuft gut», sagt Manor-Chef Stéphane Maquaire, 43, im Hauptsitz in Basel. Seit Januar ist derFranzose CEO der Warenhauskette.

Monsieur Maquaire, haben Sie Ihre Weihnachtsgeschenke schon beisammen?
Einen Teil. Für meine Frau gibts etwas aus der Manor-Beauty-Abteilung, für eine meiner drei Töchter hab ich in der Multimedia-Abteilung ein Geschenk gefunden. Was, verrate ich an dieser Stelle natürlich nicht.

Sind all Ihre Geschenke von Manor?
Ob Sie es glauben oder nicht: Ja! Das ist das Gute an einem Warenhaus: Es gibt hier alles. Auch die Weihnachtsdeko für unser Haus in Basel habe ich hier gekauft.

Und wer dekoriert daheim?
Ich! Wir leben in einem modernen Haushalt (lacht).

Sie sind Franzose. Warum wollten Sie in die Schweiz?
Weil ich Manor schon kannte. Ich war ja früher bei Monoprix, einer Warenhauskette in Frankreich. Wir gingen oft in die Schweiz Manor-Filialen anschauen. Manor ist ein Warenhaus, das für jeden erschwinglich ist. Das war mir sympathisch. Die Schweiz liebte ich schon vom Skifahren!

Und was sagte Ihre Familie dazu?
Meine Frau war schnell bereit, sich auf das Abenteuer einzulassen. Für die Teenager-Töchter war es nicht einfach, ihre Freunde zu verlassen. In der internationalen Schule in Basel haben sie aber Anschluss gefunden.

Wie gefällt Ihnen selber Basel?
C’est magnifique! Etwa im Sommer im Rhein schwimmen – das haben wir mit der ganzen Familie gemacht. Oder die Fasnacht. Ich konnte es nicht glauben, dass morgens um 4 Uhr so viele Menschen auf die Strasse gehen.

10 Prozent spüren wir die Digitalisierung, 10 Prozent den Einkaufstourismus.

Ich wurde gebeten, Sie auf Französisch zu interviewen. Wie steht es um ihr Deutsch?
(Antwortet diesmal auf Deutsch). Immer besser! Deutsch war meine erste Fremdsprache in der Schule. Danach habe ich es 20 Jahre nicht mehr benützt. Ich verstehe es aber gut. Wenn  ich in der Deutschschweiz Filialen besuche, spreche ich natürlich Deutsch. Die meisten finden den französischen Akzent charmant (lacht).

Wie stark unterscheidet sich der Detailhandel in Frankreich von dem bei uns?
In der Schweiz ist das Einkaufsverhalten je nach Sprachregion anders. Und manchmal überraschend. So läuft etwa die Kosmetikmarke Sephora in der Deutschschweiz an manchen Orten noch besser als in der Romandie, wo diese Marke schon bekannt war. Dann gibt es Unterschiede zwischen den protestantischen Kantonen und den katholischen. In Kantonen mit protestantischer Kultur sind die Kunden vielleicht etwas preisbewusster.

Ihre Hauptfiliale in Basel ist nur ein Katzensprung von Frankreich und Deutschland entfernt. Wie spüren Sie den Einkaufstourismus?
Schon stark! Ich sage immer: 10 Prozent spüren wir die Digitalisierung, 10 Prozent den Einkaufstourismus.

Stéphane Maquaire_Manor-Chef
© Geri Born

50 der 63 Manor-Filialen hat Stéphane Maquaire dieses Jahr besucht. «Ich will von den Angestellten wissen, was wir verbessern können.»

Was machen Sie dagegen?
Wir versuchen aufzuzeigen, dass die Qualität bei uns stimmt. Wir führen neue Marken ein. Wie etwa das junge Modelabel Brandy Melville. Meine Töchter stürmen schon, wann die Marke endlich nach Basel kommt.

Manor hat den Black Friday vor drei Jahren in die Schweiz gebracht. Dieses Jahr waren es statt einem sogar drei Tage. Lohnt sich das für Manor finanziell überhaupt?
Ja, denn wir haben fast 50 Prozent mehr Besucher als sonst. Drei Tage sind für die Kunden angenehmer. Sie haben weniger Stress, müssen weniger anstehen.

Dafür kaufen sie vor dem Black Friday und danach nichts mehr!
Nein, diese Entwicklung sehe ich nicht. Wir läuten mit dem Black Friday das Weihnachtsgeschäft ein. Viele Kunden können an einem solchen Tag die Breite unseres Sortiments entdecken und kommen später wieder zurück.

Es gibt ja nicht nur den Black Friday, sondern zig andere Aktionen. Zerstört sich Manor mit dieser Rabattschlacht nicht selber?
Man muss aufpassen, dass die Rabatte nicht überhandnehmen. Manche unserer Konkurrenten haben schon jetzt fast alle Preise gesenkt. Das machen wir nicht.

Wir tun alles, um an der Bahnhofstrasse zu bleiben.

 

Dieses Jahr hat Manor keine Umsatzzahlen veröffentlicht. Gehts dem Unternehmen so schlecht?
Nein, aber als Familienunternehmen sind wir nicht verpflichtet, unsere Zahlen zu veröffentlichen.

Wie läuft das Weihnachtsgeschäft?
Es ist gut angelaufen. Wir sind aber froh, wenn es nicht zu viel Schnee gibt. Dann gehen die Leute nicht mehr einkaufen.

Sieben Monate nach Ihrem Stellenantritt strichen Sie in Basel 200 Stellen. War das erst der Anfang?
Im Gegenteil, das war das Ende!

Kein weiterer Abbau mehr?
Nein, in diese Richtung ist nichts geplant. Wir möchten Manor modernisieren und neue Filialen eröffnen. Etwa in Bern oder Zürich. Und wir möchten mit mehr Läden in die Bahnhöfe rein.

Apropos Zürich: Swiss Life hat Manor den Mietvertrag an der Bahnhofstrasse gekündigt. Sie haben den Entscheid vor das Bundesgericht gezogen. Wie gehts weiter?
Anfang 2018 sollte ein Entscheid fallen. Wir tun alles, um an der Bahnhofstrasse zu bleiben.

Aber Sie suchen nach anderen Optionen im Zentrum von Zürich?
Ja, aber das machen wir sowieso! Weil wir, wie gesagt, dort Potenzial sehen.

Wo verbringen Sie Weihnachten?
Bei den Schwiegereltern in Paris. Ski fahren gehen wir dann im Februar nach Zermatt.

Was ist Ihr Weihnachtswunsch?
Erfolgreiche Wochen für Manor. Privat wünsche ich mir Zeit mit den Liebsten. Und ein Objektiv für meine Kamera. Ich hoffe, meine Familie liest das (lacht).

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