Sommerserie: 26 Stars, 26 Kantone, 26 Lieblingsorte Mit Jacques-André Maire im Tal des Torfs

In der Sommerserie von SI online nehmen uns Schweizer Prominente mit an ihren Lieblingsort. Jacques-André Maire ist Nationalrat, seine Frau Monika Neuenburger Regierungsrätin. Sie leben wildromantisch im Dorf der Moorsoldaten!

Wir sind die Moorsoldaten und ziehen mit dem Spaten ins Moor». Nur wenige kennen noch dieses schwermütige Lied. Häftlinge des KZ Börgermoor haben es 1933  getextet. Sie mussten mit ihren Spaten Torf stechen.

Wir stehen mitten im Hochmoor von Les Ponts-de-Martel. Hier wurde bis zur Annahme der Rothenturm-Initiative vor genau 30 Jahren Torf abgebaut. Nasse, schwere, schwarze Erde. Nationalrat Jacques-André Maire, 60, zeigt auf eine kleine, dunkle Baracke: «Hier wohnten im zweiten Weltkrieg internierte polnische Soldaten, Sie mussten im Frondienst Torf stechen.»

Jacques-André Maire
© Kurt Reichenbach

Biolehrer Jacques-André Maire zeigt seiner Frau und Neuenburger Erziehungsdirektorin Monika die Blüten des Weideröschens.

Und seine Frau Monika, 53, ergänzt: «Den Polen war es verboten, sich im Dorf aufzuhalten, die Männer hatten offenbar Angst, dass ihre Frauen sich verlieben könnten.» – Ihr Mann lacht: «Trotz allen Verboten sollen damals im Tal Kinder zur Welt gekommen sein, die ihren Schweizer Vätern nicht geglichen haben.»

Die Schönheit des «Vallée de la Sagne et des Ponts» ist ihre Schwermut und Gottverlassenheit. Mit dem Auto zwar nur 20 Minuten von der Kantonshauptstadt entfernt, ist es doch weitab von jedem Geschütz. Hierhin verschlug es die 17-jährige Monika Hefti aus Pfungen ZH, um Französisch zu lernen. Sie lernte gleich auch noch die Liebe ihres Lebens kennen: Den Biologielehrer Jacques-André Maire. Sie heiratete ihn und 4 Kinder. «Eines davon ist 2-jährig ans Luekämie gestorben. Es hatte Trisomie 21», sagt Jacques André. Die anderen drei sind längst flügge.

Bis in die 70er noch mit Torf geheizt

Gemeinsam setzen sich die beiden Sozialdemokraten in Politik und privat für die touristische Weitereintwicklung des Tales ein. Zum Beispiel mit dem «Sentier de la Tourbière» - einem leichten, anderthalbstündigen Lehrpfad durch die Geschichte des Tales und des Torfes, der Kohle des armen Mannes. «Wir haben noch bis in die siebziger Jahre dheim mit Torf geheizt. Es stank immer fürchterlich», sagt Maire, dessen Vater als Uhrmacher bei Tissot in Le Locle gearbeitet hat.

Es regnet. Wir machen eine Pause in der Schaukäserei von Didier Germain. Hier wurde der Schweizer Blauschimmelkäse «Bleuchâtel» erfunden, der heute sogar in Moskau im Kreml gegessen wird. «Den Namen des neuen Käses, Bleuchâtel, hat mein Mann kreiert», sagt Monika Maire-Hefti stolz. Er mundet vorzüglich.

Jacques-André Maire
© Kurt Reichenbach

Auch in der Pinte de la Petite-Joux ist die Wasserkaraffe der Absinth-Fee zu Hause.

Weiter gehts. Hinauf zur «Pinte de la Petite-Joux». Hier in der Bergwirtschaft von Ariane Maurer hat man bei schönem Wetter eine wunderbare Sicht auf den Grand Canyon der Schweiz, den Creux du Van, der mit seinen senkrechten Felsen das Tal des Torfes von fern bewacht.

Zurück in Le Pont-de Martelsitzen wir im Restaurant des etwas in die Jahre gekommenen Hotel du Cerf. «Hier planen wir ein Torf-Museum. Wir haben einen Verein gegründet und das Hotel gekauft», sagt Jacques-André Maire. Hier in diesem Museum will er dann die Geschichte der polnischen Moorsoldaten erzählen und der stinkenden Kohle der armen Leute.

Drei Tipps von Jacques-André Maire zum Kanton Neuenburg


Tal des Torfs: Weiterführende Infos auf www.torby.ch, www.lesponts-de-martel.ch, www.fromagerie-les-martel.ch und www.petite-joux.ch.

Im Dossier: Weitere Prominente und ihre Lieblingsorte in der Sommerserie von SI online

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