Die glückliche Exfreundin Isabelle Flachsmann «Ein Sofatag? Gibts nach sechs Wochen Proben!»

Auf der Bühne hat sie ein spitze Zunge, privat ist sie ein entspanntes Mami: Musicalsängerin Isabelle Flachsmann zeigt ihr Leben zwischen High Heels und Spielplatz.
Isabelle Flachsmann Die Exfreundinnen
© Geri Born

Wirbelwind: Söhnchen Fridolin tobt durchs Haus und hält Mama fit. Am liebsten geht er mit ihr auf den Spielplatz.

Hüftschwung, Sprung, Purzelbaum. Fridolin, 3, wirbelt über den Holzboden und verneigt sich. Das Showtalent hat der Kleine eindeutig von seiner Mama. «Am liebsten würde er fünf Stunden am Tag toben», sagt Musicalstar Isabelle Flachsmann, 44, und tanzt mit ihrem Sohn im Kreis. Die Zugerin, früher auf Broadway-Bühnen in New York zu Hause, geniesst heute lieber die Aussicht auf Kühe und die Berner Alpen.

Im Rampenlicht aber steht sie immer noch oft. Derzeit tourt sie mit zwei Kolleginnen als «Die Exfreundinnen» auf Schweizer Bühnen – und das richtig erfolgreich. Eben erst feierten sie mit ihrem zweiten Stück Premiere. Auch privat betritt die Musicalsängerin ein neues Parkett: Seit einem Jahr lebt sie mit ihrem Mann Lukas, 36, und dem gemeinsamen Sohn Fridolin im neuen Eigenheim bei Bern. Vitra-Möbel, Design-Klassiker, helle Farben: Hier leben Ästheten. Lukas ist Grafiker und Designer mit Sammelleidenschaft, Fridolin und Mama Isabelle bringen Leben in die Bude.

Isabelle Flachsmann Die Exfreundinnen
© Geri Born

«Am liebsten würde er fünf Stunden am Tag toben», sagt Isabelle Flachsmann über ihren Sohn Fridolin. Mit Fridolins Vater Lukas ist die Musicaldarstellerin seit neun Jahren liiert, 2014 heirateten sie.

«Es wäre hart gewesen, in New York eine Familie zu gründen»

Bevor Flachsmann vor neun Jahren ihren späteren Ehemann trifft, passt ihr Leben in zwei Koffer. Mit Fernweh und Abenteuerlust zieht sie nach der Matura für eine Schauspiel- und Musikausbildung nach New York, spielt in Broadway-Musicals wie «42nd Street» mit, bekommt in Deutschland Hauptrollen. Für die Engagements verzichtet sie auf vieles: Sie hat wenig Ferien, acht Vorstellungen pro Woche und zieht immer wieder um. «Heute würde ich das nicht mehr durchhalten.»

In die Schweiz ist Isabelle Flachsmann gern zurückgekehrt. «Es wäre hart gewesen, in New York eine Familie zu gründen. Meine Prioritäten veränderten sich. Ich wollte nicht der Karriere wegen irgendwann alleine aufwachen und nahm die Fäden selbst in die Hand.»

Auch wenn sie, wie sie selber sagt, kein «spring chicken», also junges Huhn mehr sei, bleibt sie hungrig auf Neues und zieht ein strenges Fitnessprogramm durch. «Es freut mich, wenn ich merke, da geht noch was.» Im typisch weiblichen Selbstoptimierungsdrang muss sie sich zuweilen bremsen. «Ich schwanke zwischen Perfektionismus und Faulpelz», gibt sie zu. Ein Sofatag? «Den gibts nach sechs Wochen Proben.»

Isabelle Flachsmann Die Exfreundinnen
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Für sie läufts rund: Isabelle Flachsmann geht in ihrem Wintergarten Bühnentexte durch.

«Als ‹Die Exfreundinnen› sind wir das Gegenteil von brav»

Mit dem Ankleidezimmer hat sie sich einen Frauentraum erfüllt. Trotz Glitzerroben und High Heels wirkt bei ihr nichts protzig. Sie beherrscht den Spagat zwischen dem Mami, die in Sneakers Fridolin vom Kindergarten abholt, und der Glamour-Lady, die auf der Bühne unverblümte Texte singt.

«Als ‹Die Exfreundinnen› sind wir das Gegenteil von brav. Angepasste Programme mag niemand», sagt sie über sich und ihre Schauspielkolleginnen Martina Lory, 36, und Aniko Donath, 46, sowie die Musikerin Sonja Füchslin, 34. Die Shows sind zum Teil autobiografisch, Dokumentar-Comedy. Die echten Exfreunde der Frauen hätten so eine Abrechnung pauschal nicht verdient, gesteht Flachsmann augenzwinkernd.

Tatsächlich sass mal ein Exfreund im Publikum. «Und plötzlich holt eine meiner Kolleginnen ihn unwissentlich auf die Bühne. Er und ich schauten uns entsetzt an. Ein absurder Moment.» Ganz Profi sang Flachsmann scheinbar ungerührt weiter. «Zur Aufklärung kam es danach an der Bar», lacht sie.

Isabelle Flachsmann Die Exfreundinnen
© Geri Born

Glamour: Im Alltag geht sie mit Sneakers zum Spielplatz, auf der Bühne liebt sie High Heels.

«Heutzutage kann und muss doch jeder alles machen»

Texten, Arrangements, Choreografien, Drehbuch, Bühnenbild und Management. Alles macht das Frauen-Quartett selbst. Im neuen Stück nehmen sie sich und ihre Freundschaft auseinander. «Wir können untereinander kompliziert sein, aber wenn es hart auf hart kommt, geht man für die andere durchs Feuer.» Jede der vier Alphafrauen stehe leidenschaftlich für ihre Ideen ein. So lernte Flachsmann erst richtig streiten. «Aber nach fünf Minuten haben wir eine Lösung gefunden und lachen wieder.»

In der Familie hält Flachsmann nicht viel von Rollenbildern: «Heutzutage kann und muss doch jeder alles machen.» Putzen, Wäsche waschen tut, wer eben gerade da ist. Nur Kochen kann sie nicht. «Mir fehlt die Geduld», gibt die Sängerin zu. Ein Glück, ist ihr Lukas ein Meister des Boeuf bourguignon.

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