Diskriminierung in der Arbeitswelt Mimi Jäger: «Ich kämpfe für die Chancengleichheit von Müttern»

Moderatorin Mirjam Jäger plädierte vor zwei Wochen in der «Schweizer Illustrierten» für einen längeren Mutterschaftsurlaub. Jetzt erzählt sie, wie sie bei der Jobsuche diskriminiert wurde. Warum sie ihren Sohn trotzdem nicht verheimlicht. Und wer auf Louie aufpasst, wenn sie und ihr Freund arbeiten.
Mimi Jäger mit Sohn Louie Jäger beim SI Shooting für Muttertagsausgabe vom 11.05.2018 SI Nr. 19 / 2018
© Fabienne Bühler

Mirjam «Mimi» Jäger ist am 21.02.2017 zum ersten Mal Mama geworden.

Mirjam Jäger, Sie sprechen offen über die Herausforderungen des Mutterseins. Welche Probleme haben Mamas in der Arbeitswelt?
Frauen werden auch im Jahr 2018 bei der Jobsuche diskriminiert. Aus eigenen Erfahrungen und Berichten von Kolleginnen weiss ich, dass manche Arbeitgeber Männer bevorzugen. Wenn sich ein Mann und eine Frau im gebärfähigen Alter mit gleichen Fähigkeiten für denselben Job bewerben, bekommt in den meisten Fällen der Mann die Zusage.

Haben Sie selbst solche Erfahrungen gemacht?
Nachdem ich im März 2015 meinen Rücktritt aus dem Spitzensport bekannt gab, habe ich erlebt, wie hart das Business für Frauen sein kann. Auch ich wurde diskriminiert: Ich war über 30 und hatte noch kein Kind. Bei fast jedem Bewerbungsgespräch fragte man mich, ob ich Kinder will. Dabei ist es unzulässig, eine Bewerberin nach einer bestehenden oder geplanten Schwangerschaft zu fragen.

Was haben diese Fragen in Ihnen ausgelöst?
Es hat mich sehr zum Nachdenken angeregt. Ich musste nach solchen Gesprächen manchmal kräftig Luft ablassen. Einerseits kann ich die Sichtweise der Arbeitgeber verstehen. Schliesslich könnte es tatsächlich sein, dass die Bewerberin schon wenige Wochen oder Monate nach Stellenantritt schwanger wird und so bald für eine bestimmte Zeit ausfällt. Das ist aus Arbeitgebersicht natürlich ungünstig. Andererseits regt mich das richtig auf, weil ja irgendjemand die Kinder auf die Welt bringen muss. Und das sind nun mal die Frauen.

Seit dem 21. Februar 2017 sind Sie selbst Mutter. Haben Sie aus diesem Grund schon mal einen Job nicht gekriegt?
In den ersten Wochen und Monaten nach der Schwangerschaft bekam ich gewisse Jobs nicht. Als Model und Moderatorin bewege ich mich in einem oberflächlichen Business, wo Körper und Gesicht Kapital sind. Viele Arbeitgeber wollten mich nicht, weil ich noch ein Bäuchlein hatte. Das war hart.

Mimi Jäger mit Sohn Louie Jäger beim SI Shooting für Muttertagsausgabe vom 11.05.2018 SI Nr. 19 / 2018
© Fabienne Bühler

Mimi Jäger tollt viel mit ihrem Sohn Louie herum.

Inzwischen haben Sie Ihr Gewicht wieder. Wie erleben Sie die Jobsuche in Ihrer Branche heute?
Bei Modelaufträgen bin ich dank diesem Umstand wieder gut im Rennen. Wenn ich mich für einen zeitintensiven Moderationsjob bewerbe, reagieren manche Arbeitgeber allerdings skeptisch, ob ich das mit Kind, Hund und Haushalt überhaupt hinkriege.

Wie äussert sich die Diskriminierung bei der Jobsuche genau?
Einige Arbeitgeber fürchten, die Bewerberin könnte regelmässig fehlen, weil ihr Kind krank ist. Oder kurz nach Stellenantritt wieder schwanger werden. Diese Haltung finde ich extrem ungerecht.

Bewerben Sie sich aufgrund dieser Erfahrungen nun anders?
Ich habe viel über dieses Thema gelesen. Ich fragte mich, ob ich das Kind im Lebenslauf nicht erwähnen soll, um meine Chancen auf einen Job zu erhöhen. Ich habe mich aber dagegen entschieden, weil ich Louie nicht verschweigen möchte. Der Kleine ist das Beste, was mir im Leben passiert ist.

Mirjam Jäger und Sohn Louie Bezahlter Insta Post vom Mai 2018
© Instagram

Mirjam Jäger und ihr Sohn Louie sind gefragte Markenbotschafter. Mit Instagram-Beiträgen wie diesen bewirbt Mimi Produkte.

Würden Sie für Louie einen Job ablehnen?
Nein. Es gibt für jede Situation eine Lösung. Ich und mein Freund Rafael Beutl sind in der glücklichen Lage, dass wir drei Personen für die Kinderbetreuung anfragen können. Manchmal kommen Louie und die Nanny auch mit, wenn ich wegen einem Job unterwegs bin. So ist er bei mir.

Heute sind Sie auch eine erfolgreiche Influencerin. Auf vielen Ihrer bezahlten Instagram-Beiträge ist Ihr Sohn zu sehen. Hier sind Sie als Mama wohl im Vorteil?
Ob es ein Vorteil ist, kann ich nicht sagen. Sicher ist das Kind für meine Tätigkeit als Markenbotschafterin nicht hinderlich.

Kämpfen Sie öffentlich gegen Diskriminierung von Müttern am Arbeitsplatz?
Ich würde mich sehr gerne vor Publikum dazu äussern. Obwohl ich selbst keine Feministin oder Frauenrechtlerin bin, kämpfe ich für die Chancengleichheit von Müttern. Um eine Podiumsdiskussion zu diesem Thema zu organisieren, bräuchte ich allerdings Unterstützung aus der Politik.

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