Michael von der Heide feiert 25-Jahre-Bühnenjubiläum «Ich hatte Groupies, als ich jünger war»

Obwohl Michael von der Heide seinen ersten Auftritt im Alter von fünf Jahren hatte, sieht er den Startschuss seiner Karriere vor genau 25 Jahren. Sein Bühnenjubiläum feiert der Chansonnier mit einer Hommage an seine grosse musikalische Liebe. Mit SI online spricht er über Groupies, das Altern und wann er aufhören möchte.

SI online: Wann hören Sie auf zu singen?
Michael von der Heide: Das kann ich nicht sagen. Man sieht doch auch tolle Schauspieler, die bereits älter sind und immer noch arbeiten. Alte können etwas ganz Anderes bieten als Junge, sofern man mit dem Älterwerden umgehen kann.

Können Sie es denn?
Ich haben ein Problem damit, wenn ich darauf angesprochen werde (lacht). Dass ich mehr Falten habe, stört mich nicht. Aber ich merke im Ausgang, dass gewisse Blicke eher meiner Popularität gelten und nicht, weil ich deren Beuteschema entspreche. Ich werde nur noch ab und zu angemacht. Früher war das heftiger, aber vielleicht war ich damals auch mehr in Flirtlaune.

Wenn Sie sich an Ihre Anfänge erinnern...
...dann kommt es mir vor, als sei es erst gestern gewesen. Dass ich nun doch schon ein Vierteljahrundert auf der Bühne stehe, ist unglaublich. Heute frage ich mich, woher ich damals das Selbstbewusstsein genommen habe. Denn ich war unsicher, musste aber den Starken mimen, um mir nichts anmerken zu lassen. Und dann war da noch das Lampenfieber...

Wie sehr litten Sie darunter?
Sehr. Mir wurde übel und ich war anderen gegenüber unfreundlich. Ich konnte zu einer richtigen Zicke werden. Aber das war nur Unsicherheit und Nervosität und ist nicht mein wahrer Charakter. Ich wusste, dass ich etwas dagegen unternehmen musste. Mit yogaähnlichen Übungen, Gymnastik und Atemtechniken habe ich es in den Griff bekommen. Heute mache ich das vor jedem Auftritt. Yoga hilft mir auch, beweglich und belastbar zu bleiben. 

Es gibt nichts, das ich bereue

25 Jahre auf der Bühne - was war Ihr Höhepunkt?
Da gab es viele, aber mein Auftritt am Jazz Festival in Montreux war für mich eine Art Ritterschlag und deshalb ein ganz besonderes Highlight. 

Und auf welche Erfahrung könnten Sie verzichten?
Ich bereue es, dass ich vor einigen Tagen nicht den letzten Zug sondern das Taxi genommen habe. Aber damit kann ich leben. Sonst gibt es nichts, das ich bereue, worüber ich sehr froh bin. 

Also auch Ihre Teilnahme am Eurovision Song Contest nicht, an der sie für die Schweiz mit nur 2 Punkten heimkehrten?
Nein. Das war eine tolles Erlebnis, das ich nicht missen, aber auch nicht mehr wiederholen möchte. Das ist gegessen. Trotzdem wird der ESC immer einen wichtigen Platz in meinem Leben einnehmen.

Paola hat Klasse und Stil

Inwiefern?
Das war am 18. April 1980, ich war neun Jahre alt, als ich Paola Felix im Fersehen sah und sie am ESC «Cinéma» sang. Ich habe mich sofort in Paola, in ihre Musik, in den Wettbewerb verliebt. Ich bezeichne sie als meine Erweckerin.

Was fasziniert Sie an Paola, der Sie Ihr neues Album und ihre Show widmen?
Ihre Art zu singen hatte etwas Zauberhaftes. Sie war so elegant, freundlich, hatte eine prinzessinnenhafte Aura. Sie strahlt Stärke aus, hat Klasse und Stil. Damals wie heute. Einmal schickte ich ihr sogar einen Brief und kaufte ihr von meinem Taschengeld einen Kugelschreiber, der mit einem «P» verziert war. Aber keine Angst: Ich bin kein Stalker, versuchte nicht, eine Locke von ihr zu bekommen.

Haben Sie Groupies?
Ich hatte welche, als ich jünger war, aber das nahm nie extreme Züge an. Ich mache schliesslich Erwachsenen-Musik.

Und wie haben sich Ihre Fans im Laufe der Zeit verändert?
Sie sind mit mir gewachsen. Sie erlebten mich, als ich aus dem Underground kam und in illegalen Clubs und Bars in Zürich spielte. Später, als ich kommerzieller wurde, verlor ich sicherlich einige Fans, manche motzten, andere sind den Weg mit mir gegangen. Allerdings glaube ich sowieso, mehr ein Publikum als Fans zu haben.

Das bedeutet?
Fans kaufen jedes Album, kommen an jedes Konzert und jeder Tour. Das Publikum kommt mal hie und da. 

Manchmal entscheidet das Publikum über das Ende

Apropos Publikum: Sie feierten Erfolge in Deutschland, in der Deutsch- und auch in der Westschweiz. Welches Publikum ist Ihnen lieber?
Jetzt gebe ich eine «Gute-Laune-Schlager-Antwort»: das Publikum, das kommt. Aber es gibt schon grosse Unterschiede. Das Publikum in der Romandie ist grundsätzlich offener, hört erst einmal zu, bevor es urteilt. Der Deutschschweizer ist vorsichtig und möchte wissen, was man da auf der Bühne macht. Und der Deutsche ist fordernd. Das schwierigste Publikum ist jedoch jenes, das anfängt zu klatschen, bevor man irgendeinen Ton von sich gegeben hat. Das macht mich misstrauisch und die Fallhöhe ist besonders gross.

Zurück auf Anfang: Wann hören Sie auf?
Wenn Gott will. Ich hänge an der Musik und liebe die Bühne. Aber man muss auch realistisch sein: Manchmal ist es das Publikum, das über das Ende entscheidet. Erscheinen nur einmal drei Nasen, dann erachte ich es als Herausforderung. Wird das zum Dauerzustand, dann sollte ich mit denen lieber etwas trinken gehen.

Michael von der Heides Album «Paola» ist am 29. April erschienen - Start der gleichnamigen Tour am 4. Mai im Zürcher Theater am Hechtplatz (bis 22. Mai).

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