Karina Berger Missen-Memoiren: «Melanie Winiger war naiv»

Wenn jemand Experte in Sachen Miss Schweiz ist, dann Karina Berger, 43. Seit 1994 steht sie für die Wahl im Einsatz. Mit SI online wirft sie einen Blick zurück auf die vergangen Jahre, verrät, wie sich Melanie Winiger in ihrem Casting angestellt hat - und worauf sich die Schweiz am Samstagabend freuen darf.

SI online: Ist alles bereit für die grosse Wahlnacht?
Karina Berger: Es wäre schlecht, wenn nicht! Heute Abend findet die Hauptprobe statt, dann werden wir's sehen. Gestern sind die Designer mit den Abendkleidern gekommen, um letzte Anpassungen vorzunehmen. Ein wichtiger Moment!

Wie geht es den Kandidatinnen?
Es herrscht eine tolle Stimmung. Priska hat ihre Stimme zurück, Kristina die Krücken wieder gegen High Heels ausgetauscht - es geht allen gut! Und das mediale Interesse ist gross, auch von den Tessinern. Die Finalistinnen sind sehr gefragt, geben ständig Interviews.

Kommen da bei Ihnen eigentlich noch alte Gefühle auf? Oder liegt Ihre eigene Miss-Zeit schon zu weit zurück?
Organisatorin und Miss-Finalistin - das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Als Organisatorin habe ich mehr Verantwortung, als Kandidatin konnte ich nur auf mich selbst schauen. Zudem war ich damals definitiv nervöser als heute. Inzwischen kommt die Anspannung erst zehn Minuten vor Showbeginn. Und natürlich am Schluss, kurz vor der Verkündung der Gewinnerin.

Sie sind seit 17 Jahren als Organisatorin im Einsatz. An welche Ereignisse der Vergangenheit erinnern Sie sich heute noch besonders?
Das sind so viele Anekdoten, sie würden für ein ganzes Buch reichen. Spontan kommt mir das Casting von Melanie Winiger in den Sinn. Wie sie damals als 17-jährige Schülerin vor uns stand. Wir fragten sie, ob sie denn überhaupt bereit wäre, die Schule für ihr Missen-Jahr zu unterbrechen: «Nein», antwortete sie. «Aber ich habe jeweils am Mittwochnachmittag und samstags frei.» Wir staunten alle über ihre Naivität.

Es gab sicherlich auch traurige Momente.
Auch die gab es, ja. Zum Beispiel am 11. September 2001, wir waren an diesem Tag im Vorbereitungscamp. Ich war gerade mit einer Kandidatin zum Arzt unterwegs und telefonierte mit einem Blick-Journalisten, als wir von den tragischen Ereignissen in den USA erfuhren. Die Wahl haben wir ja dann verschoben. Das gab es noch nie.

Worin unterscheidet sich die Miss-Wahl von früher zu heute?
Die ganze Veranstaltung ist enorm gewachsen. Vor 20 Jahren wurde sie ja noch nicht im Fernsehen ausgestrahlt. Und inzwischen haben wir die Finalistinnen von 16 auf 12 Teilnehmerinnen reduziert - die Stimmung ist seither viel familiärer. Früher wurde die Miss zudem von der Jury gewählt, heute haben auch die Zuschauer einen wesentlichen Einfluss auf die Entscheidung. Im letzten Durchgang zählt ihre Stimme gar zu 100 Prozent.

Wie haben sich die Bewerberinnen verändert?
Die Frauen treten heute viel selbstsicherer, freigeistiger und offener auf. Sie sind zielorienteirter, streben einen bestimmten Beruf oder eine akademische Ausbildung an. Ausserdem stelle ich fest, dass die Welschen heute besser Deutsch sprechen. Früher haben sich in den Camps sofort Sprachregionen-Grüppchen gebildet. Der Röstigraben existiert nicht mehr.

Ein weiterer Unterschied: Die Miss Schweiz geniesst heute ein höheres Ansehen in der Öffentlichkeit.
Stimmt. Sie hat natürlich mehr Publizität und verdient mehr - ungefähr vier Mal so viel wie früher.

Was muss die Miss Schweiz der Zukunft mitbringen?
Eine schwierige Frage. Sie muss sicherlich sensibel sein für gewisse Themen: Von einer heutigen Miss erwartet man, dass sie sich dafür interessiert, was in ihrem Land aktuell ist. Da braucht es viel Taktgefühl und ethisches Denken. Zudem ist viel Kommunikationstalent gefragt. Die Siegerin muss die Schweizer innert kürzester Zeit für sich begeistern können.

Wie bringen Sie das den Frauen bei?
Das kann man nicht lernen. Entweder man hat diese Gabe oder nicht. 

Am Samstag erfahren wir, ob die neue Miss dieses Talent mitbringt. Was dürfen wir von der Wahlnacht in Lugano erwarten?
Eine ästhetische Unterhaltungsshow, die Jung und Alt sowie Mann und Frau zu begeistern vermag. Wohl kaum eine Sendung schafft das heute noch. Auch die musikalischen Gäste haben es in sich. Wir haben schon mit Baby Lores, dem kubanischen Act geprobt - das wird fantastisch! Und natürlich auf den Bikini-Durchgang: Das wird eine tolle, mystische Nummer.

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