Eine Gisin kommt selten allein Engelberg feiert seine Olympia-Stars

Gestern Dienstagabend bereitete Engelberg an einem bitterkalten Abend einen herzerwärmenden Empfang für seine Olympionikinnen Michelle Gisin, Denise Feierabend und Lena Häcki.
Lena Häcki Denise Feierabend Michelle Gisin Engelberg
© Remo Nägeli

Lena Häcki (v. l.), Denise Feierabend und Michelle Gisin werden im Sportcenter von Engelberg geehrt.

«I love Ski» und «Hopp Michelle» steht auf den Plakaten, die die Kleinsten des Skiclubs Engelberg am Festumzug tragen. Die Fahnenschwinger davor sind nicht zu beneiden: Bei minus 14 Grad vergräbt man die Hände lieber tief in den Taschen, als damit Kunststücke zu vollbringen.

Dennoch sind mehrere Hundert Leute gestern Dienstagabend um 19 Uhr erschienen, um die Leistungen von Kombinations-Olympiasiegerin Michelle Gisin, 24, Team-Olympiasiegerin Denise Feierabend, 28, sowie den 6. und 8. Platz der Biathletin Lena Häcki, 22, zu würdigen.

Urs Lehmann: «Auf Engelberg ist Verlass»

Engelberger, weil sie stolz sind auf ihre Sportlerinnen oder sie persönlich kennen. Und Zufällige. «Wir Amerikaner lieben Paraden», sagt ein Ski-Tourist, der eigentlich Mikaela-Shiffrin-Fan ist.

«Auf Engelberg“ ist Verlass» und «eine Gisin kommt selten allein», sagt Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann, 48, später in seiner Festrede, als der Tross wegen der Kälte den kürzestmöglichen Weg ins Sportcenter gewählt hat, wo in der Tennishalle Dutzende Festbänke stehen.

Denn so lange ist es noch nicht her, dass Engelberg seine letzte Olympiasiegerin feiern konnte: Vor vier Jahren gewann Dominique Gisin, 32, in Sotschi die Abfahrt. Zwei Schwestern, die beide Gold an Olympischen Winterspielen holen? Das gabs zuletzt in den 60er-Jahren, zwei Französinnen warens, das hat Dominique gleich selbst recherchiert.

Michelle Gisin kanns immer noch nicht glauben

Sie würde sich an diesem Abend am liebsten im Hintergrund halten und der jüngeren Schwester die Bühne überlassen, aber diese ist ebenso stolz auf die ganze Familiengeschichte wie auf ihre eigene Leistung. Sie hat das Ganze ohnehin noch nicht richtig realisiert: «Manchmal denke ich, dass ich beim Sturz in der Abfahrt eins zu viel auf den Kopf bekommen habe», sagt die 24-Jährige. «Und manchmal denke ich: Doch, es könnte wahr sein!»

Neben Reden und Emotionen ist es auch ein Abend der Geschenke: Die drei Engelberger Sportlerinnen – die zwei anderen Olympia-Teilnehmer Marc Gisin, 29, und Fabian Bösch, 20, waren schon wieder unterwegs – durften je ein extra gefertigtes Kunstwerk von Pater Eugen Bollin, 79, aus dem Benediktinerkloster in Empfang nehmen, ihrem ehemaligen Lehrer im Zeichnen.

Nach Olmypia 2018 Engelberg Gisi Häcki Feierabend
© Remo Nägeli

Die Sportlerinnen erhalten je ein Bild ihres ehemaligen Zeichnungslehrers, Pater Eugen Bollin.

Werden die Olympioniken von den Steuern befreit?

Und beinahe hätte es noch ein teureres Geschenk gegeben: Talammann Alex Höchli sei von einer Lokalzeitung scherzhaft gefragt worden, ob die Sportlerinnen nun vielleicht von der Steuerpflicht befreit würden? «Aber so bodenständig, wie ich ihre Familien kenne», sagt Höchli, «würden sie ein solches Privileg sicher ablehnen».

Gelächter in der Halle, und danach gehts mit der Musikgesellschaft Engelberg und der Ländlerformation «Bärgsizlä» noch lange weiter. Schliesslich sind die Engelberger nach diesen Olympischen Spielen mit Skirennen ab 3 Uhr früh schon fast zur nachtaktiven Spezies geworden.

Die Geschichte über Goldmedaillengewinnerin Michelle Gisin lesen Sie am Freitag in der neuen «Schweizer Illustrierten».

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