Steve Guerdat «Mit Medaille um Hals auf Sofa eingeschlafen»

Die grosse Bühne mag er nicht, er hat nur wenige Freunde, und am liebsten ist er mit seinen Pferden unterwegs. Doch nach seinem Olympia-Sieg liess es Springreiter Steve Guerdat zünftig krachen.
Unschlagbares Team: Mit dem elfjährigen Wallach Nino holte Steve Guerdat eine Goldmedaille an den Olympischen Spielen.
© Nicole Bökhaus Unschlagbares Team: Mit dem elfjährigen Wallach Nino holte Steve Guerdat eine Goldmedaille an den Olympischen Spielen.

Steve Guerdat, 30, ist Single. Und er hat auch nicht viele Freunde, «aber für die geht er durch dick und dünn», weiss Vater Philippe. Das beruht auf Gegenseitigkeit: Wenn es was Grosses zu feiern gibt, lassen sich seine engsten Kumpels nicht zweimal bitten. Als am Mittwoch Steves Sieg an den Olympischen Spielen in London feststand, machten sie sich sofort aus dem Jura auf den Weg in die Party-Metropole. Und feierten dort mit dem neuen Reit-Champion bis in die frühen Morgenstunden. «Ich bin mit meinen Kleidern und mit der Medaille um den Hals auf dem Sofa eingeschlafen», erzählt der goldene Reiter gegenüber der «Schweizer Illustrierten». Zu diesem Zeitpunkt hatte der Jurassier, der seit fünf Jahren in Herrliberg ZH bei Pferdebesitzer Urs E. Schwarzenbach (siehe Box) lebt, bereits 300 bis 400 Gratulations-SMS erhalten.

Dabei steht Steve Guerdat eigentlich nicht gerne im Mittelpunkt. Lieber hat er seine Ruhe als auf der grossen Bühne zu stehen. Als er an der Siegerehrung im Blitzlichtgewitter der Fotografen zum Podest trat, machte er eine bemerkenswerte Geste: Er zeigte mit dem Finger auf den Kopf seines Pferdes. Nino hatte die Hauptarbeit gemacht, ihm gehört der Titel, wollte er damit signalisieren. Der elfjährige Wallach ist denn auch sein engster Weggefährte. Auf dem Pferd fühle er sich am lebendigsten, schwärmt Guerdat. «Ich liebe Pferde - sie bedeuten alles für mich, sie sind meine besten Freunde.»

Nino wählte er langfristig - entgegen den Ratschläge von aussen - für die Olympischen Spiele aus. Und war für ihn gar bereit, seine Strategie zu ändern: «An einem Punkt merkten wir, dass wir Nino überfordern. Dann mussten wir uns seinem Rhythmus anpassen - und nicht umgekehrt.» Das Pferd bedankte sich seinerseits und lieferte am Mittwoch, am entscheidenden Wettkampf, die Sprünge seines Lebens.

Das ganze Porträt über Steve Guerdat lesen Sie in der aktuellen «Schweizer Illustrierten» Nr. 33 - ab 13. August am Kiosk oder auf Ihrem iPad. 

 

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