Michelle Hunziker im Interview «Als Mutter bin ich heute vorsichtiger»

Nur neun Wochen nach der Geburt von Celeste spricht Michelle Hunziker über ihre Träume und Ängste, singt ein Gutenachtlied vor und verrät, wen sie in ihrer Familie «Gürkchen» und «Frettchen» ruft.
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© David Biedert

Michelle Hunziker im Mai 2015 in Mailand.

Für sie wurde an diesem Morgen vor dem Mailänder Edel-Supermarkt Eataly extra der rote Teppich ausgerollt. Ein übermannshohes Plakat neben dem Haupteingang zeigt sie - lächelnd und mit Käse. Wir wollen gerade raus aus dem Kaufhauslift, als sie hineinwill: Michelle Hunziker, 38, kurzer Tara-Jarmon-Jupe, ecrufarbene Bluse, gestepptes Bikerjackett, dazu Peeptoe-Pumps. Sie strahlt, sagt: «Hoi, schön syt dr da», als sie hört, dass wir aus der Schweiz kommen. Sie schaut umwerfend aus. Dabei brachte sie erst vor neun Wochen ihr drittes Kind zur Welt. Heute ist einer ihrer ersten Arbeitstage. Michelle macht jetzt Käse, genauer: Sie wirbt für Schweizer Emmentaler. Und steht in einem ihrer ersten Interviews nach Celestes Geburt der «Schweizer Illustrierten» Red und Antwort:

Michelle, wie viele Stunden haben Sie vergangene Nacht geschlafen?
Oh, ich glaube es waren knapp über drei Stunden.

Und wer hat Sie morgens geweckt?
Die Kleine, Celeste, natürlich.

Sie ist immer als Erste wach?
Meistens. Sie ist ja erst neun Wochen alt und schläft noch nicht richtig durch.

Wie eifersüchtig ist Sole auf ihre kleine Schwester?
Ein bisschen eifersüchtig ist sie schon. Die ersten Wochen waren für sie speziell. Plötzlich ist da jemand, der ebenfalls Mamas Aufmerksamkeit hat. Aber Sole gewöhnt sich langsam daran.

Erkennen Sie sich selbst in einer Ihrer Töchter wieder?
Besonders stark in meiner ältesten, Aurora. Vor allem physisch. Und sonst? Momentan würde ich sagen - in Celeste. Sole kommt eher nach ihrem Papa.

Singen Sie die Kleinen in den Schlaf?
Ja …

Mit welchem Lied?
«Smile» von Charlie Chaplin.

Oh, singen Sie es uns vor?
(Lacht, streckt ihren Oberkörper und beginnt leise zu singen.) Smile though your heart is aching / Smile even though it’s breaking / When there are clouds in the sky / You’ll get by …

Wunderschön! Gutenachtgeschichten lesen Sie auch vor?
Sole und Celeste sind dafür zu klein. Und Aurora ist mit 18 ein bisschen zu gross. Aber es ist bei uns vorm Zubettgehen ein Ritual, Streicheleinheiten zu geben.

Wer wechselt bei Ihnen häufiger die Windeln - Sie oder Ihr Mann Tomaso?
Natürlich ich! Was für eine Frage…

Und wer badet Celeste und Sole?
Ebenfalls ich. Zurzeit bin ich zu Hause und arbeite weniger. Es macht mir viel Spass, für meine Kinder voll und ganz da zu sein. Wobei ich natürlich Hilfe an meiner Seite habe - eine Nanny. Aber Windeln wechseln und baden, das mache ich.

Ich hörte, Sie seien eine gute Köchin?
Aurora und Tomaso behaupten das auch. Ich weiss nicht, ob sie das sagen, weil sie mich lieben oder weil ich tatsächlich so gut bin. Ich koche gern, esse aber noch viel lieber.

Und was kochen Sie am liebsten?
Meine Spezialität ist Risotto - in allen Variationen.

Auch Schweizer Gerichte?
Es gibt Momente, da spüre ich meine Wurzeln stärker, und dann habe ich entsprechend Appetit auf Spätzli oder Rösti. Es gibt Dinge, die ich mir extra aus der Schweiz kommen lasse: Milch bringt mir meine Mama immer aus dem Tessin mit. Ich trinke nur Schweizer Milch und esse am liebsten Zopf dazu.

Und wie sieht es mit den Kochkünsten Ihres Ehemannes aus?
Tomaso grilliert. Er liebt es - so wie viele Männer. Und er macht es sehr gut.

Weshalb gibt es bei Ihnen immer nur Mädchen?
(Lacht.) Das müssen Sie meinen Ex und meinen jetzigen Ehemann fragen.

Auf den kommen harte Zeiten zu - mit vier Frauen im Haus.
Mein Mann hats nicht einfach bei uns, selbst unser Hund ist weiblich. Tomaso hat nur Frauen im Haus. Im Ernst: Ich glaube, es gibt Schlimmeres im Leben.

Ist das Muttersein für Sie heute anders als vor 18 Jahren?
O ja, das ist es! Ich bekam Aurora mit 19. Damals war es für mich etwas verspielter, Mutter zu werden. Heute empfinde ich das Muttersein komplett anders. Mit 38 bin ich mir vieler Dinge bewusster. Vielleicht habe ich auch ein bisschen mehr Angst, was alles passieren kann. Als junger Mensch siehst du keine Probleme und bist viel mutiger. Man hat noch nicht viel erlebt, vor allem auch noch nicht so viele schlimme Sachen. Das ist mir heute bewusst, und ich bin vorsichtiger.

Wie viele Kinder können Sie sich denn als Mutter noch vorstellen?
Ich würde noch zehn Kinder machen, hätte ich die Zeit dazu. Nein, im Ernst: Eines könnte ich mir noch vorstellen.

Bei der Wahl Ihrer Kindernamen zieht sich eine rote Linie durch: Aurora, die Morgenröte. Sole, die Sonne. Und Celeste, die Himmlische. Absicht?
Eher unbewusst. Es hat mehr mit Emotionen zu tun, mit den Momenten, in denen wir die Namen wählten. Bei Aurora war es so, dass mein Ex-Mann ihr ein fantastisches Lied gewidmet hatte. Sole ist ein in Italien sehr gebräuchlicher Name. Die Sonne kommt ja bekanntlich nach der Morgenröte. Vor allem aber ist er zusammengesetzt aus den jeweils letzten zwei Buchstaben von Tomaso und Michelle. Auch Celeste ist in Italien beliebt - sowohl für Mädchen als auch für Jungen. Mir gefiel er einfach. Es gibt also keinen roten Faden bei den Namen. Es hat sich einfach so ergeben.

Hätten Sie denn noch einen himmlischen Namen in petto?
Das wird man dann schon sehen. Ich mag auch ganz normale Namen.

Rufen Sie Ihre Kinder mit Kosenamen?
Zu Hause ist Sole Cetriolini (Gürkchen) und Celeste Furreto (Frettchen).

Welche Eltern sind Ihnen ein Vorbild?
Ich habe keine speziellen Vorbilder. Jeder tut, was er kann, versucht dabei, sein Bestes zu geben. Natürlich bin auch ich nicht perfekt, aber ich tue alles von ganzem Herzen für meine Kinder. Alle Eltern wollen das Beste für ihren Nachwuchs. Und jeder Tag ist dabei wie eine Art Schule oder Probe.

Ein Ratschlag, den Sie als Kind erhalten haben und der Ihnen geblieben ist.
Was mir meine Mama vermittelte, ist die Unabhängigkeit, die ich heute habe. Das verdanke ich wirklich allein ihr, sie hat immer für die ganze Familie gesorgt. Von meinem Vater habe ich die Liebe zur Natur. Es sind also weniger Ratschläge, die ich bekommen habe, sondern vielmehr Werte, die sie mir mitgegeben haben.

Geben Sie diese auch Ihren eigenen Kindern mit auf den Weg?
Absolut! Ich möchte, dass meine Töchter starke Persönlichkeiten werden. Unabhängig - und natürlich genauso fröhlich und so happy, wie ich es bin.

Was möchten Sie selbst noch erreichen in Ihrem Leben?
Noch so vieles! Ich bin am Anfang, voller Ideen, Wünsche, Träume. Wohl deswegen fühle ich mich nie angekommen, sondern glaube, dass noch ein ganzes Stück Weg vor mir liegt.

Haben Sie sich sehr verändert - jetzt mit drei Kindern?
(Zeigt auf ihren - nicht vorhandenen - Bauch.) In der letzten Schwangerschaft nahm ich 18 Kilo zu. Also von daher habe ich mich verändert. Und ich werde mit zunehmendem Alter auch weiser.

Was tun Sie als Erstes, wenn Sie heute Abend nach Hause kommen?
Die Kinder küssen und auf Tomaso warten. Wenn ich nach Hause komme, ist das wie ein grosses Fest. Dann wird erst mal geknuddelt, ich hocke mich auf den Boden, spiele mit Sole und Celeste. Ich will ihnen einfach das Gefühl geben, dass ich jetzt ganz für sie da bin.

Eine letzte Frage: Was kommt Ihnen als Erstes in den Sinn, wenn Sie an die Schweiz denken?
Ski fahren. Ich liebe es. Es ist für mich eine grosse Leidenschaft und vermittelt mir ein Gefühl von Freiheit. Wenn ich in den Bergen bin, oben auf dem Gipfel stehe und mein Blick über die Alpen schweift - da fühle ich mich top.

Auch nach sieben Stunden PR-Auftritt lacht Michelle. Da ist sie Profi. Letzter Termin kurz nach 17 Uhr: posieren für die «Schweizer Illustrierte». Dass sie noch mehr strahlt, könnte daran liegen, dass wir sie etwas «bestochen» haben: mit «Schellenursli», dem Kinderbuchklassiker auf Italienisch, und mit zwei Päckli Berner Mandelbärli. Die wird ihr Ehemann allein naschen müssen. Warum? Sie klopft nur mit der Hand auf ihren Bauch.

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